Ursula Hübner

Zu ihrer Person, dürfte ich Geburtsdatum und Geburtsort wissen?

Ursula Hübner: 6. Oktober 1957 in Salzburg.

Und Sie leben in Wien oder Linz?

Ursula Hübner: Ich lebe in Wien und in Linz. Hauptwohnsitz ist Wien.

Und seit wann leben Sie in Linz?

Ursula Hübner: Seit 1998.

Welche kunst- und kulturbezogenen Aktivitäten und Funktionen üben Sie derzeit aus?

Ursula Hübner: In erster Linie sehe ich mich als Künstlerin, freischaffende Künstlerin, Malerin, in zweiter Linie sehe ich mich als Bühnenbildnerin. Das sind die beiden Studien, die ich gelernt habe. Und der Hauptberuf ist Universitätsprofessorin.

Gibt es irgendwelche Funktionen mit Kunst- und Kulturbezug die sie ausüben? In irgendwelchen Gremien oder Beiräten?

Ursula Hübner: Ich war über längere Zeit im Landeskulturbeirat Oberösterreich. In Linz habe ich in dem Sinne keine Funktion, außer an der Kunstuniversität im Senat.

Wie würden Sie die eigene Tätigkeit am ehesten bezeichnen?

Ursula Hübner: Künstlerin und Professorin.

Dann kommen wir zum Block über die kulturelle Entwicklung, Situation und Zukunft von Linz. Zum Einstieg würde ich gerne ein kurzes Assoziationsspiel machen. Wenn Sie sich vorstellen, es steht irgendwo „Kulturstadt Linz“, was würden Sie damit assoziieren? Egal ob es Namen, Einrichtungen, Begriffe oder Themen sind.

Ursula Hübner: Das ist natürlich eine sehr persönliche Warte. Ich würde jetzt diese drei großen Häuser für zeitgenössische Kunst damit verbinden, und das sind eben die Landesgalerie, das Lentos und das OK. Und das Ars Electronica Center natürlich, wobei ich eben mit der Ars Electronica persönlich nicht so viel zu tun habe. Dann ist für mich die Kunstuniversität natürlich auch ganz wichtig, weil ich da sehe, dass da sehr viele Leute über den Kulturbegriff nachdenken oder Beiträge leisten. Und das Theater, die Oper, die gerade im Bau befindlich ist, das Brucknerhaus natürlich, Bruckner-Konservatorium, der Ursulinenhof. Dann gibt es verschiedene Festivals, Crossing Europe natürlich, ganz toll, dass das jetzt da ist in der Stadt, das architekturforum. Seit ich hier in Linz bin, ist eine wahnsinnige Beschleunigung und Verdichtung passiert. Es gab damals das Lentos noch nicht, Crossing Europe gab es nicht, das architekturforum in der Form oder die Künstlervereinigung Maerz in der Form gab es nicht. Es gibt wahnsinnig viel, das Salzamt, wahnsinnig viel ist passiert. Was es allerdings immer noch nicht gibt, und was ich irgendwie ein bisschen schade finde, es hat sich noch nicht wirklich eine Galerienszene entwickelt. Es gibt keine Galerien, die gut verkaufen würden. Es gab einmal die Simone Feichtner, die einen Galerieraum eröffnet hat, da habe ich mir gedacht, das könnte jetzt etwas werden. Und die Galerie Paradigma ist irgendwie ganz nett, aber das ist nicht wirklich etwas, das nach außen hin strahlen kann. Und die Galerie Brunnhofer gibt es, aber da sehe ich zwar, dass Herr Brunnhofer und seine Frau das sehr intensiv verfolgen, er sich aber für meine Begriffe sehr stark an einer bestimmten Richtung orientiert, die für mich eher nicht so interessant ist.

Sie haben im Einstieg gleich zwei Fragen vorweg genommen, sie haben eine eher positive und eine eher negative Entwicklung der letzten Jahre eingebracht. Das eine war die Vielfalt von Initiativen, Einrichtungen, Häusern, die in den letzten Jahren entstanden ist, das andere war der fehlende Galeriebereich.

Ursula Hübner: Genau, der fehlende Galeriebereich. Ich würde jetzt nicht sagen, der Off-Space-Galeriebereich, das muss gar nicht Off-Space sein, sondern wenn ich mir jetzt zum Beispiel in Salzburg die Galerie Ropac anschaue. Es ist jetzt nicht so, dass dann junge Studenten gleich bei Ropac landen würden, aber man kann schon sagen, so eine Galerie macht es auch anderen irgendwie leichter, sich dort anzusiedeln. Aber da ist irgendwo kein Muskel da in der Stadt, für Galerien.

