Linz-Profil

Linz hat in den letzten fünf Jahrzehnten dank einer entschiedenen Fokussierung auf Kunst und Kultur einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt. Lange Zeit war die Identität als Industriestadt prägend. Im Kontext der gesellschaftlichen Modernisierung im Österreich der 1970er-Jahre nutzte Linz die Chance, neue Themen offensiver zu besetzen als andere Städte. Technologie, Innovation und Mut zum Experiment trugen maßgeblich zur Entwicklung von Linz als dynamische und zukunftsorientierte Wirtschafts- und Kulturstadt bei. Der kontinuierliche Ausbau des Kunst- und Kulturbereiches veränderte das Erscheinungsbild der Stadt, steigerte das Selbstbewusstsein der Bevölkerung und verankerte das moderne Image von Linz. Diese Erfolgsgeschichte ist zugleich Verantwortung und Auftrag für die Zukunft, den Schwerpunkt auf Kunst und Kultur von Linz offensiv zu gestalten und weiterzuentwickeln.


_ Kultur verändert Stadt
Die Weichenstellungen der 1970er- und 1980er-Jahre verliefen in zwei parallelen Strängen: Einerseits setzte die Stadt mit der Eröffnung des Brucknerhauses (1974), dem Brucknerfest und dem Forum Metall (1977), dem Ars Electronica Festival und der ersten Linzer Klangwolke (1979) sowie dem Prix Ars Electronica (1987) internationale Akzente in Themen- und Aktionsfeldern, die in Österreichs Kulturlandschaft bis dahin kaum besetzt waren. Andererseits erkämpfte sich zeitgleich eine selbstbewusste freie Kunst- und Kulturszene ihre Räume. Gründungen wie das Theater des Kindes (1973), die Stadtwerkstatt (1979), die KAPU (1984) oder das Theater Phönix (1989) schufen autonome Strukturen abseits des institutionellen Rahmens. Linz erkannte früh das demokratische Potenzial einer „Kultur für alle“ und förderte einen vielfältigen und offenen Zugang zu Kunst und Kultur. Das produktive Spannungsverhältnis zwischen öffentlichen Institutionen und subkultureller Eigeninitiative wurde zu einem dauerhaften Markenzeichen der Kulturstadt Linz.

Auf diese erste „Gründerzeit“ folgten weitere Meilensteine: Die Errichtung des Ars Electronica Center (AEC) mit Futurelab (1996), der erste Kulturentwicklungsplan (2000) sowie das Europäische Kulturhauptstadtjahr (2009) festigten die Entwicklung zur Kulturmetropole. Die Dekade rund um 2009 markierte generell einen wichtigen Infrastrukturausbau – vom Lentos Kunstmuseum (2003) über den Wissensturm (2007) und den Neubau des AEC (2009) bis hin zum Ankauf der Tabakfabrik (2009) und der Errichtung des Musiktheaters (2013). Die Ernennung zur UNESCO City of Media Arts (2014), die Eröffnung des VALIE EXPORT Center (2017) und das Anton-Bruckner-Jahr (2024) stärkten die internationale Positionierung von Linz.


_ Kulturentwicklungspläne der Stadt Linz
Nach dem Kulturhauptstadtjahr folgte 2013 die Beschlussfassung des zweiten Kulturentwicklungsplans. Mit seinen vier Leitlinien „Chancengleichheit erhöhen“, „Potenziale fördern“, „Zugänge schaffen“ und „Stadt öffnen“ fanden die kulturpolitischen Schwerpunkte des ersten KEP mit „Kultur für alle“, „Freie Szene“, „Technologien und Neue Medien“ sowie „Offene Räume“ ihre Fortsetzung. Mit den Leitlinien und Schwerpunkten der Kulturentwicklungspläne und ihrer Realisierung verbindet die Stadt Linz, wie es im ersten KEP im Jahr 2000 formuliert wurde, „die Überzeugung, dass Kultur und Kulturpolitik einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung von Linz, ihrer Lebensqualität und Individualität und ihrer Positionierung als moderne, zukunftsorientierte Kultur- und Technologiestadt leisten“.

Der KEP3 führt diese Tradition fort. Er bündelt die kommenden Herausforderungen in acht Schwerpunkten: Teilhabe, Stadträume, Zusammenarbeit, Befähigung, Digitalität, Ressourcen, Nachhaltigkeit und Sichtbarkeit. Darin artikuliert sich der Anspruch, die spezifischen Stärken von Linz mit globalen Entwicklungen zu verweben und die Kulturstadt Linz gemeinsam, demokratisch und zukunftsfähig weiterzuschreiben.