Was wäre ihre Vorstellung, wie viele Galerien in dieser Art bräuchte es in Linz?

Ursula Hübner: Ich habe Christian Meyer von der Galerie Meyer Kainer in Wien einmal gefragt, ob er nicht eine Zweigstelle in Oberösterreich aufmachen möchte. Die Galerie Krobath geht nach Berlin, das ist natürlich ganz etwas anderes, dort eine Zweigstelle aufzumachen. Und er hat mir gesagt, seine potentesten Käufer kommen aus Oberösterreich, das ist ja das Absurde. Oberösterreich ist ein Land, wo wirklich viel Geld da ist, aber die Leute fahren dann lieber nach Wien, um es dort zu kaufen, meint er. Aber ich glaube, es müsste so vier bis fünf Galerien geben. Also es sind ja alle in Wien angesiedelt und das finde ich schade. Ich sage immer meinen Studenten, es wäre natürlich wahnsinnig gut … und da komme ich gleich zu einem Punkt, der mir im Zusammenhang mit der Frage zum Kulturentwicklungsplan, was wäre nötig, eingefallen ist. Und zwar ist es der Punkt, dass es auch immer Leute braucht, die persönlich hinter einer bestimmten Entwicklung stehen, die Initiativen setzen, eine Strahlkraft haben und es ermöglichen. Man kann da noch soviel Raum und Geld zur Verfügung zu stellen, das ist schon sehr gut, aber es nützt nichts. Es muss auch eine Person sein, die das ausfüllt, mit ihrer Person und mit ihrer Initiative und mit ihrer Kraft. Ich sage immer, es wäre toll, wenn jemand aus der Klasse eine Galerie eröffnen würde, oder nicht aus der Klasse, überhaupt aus der Universität. Wenn es da etwas gäbe.

Sie haben gesagt, sie sind seit 1998 in Linz. Was ist ihrer Meinung nach sonst noch besonders gut in der kulturellen Entwicklung dieser Stadt in den letzten zehn Jahren gelaufen? Sie haben ja zu Beginn einige Bauten genannt, einige Häuser, Einrichtungen, Initiativen, die entstanden sind, aber was sonst noch?

Ursula Hübner: Ich merke nur, dass das wahrscheinlich die Summe der verschiedenen Initiativen ist, also der Bauwerke vor allem auch. Wenn ich jetzt in Wien sage, ich arbeite in Linz, dann sagen die Leute: Ach, in Linz, da passiert ja jetzt sehr viel. Und das sagen nicht nur Leute, die in der Kunst- und Kulturszene tätig sind, sondern das bekommt man schon mit. Und das ist schon einmal sehr positiv. Das ist auch für mich positiv, wenn ich hier arbeite, weil es natürlich immer assoziiert wird: Ja, die ist dort, wo sich eh etwas abspielt. Ich glaube auch, dass das durch solche Leute ist wie Stella Rollig, Martin Hochleitner oder Martin Sturm, die ein ganz ein anderer Typus von Direktoren von Häusern sind als die in Wien. Und dass die drei zum Beispiel zusammenarbeiten oder, ich weiß nicht, Martin Sturm mit dem Rad durch die Stadt fährt. Das sind schon so kleine Details, dass das auf eine sehr entspannte Weise da läuft und das finde ich gut. Das hängt eben auch mit Personen zusammen. Die werden sicher auch ihre Probleme miteinander haben, aber im Großen und Ganzen … sie haben eben auch die Triennale gemeinsam gemacht. Das ist schon ein Zeichen dafür, dass sie gemeinsam irgendwie etwas machen wollen. Ich habe das Gefühl, es ist sehr entspannt. Auch in Salzburg ist es nicht so entspannt, also ich als Salzburgerin sehe das auch so, dass das in Linz ganz gut funktioniert. Es ist auch ganz lustig. Wenn ich mit den Studenten unterwegs bin, auf Studienreise, sind die natürlich immer alle ganz beeindruckt von London und was weiß ich was, Paris, wo immer wir auch sind, aber manchmal erkennt man dann doch, was man auch hier alles sieht, im OK. Da haben wir irgendeine Arbeit in London in einer Galerie gesehen, wo ich gesagt habe: Ja, aber das war eigentlich vorher schon im OK. Das ist dann schon immer sehr verblüffend. Es ist auch sicher wieder einmal wichtig oder gut, wenn irgendwann einmal neue Leute kommen, das ist überall wichtig. Das ist jetzt auch bei mir in der Malereiklasse, wo ich das jetzt schon so lange mache … ich schaue halt dann, dass neue Assistenten kommen, dass man neue Sachen zulässt. Weil es braucht immer wieder Bewegung, aber das ist alles ganz gut aufgestellt, glaube ich. Und die Freie Szene, da gibt es dann eben immer wieder so Dinge … da muss ich jetzt leider zugeben, ich weiß natürlich da einiges auch nicht, was sich da so abspielt. Ich bekomme höchstens mit, wenn meine Studenten irgendwo involviert sind, aber ich weiß jetzt nicht, was sich zum Beispiel beim jungen Schauspiel gerade abspielt oder beim jungen Tanz oder so. Da glaube ich, da jammern manche, dass es irgendwie schwierig ist, also die Arbeit mit wenig Geld. Dass es schwierig ist, dann irgendwie eine Ausstellung aufzubauen oder dann scheitert es am Raum oder am Licht oder sonst wo. Es kostet halt alles Geld. Da gibt es zwar immer wieder Fördermöglichkeiten, aber oft ist es auch so, dass man eigentlich relativ rasch eine Idee umsetzen möchte. Und das ist oft sehr schwierig, dass man da dann eine Möglichkeit findet.

Gibt es sonst noch kulturelle Entwicklung in den letzten zehn Jahren, mit denen Sie überhaupt nicht zufrieden sind?

Ursula Hübner: Es fällt mir schwer das zu beschreiben, es ist eher so ein Gefühl, dass ich manchmal denke, es fehlt hier ein bisschen an Leichtigkeit und Eleganz. Wenn ich jetzt zum Beispiel an die Nibelungenbrücke denke, über die ich immer gehen muss, da donnert der Verkehr drüber und dann kommt man auf den Hauptplatz, da fahren auch die Autos und die Straßenbahnen durch, da fragt man sich, wieso eigentlich. Und was mich total stört, das sind natürlich die zwei Brückenkopf-Gebäude, ich fände es so schön, wenn da direkt … irgendwo denke ich mir, da müsste sofort der Fluss viel mehr genutzt werden, also wenn da jetzt lauter Schiffe wären, so wie in Wien das Badeschiff, da gehen jetzt viele Leute rauf, solche Sachen. Also so etwas wie ein Schiff oder unter der Nibelungenbrücke zum Beispiel. Ich bin jetzt keine Architektin, aber ich stelle mir vor, da müsste es darunter eine Art Hängebrücke geben, wo man als Fußgänger durchgehen könnte, wo es nicht laut und stinkig wäre, sondern vielleicht eine große breite Wiese in der Mitte gibt, und man könnte da durchgehen. Also das sind so Dinge, da müsste irgendwie etwas Leichtes und Luftiges dazukommen.

Wenn man den Blick über Linz hinaus schweifen lässt, also über den Tellerrand blickt. Ich würde jetzt Wien gerne ausnehmen, weil es einfach nicht vergleichbar ist, nicht richtig, aber wenn man Linz mit anderen österreichischen Städten vergleicht, vor allem mit Salzburg, Innsbruck oder Graz, weil es von der Größe her gut passt: Wo kann Linz da punkten in einem Städtewettbewerb, wenn es um kulturelle Punkte geht?