_ Kulturstadt Linz heute
Linz zeichnet sich heute durch kulturelle Errungenschaften und spezifische Kulturmarken aus, die das Linz-Profil programmatisch, aber auch städtebaulich prägen. Die Uferzone der Donau fungiert dabei als zentraler Natur- und Kulturraum, der Institutionen wie das Brucknerhaus, das Lentos Kunstmuseum und die Ars Electronica verbindet und zu einem sichtbaren Symbol der städtischen Transformation geworden ist. Neben diesen Häusern tragen auch der Posthof, das Kinderkulturzentrum Kuddelmuddel, das Nordico Stadtmuseum, das Atelierhaus Salzamt und die Musikschule der Stadt Linz maßgeblich zur stadteigenen Kulturinfrastruktur bei. Ergänzt wird dieses Spektrum durch Landeseinrichtungen wie das Landestheater Linz, das Schlossmuseum, das Francisco Carolinum Linz, das OK Linz, die OÖ Landesbibliothek und das Adalbert-Stifter-Institut.

Wesentlich mitgestaltet wird das kulturelle Leben zudem von einer Vielzahl an Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen der freien Kunst- und Kulturszene, die mit ihren Projekten und Veranstaltungen für ständige Erneuerung sorgen, darunter bereits seit den 1990-Jahren aktive Initiativen wie Radio FRO, FIFTITU%, maiz, servus.at, Time’s up oder KunstRaum Goethestrasse xtd. Ein Fokus auf zeitgenössische Kunst – in Verschränkung mit Technologie, Gesellschaft und Umwelt – sowie eine abwechslungsreiche Festivallandschaft prägen das Profil der Kulturstadt Linz. Vom Ars Electronica Festival über das Internationale Brucknerfest, die Klangwolken, das Crossing Europe Filmfestival und das Stream Festival bis hin zum Internationalen Straßenkunstfestival Pflasterspektakel spiegelt sich ein Gestaltungswille wider, der Linz zum urbanen Zentrum eines Bundeslandes mit über 1,5 Millionen Menschen macht. Kulturtouristisch positioniert sich Linz bewusst als Stadt, die authentische Begegnungen und überraschende Perspektiven verspricht. Seit dem Kulturhauptstadtjahr belegen laufend steigende Nächtigungszahlen den Aufwärtstrend von Linz im internationalen Städtetourismus.

Diese Vielfalt ist eng mit einer starken Bildungs-, Forschungs- und Kreativlandschaft verknüpft. Die Kunstuniversität und die Johannes Kepler Universität fungieren als zentrale Impulsgeberinnen für die internationale wissenschaftliche und kulturelle Positionierung von Linz, ergänzt durch die Anton Bruckner Privatuniversität, die Katholische Privat-Universität und die IT:U Interdisciplinary Transformation University Austria. Der Wissensturm mit Volkshochschule und Stadtbibliothek steht exemplarisch für den Anspruch, kulturelle Bildung für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. An der Schnittstelle von Kultur und Wirtschaft hat sich darüber hinaus mit der Tabakfabrik als Kreativ- und Innovationsquartier sowie mit der Creative Region Linz & Upper Austria eine lebendige Kreativwirtschaft entwickelt, die den Standort zusätzlich stärkt. In diesem Sinne ist Kultur in Linz kein isoliertes Feld, sondern ein entscheidender Faktor für kritisches Denken, Wissenserwerb und Zukunftsfähigkeit in einer diversen Gesellschaft.

Eine wichtige Aufgabe der Stadt ist und bleibt die Auseinandersetzung mit der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus, die in Form einer aktiven Erinnerungskultur ihren Ausdruck findet. Die wissenschaftliche und künstlerische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit ist fester Bestandteil des städtischen Selbstverständnisses.


_ Relevanz von Kulturpolitik
Kulturpolitik schafft die Rahmenbedingungen für die Sicherung und Entfaltung des kulturellen und künstlerischen Lebens in Linz. Demokratische Grundwerte sind unabdingbare Bestandteile städtischer Kulturpolitik und Vorbedingung für die Freiheit der Kunst.

Die Stadt Linz bekennt sich zur finanziellen Unterstützung von Kunst und Kultur als öffentlicher Aufgabe. So ist unter anderem in der von Österreich ratifizierten UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen die Sicherung eines Umfeldes, in dem sich die Vielfalt an Kunst und Kultur frei entfalten kann und vor einer rein ökonomischen Betrachtungsweise geschützt ist, eine zentrale Bestimmung.

Die gesellschaftliche Relevanz von Kunst und Kultur zeigt sich in allen Bereichen des Lebens, von der individuellen Persönlichkeitsbildung über soziale Beziehungen bis hin zur Gestaltung von Stadträumen. In ökonomischer Hinsicht ist der Kunst- und Kultursektor ein wichtiger Standortfaktor im internationalen Städtewettbewerb um Unternehmen, Arbeitsplätze, Tourismus sowie Wissenschaft und Forschung.

Für den Schutz der künstlerischen Integrität und kulturellen Autonomie bilden demokratische Wertehaltungen die Basis. Dazu gehören insbesondere Humanität, Solidarität, Transparenz, Respekt, Freiheit, Gleichstellung der Geschlechter, Rechtsstaatlichkeit und soziale Sicherheit.