Ursula Hübner: Ich wage zu behaupten, dass Linz die bessere Kunstuniversität oder die interessantere Kunstuniversität hat als Salzburg. Die Salzburger haben natürlich den Fokus auf der Musik, aber es gibt ja auch Kunstausbildung dort. Und dadurch, dass ja doch viele bildende Künstler … also die Jazzausbildung gibt es ja auch in Linz, ich glaube schon, dass das schon einmal ganz gut ist. Wo könnte es noch punkten? Salzburg hat große Schwierigkeiten mit der zeitgenössischen Kunst, ich glaube da hat Linz weniger Probleme. Allerdings habe ich manchmal auch das Gefühl, dass es vielen Linzern egal ist. Es ist ihnen relativ egal, was hier passiert im künstlerischen Bereich in der Stadt. Ich habe nicht so sehr das Gefühl einer Anteilnahme wie das zum Beispiel in Wien ist, aber Wien wollten wir ja ausnehmen. Aber da gibt es mehr Interesse. Und zu Graz muss ich sagen, ich war jetzt eigentlich schon länger nicht mehr dort, aber ich glaube, Graz hat früher die Literaten-Szene gehabt, die sehr stark war. Das ist wieder der Punkt, dass es auch sehr viel mit Personen zusammenhängt, die irgendwo eine Strahlkraft haben. Die haben dann damals in Graz sehr viele Künstler angezogen so wie Kippenberger und Oehlen und diese ganzen Leute, die waren gerne in Graz. Und der steirische Herbst war einfach damals noch ein Avantgarde-Festival. Die Schwierigkeit ist dann auch, dass man manchmal schon so verwöhnt ist, wenn etwas etabliert ist, dann ist man nicht mehr so neugierig darauf. Vielleicht haben die Grazer das Problem, dass man nicht mehr so neugierig darauf ist. Und dann bringt man mit Linz natürlich noch die Musik-Szene in Verbindung.

Ist das noch so oder ist das, vielleicht analog zu den Grazer Literaten, eher ein Mythos?

Ursula Hübner: Das kann ich zu wenig beurteilen, weil ich nicht in die KAPU gehe oder in die Stadtwerkstatt, ins Strom. Da bin ich leider ein bisschen zu alt und zu müde schon am Abend.

Inwieweit denken Sie, dass Linz eigentlich international als Kulturstadt wahrgenommen wird? Wie weit reicht das?

Ursula Hübner: Ich meine, das ist komisch, weil eben, wie gesagt, ich war mit der Klasse in London und was wirklich verblüffend war, dass wir nicht nur in einer Auslage, sondern in mehreren Auslagen den Katalog gesehen haben zu „See this Sound“, dieser Ausstellung im Lentos. Und das ist ein tolles Zeichen. Ich glaube, das ist öfters so, dass man das manchmal unterschätzt. Ich denke mir, wer wird denn Linz kennen oder so. Aber es ist genauso, wie wir das irgendwie manchmal toll finden, dass irgendwo in einer anderen Stadt sich irgendetwas abspielt. Ich glaube, da gibt es schon Spezialisten, die durchaus wissen, wo Linz auf der Landkarte liegt.

In dem Zusammenhang ist Linz09 immer ein Thema gewesen, also diese Positionierung auf der Landkarte zu schaffen. Wenn sie ein Resümee zu Linz09 geben müssten mit maximal drei Punkten, was würde Ihnen da auf alle Fälle einfallen?

Ursula Hübner: Linz09 war für mich persönlich kein wichtiges Ereignis. Ich war froh, dass es in der Stadt, in der ich unterrichte, stattgefunden hat. Ich finde, man hat gemerkt, sie putzt sich ein bisschen heraus, es hat plötzlich ein bisschen mehr Lokale gegeben und so weiter. Und natürlich gab es einige Aktivitäten, viele Aktivitäten, kulturelle Aktivitäten, aber es waren doch sehr viele unglückliche Momente auch dabei, weil ich glaube, dass das sehr … ich kenne jetzt die Hintergründe nicht, aber wenn dann mehrere Projekte mitten im Jahr abgesagt werden, dann macht das einfach eine ganz schlechte Figur. Da war irgendwie kein besonders guter Geist darüber, habe ich das Gefühl, über diesem Festival. Ich will jetzt gar nicht kritisieren, ob das irgendwie an der Intendanz gelegen hat oder was da sonst los war, aber es war nicht so, dass ich das Gefühl hatte, die konnten Stimmung für sich machen.

Wenn wir den Blick wieder weg richten von dieser internationalen Perspektive und uns das Kunst- und Kulturfeld in Linz ansehen. Da hätte ich drei Fragen dazu. Wie schätzen Sie das Verhältnis in Linz von Hochkultur zu Subkultur zu Volkskultur ein?

Ursula Hübner: Da würde ich sagen, wahrscheinlich würden diejenigen, die sich angesprochen fühlen durch das jeweilige Feld, jeweils sagen: Wir sind zu wenig vertreten. Das nehme ich einmal an. Für mich ist es eine komische Frage. Was ist Hochkultur? Hat Hochkultur nur damit zu tun, dass es irgendwie einem bestimmten Bildungskanon genüge tut oder ist etwas Hochkultur, weil es im Brucknerhaus vorkommt oder ist jetzt etwas Subkultur, wenn jemand, der wenig Geld hat, irgendwie einen Hölderlin-Text wo liest, also schwierig. Und Volkskultur … Volkskultur, das ist so, dass das jetzt wieder einen, wie ich finde, interessanten Wandel erlebt, weil man das Regionale jetzt wieder unter einem anderen Label machen kann und darf und entdecken will. Volkskultur ist ja nur dann unappetitlich, wenn es sozusagen einen Anspruch hat nach einer Wahrheit oder sich ausschließen will gegen andere. Aber sonst ist ja dagegen nichts einzuwenden. Das ist ja eigentlich … ich meine, was Attwenger machen oder so, das ist ja sozusagen auch ein ganz wichtiger Linzer Exportartikel gewesen oder ist es noch. Das war ja zum Beispiel auch etwas, was für mich unter Volkskultur fällt, und Subkultur, aber auch Hochkultur, auch weil sich sehr viele dafür interessiert haben oder weil es auch die Intellektuellen befriedigt hat.

Wenn Sie sich einzelne künstlerische Disziplinen vorstellen, also von der bildenden Kunst, Malerei, Grafik angefangen, experimentelle Formen, Bildhauerei, Film, Fotografie, Musik, Literatur, Tanz Theater. Wo würden sie meinen, dass in der Stadt noch besonderes Entwicklungspotenzial vorhanden wäre?

Ursula Hübner: Das fällt mir nicht so leicht, zu beantworten, weil … es ist sehr eigenartig, aber ich habe dann trotzdem das Gefühl, dass es schwierig ist, weil die Gruppe der Leute, die in Linz kulturell tätig ist, dann doch wieder nicht so groß ist. Und viele ja noch in andere Städte gehen, wenn sie das Studium abgeschlossen haben. Ich weiß jetzt nicht, wie es sozusagen bei der Musik und beim Tanz ist zum Beispiel, aber viele gehen ja weg. Und das ist ein riesiges Problem. Oder vielleicht muss man es nicht so als Problem sehen, sondern muss irgendwo beginnen, diese Distanzen aufzulösen. Also wenn ich jetzt daran denke, dass viele nach Wien gehen, vielleicht müsste man eben einfach nur … das führt aber jetzt ganz wo anders hin. Aber ich denke mir, vielleicht müsste man auch in Wien so etwas wie eine Linzer Botschaft einrichten, sage ich jetzt einmal, einen Ort, der einen Transfer ermöglicht. Ich glaube, dass es aber eigentlich überhaupt nicht schwer wäre, die Leute wieder hierher zu holen, also für Projekte. Es ist ja ein Phänomen, die Oberösterreicher sind auf der ganzen Welt verstreut, auch in der Kunst sind, und dann sagen alle immer: Wieso sind die jetzt weg gegangen? Es war einmal eine Zeit lang das Phänomen, dass fast alle Landeshauptleute Oberösterreicher waren in Österreich. Der Haider in Kärnten war Oberösterreicher, die Gabi Burgstaller ist Oberösterreicherin, der Van Staa ist Oberösterreicher, der Pühringer ist sowieso ein Oberösterreicher. Es war ein dichtes Feld von Oberösterreichern, die in auch in anderen Bundesländern gewirkt haben. Die gehen ja viel raus, die sind nicht nur daheim, das ist ja das gute daran, aber man muss eher schauen, dass man die Bindungen ausnützt. Ich habe jetzt zum Beispiel gerade Lehrauftragsstunden übrig, dieses Sommersemester, und gebe das an Leute, die hier studiert haben und die kommen jetzt wieder und unterrichten da. Die fahren dann natürlich wieder nach Wien, weil sie da ihre Ateliers haben, aber sie wissen trotzdem immer, was sich da abspielt. Ich glaube, man muss ein bisschen wegkommen von dem Denken, dass es eine Verarmung bedeutet, wenn die nicht in Linz wohnen. Ich finde das schon sehr gut, dass man so etwas hat wie Artist-in-Residence-Programme, dass man Leute herholt. Ich merke jetzt, wir haben so viel mehr Erasmus-Studierende, seit das funktioniert bei uns. Die kommen aus allen Ecken daher nach Linz, das gefällt mir total gut. Wie weit der Output ist, den sie dann in einem Jahr oder in einem halben Jahr auf der Universität haben, wenn sie da sind, ist wieder etwas anderes. Aber ich habe immer das Gefühl, die bringen Energie rein und die gehen auch Verbindungen ein mit unseren Studenten und da gibt es immer Spuren, die man verfolgen kann, die unsere Studenten dann auch wieder wo anders hin denken lassen. Das ist so wichtig, das ist ja irgendwie diese Möglichkeit, Linz globaler zu denken. Und ich bemerke, es kommen Studenten da her, die kommen aus ländlichen Zusammenhängen, das ist angenehm eigentlich, weil viele von denen sympathischer sind als manche, die schon einen anderen Ansatz in sich spüren … und wie schnell es geht, dass sie das auch aufnehmen, von Linz aus in andere Länder zu wirken. So wie Stephanie Mold mit ihrem Projekt, das sie dann in die Türkei geführt hat, die sehr viel Verbindungen hergestellt hat zur Türkei. Das ist sowieso auch ein Thema, Migration, die Migranten in Linz oder die verschiedenen Kulturen, die da herkommen, wie man mit denen … also ich habe noch nie eine türkische Bewerberin oder einen türkischen Bewerber gehabt zum Beispiel, auch aus Restjugoslawien nicht. Es kommen Leute aus dem Osten, aber nicht wirklich aus diesen Ländern, das ist ganz erstaunlich, also sozusagen die Gastarbeiterkinder der dritten Generation.

Damit sind wir schon direkt bei der letzten Frage in diesem Block. Vorher habe ich gefragt nach den Disziplinen, und jetzt sind wir bei Themen gelandet. Ein Thema, dass sie genannt haben, ist jenes der Anbindung von Künstlerinnen und Künstlern, die in Linz wirken oder gewirkt haben, ein anderes jenes der Migration und Integration. Welche anderen kulturellen Themen oder thematischen Schwerpunkte würden Sie meinen, werden zukünftig die größten Herausforderungen für die Stadt darstellen?

Ursula Hübner: Ich denke mir, es müsste irgendwie eine Art Verführung – Verführung jetzt nicht im Sinne, dass man nicht weiß, was passiert – da sein, es muss ein Magnetismus ausgehen von Gemeinschaftsprojekten oder von Projekten zwischen einzelnen Kulturen. Angenommen, man könnte etwas herstellen, dass sich zwei Kulturen vermischen, jetzt meinetwegen die türkische und die oberösterreichische, und die würden irgendeine Fusion erzeugen, wie es in der Musik öfters passiert, und das wäre irgendetwas, was allen Leuten gut gefallen würde, das wäre toll. Oder was mir vorschweben würde, das habe ich meinen Studenten auch schon gesagt, sie sollen sich einen neuen Tanz einfallen lassen. Sie sollen irgendeinen Gesellschaftstanz erfinden, weil eigentlich müsste man sich das einmal genauer ansehen, da ja viele soziale Phänomene im Tanz schon vorweggenommen wurden. Der Tanz, der höfische Tanz, der Walzer, Jazz-Tanz. Was ich damit sagen will, es muss die Möglichkeit geben für die künstlerischen Personen in der Stadt, dass sie ihre eigenen Obsessionen pflegen können, dass man das auch fördert. Dass man sagt, du bekommst jetzt einmal, weil wir dir vertrauen, ein ganzes Jahr oder noch länger jeden Monat 2.000 Euro, obwohl du noch ganz jung bist, damit du das verwirklichen kannst, was du verwirklichen möchtest. Lass dir Zeit, dräng dich jetzt nicht. Also nicht diese Kunstsubventionen, die sind ja oft so wie ein Minimaltraum, sondern sattere Stipendien einmal vergeben. Das wäre dann sicher auch für die Leute interessant, die wissen, wenn sie hier eine gute Arbeit machen, bekommen sie da wirklich einiges mit auf den Weg. Und wie man das angeht, dass man so Verbindungen herstellt, die nicht nur auf einem … oder die in einem größeren Zusammenhang zu funktionieren beginnen, das weiß ich nicht genau. Das wäre natürlich auch spannend, das ist etwas was mich total interessiert. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mir da gerne Sachen überlegen.

Zu den einzelnen Themenbereichen, zuerst zu Interkulturalität, Migration und Integration. Wie schätzen Sie die Entwicklung der migrantischen Kulturarbeit in den letzten zehn Jahren in der Stadt ein? Ist Ihnen da irgendetwas aufgefallen in der Entwicklung?

Ursula Hübner: Ich muss gestehen, dass ich mich dabei ertappt habe, dass ich mir gedacht habe, ich weiß gar nicht, was sich in der Stadt in der Richtung los ist. Bis auf maiz habe ich sonst nichts mitbekommen. Ich glaube, dass es insgesamt ein wichtiger Punkt in der europäischen Kultur ist, also ich finde speziell für Europa ist das jetzt ein ganz ein wichtiges Thema. Darum denke ich, dass auch Linz in der Richtung sich sehr viel überlegen und im besten Fall als Vorbildstadt sich etablieren sollte.

Wenn man sich den Bereich näher ansieht. Mit welchen besonderen Problemen, würden Sie meinen, sind MigrantInnen im Kulturbereich in Linz konfrontiert, neben allgemeinen Problemen wie sprachlichen Barrieren?

Ursula Hübner: Ich glaube, für die meisten Migranten, die hierher kommen, gibt es gestimmte Berufsfelder wo sie einsteigen können, wenn sie Glück haben, außer sie sind irgendwie hochspezialisierte Wissenschafter. Sonst sind sie ja eigentlich Sexarbeiterinnen. Ich weiß nicht, in Wien gibt es viele Taxifahrer und dann gibt es Leute, die auf Baustellen arbeiten oder in Lokalen oder Putzfrauen, Putztrupps, die haben wahrscheinlich überhaupt keine Anknüpfungspunkte zu Kultureinrichtungen. Ich nehme an, sie würden nicht einmal auf die Idee kommen. Ich nehme auch an, dass sie in Wirklichkeit vor allem interessiert sind an der Kultur ihres eigenen Herkunftslandes, weil das oft eine sentimentale Verbindung ist – viele leiden ja unter Heimweh – und dass man das vielleicht zum Thema machen sollte. Vielleicht müsste man ein Haus einrichten, wo dann immer wieder bestimmte Länder ihre Themenwochen haben.

Haus des Heimwehs?

Ursula Hübner: Ja genau, das wäre ein schöner Titel. Dass man sagt, jetzt gibt es eine Veranstaltung, die aus diesem Land kommt und alle, die beweisen können, dass sie aus dem Land kommen, die erhalten freien Eintritt. Sagen wir einmal so. Also irgendwie eine Verbindung herstellen zu der Kultur eines Landes, die ja die meisten von uns … es ist ja oft so, die meisten schätzen Jazzmusik oder keiner würde sagen: „Ich hasse Jazzmusik.“, oder: „Ich hasse Musik, die Prince macht oder die Michael Jackson gemacht hat.“ Aber dass das alles Schwarze sind, die man normalerweise im Stadtbild, wenn sie in die Straßenbahn einsteigen würden … das ist alles ganz platt formuliert, aber es geht einfach darum, dass man diese Verbindungen herstellt, über ein Haus der Kulturen. Haus des Heimwehs wäre vielleicht viel schöner oder Haus des Fernwehs. Und da müsste natürlich genügend Geld da sein, dass man zum Beispiel tolle Truppen herholt. Das dürfen nicht nur irgendwie kleine Veranstaltungen sein. Oder dass man es jetzt in der Oper so macht, dass Oper, Landestheater, Brucknerhaus, was weiß ich, angenommen der ganze April wäre nur frei für so etwas, jeden Montag in der Woche findet so etwas statt. Da muss man gar kein eigenes Haus bauen.

Eine interkulturelle Öffnung der Häuser.

Ursula Hübner: Genau.

Es gibt eine ganze Reihe an Vereinen, die teilweise auch traditioneller orientiert sind, eher in Richtung Heimatkultur, es gibt türkische, kurdische, aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Vereine, ungarische Vereine, die Black Community und so weiter und sofort. Wie würden Sie die Verbindungen, die Vernetzung wenn man so will, zwischen diesen Einrichtungen in Linz einschätzen? Haben Sie da schon einmal etwas mitbekommen? Oder sonst die Vernetzung zwischen Einrichtungen, die in migrantischer Kulturarbeit tätig sind und den Häusern und der Freien Szene im Kunst- und Kulturbereich?

Ursula Hübner: Da habe ich gar nichts mitbekommen, das liegt aber vielleicht auch an mir. Ich meine, dass man immer nur punktuell etwas mitbekommt, wenn dann irgendwie so etwas wie ein Festival der Regionen stattfindet, am Stadtrand von Linz, dass man dann mit so etwas in Kontakt kommt. Aber ich habe leider durch die Anforderungen in meinem Beruf oft ganz wenig Zeit, überhaupt Veranstaltungen zu besuchen. Ich weiß zu wenig darüber. Es ist eher jetzt die Vorstellung, dass das für alle ein Thema sein wird in der Zukunft, eben die vielen Leute, die reinströmen ins Land oder nach Europa kommen, das ist ja irgendwie nicht zu übersehen. Und man kann da nicht sagen, es darf keiner mehr reinkommen, sondern man muss in Wirklichkeit versuchen, eine positive Stimmung auf beiden Seiten erzeugen zu helfen.

Wenn wir es auf die Stadt noch einmal herunter brechen. Ein Vorschlag für eine Maßnahme war, entweder ein Haus zu schaffen, also einen Begegnungsraum zu schaffen, oder die interkulturelle Öffnung der Häuser voranzutreiben. Welche Maßnahmen würden Sie sonst sagen, sollte die Stadt Linz setzen, um Interkulturalität zu fördern? Was würde Ihnen da noch in den Sinn kommen?

Ursula Hübner: Es sind ja so Kleinigkeiten, wie dass in den Medien jetzt eine Fernsehsprecherin wie Claudia Unterweger auftaucht im öffentlichen Bild. Das macht wahnsinnig viel aus. Das ist wichtig. Angenommen, es würde der Kulturdirektor Leute verschiedener Herkunftsländer zu sich einladen, zu einem Sonntagsfrühstück, was weiß ich, mehrere Frühstücke mit solchen Leuten, wo er sie fragt, was sie sich wünschen. Nicht nur die Kulturschaffenden. Das wäre schon irgendwie toll. Angenommen, er würde jetzt sagen, ich lade mir immer sechs Personen ein, zum Frühstück, und mit denen rede ich. Und da würden Journalisten dabei sein und das würde dann irgendwo abgedruckt werden, was da bei den Gesprächen herauskam.

Nächster Themenbereich. Leerstände, Zwischennutzungen. Inwieweit denken Sie, dass Leerstände ganz allgemein interessant für Kunst- und Kulturschaffende in Linz sind? Ist es überhaupt ein Thema für die Kunst- und Kulturschaffenden?

Ursula Hübner: Ich glaube, dass junge Leute immer etwas anfangen können mit Leerständen, weil die haben noch nicht so hohe Anforderungen. Ich sage einmal, wenn man jung ist, dann nimmt man einen Schlafsack und dann schläft man im Atelier, obwohl man nur einen kleinen Teekocher daneben stehen hat oder sonst etwas. Man ist glücklich, wenn man einen eigenen Raum hat, wenn man irgendwo etwas ausprobieren kann. Da gibt es natürlich immer wieder die Beispiele, dass Leute das dann nicht wirklich nutzen, dass nichts herauskommt dabei, aber wenn von zehn Leuten bei drei wirklich etwas Gutes rauskommt, ist es auch schon etwas. Ich habe auch genügend Leute hier in den Ateliers, wo ich sage: „Ja bitte, wieso blockierst du den Platz überhaupt, du bist eh nie da oder machst nichts.“ Andere haben wieder ihre Plätze und da geht viel weiter. Es ist so. Es gibt ja auch so Schübe. Aber dass man jungen Leuten oder vielleicht auch älteren, vielleicht auch Pensionisten, Pensionistinnen … was weiß man? Das ist ja wichtig, dass man sich als älterer Mensch auch den Klischeevorstellungen, was im Alter passen würde … also Alter ist ja auch ein Denkprozess, man kann sich denken, dass man jetzt, weil man so und so alt ist, das und das nicht mehr tut oder das und das angebracht wäre. Viele Leute denken ja nur in Klischees. Ich habe gelesen, es gibt jetzt wieder so etwas wie Au-Pair für Frauen über 50, das ist auch so etwas. Es könnte auch sein, dass alte Leute gerne einen Leerstand hätten. Und wenn sie dort nur ihre Briefmarken irgendwie verwalten.

Sind Ihnen selbst Initiativen oder Personen, vielleicht auch Studentinnen, Studenten, bekannt aus dem Kunst- und Kulturbereich, die auf der Suche nach Möglichkeiten für Zwischennutzungen sind? Also jetzt nicht für etwas Fixes.

Ursula Hübner: Ja, ja, es gab welche, die das einmal versucht haben. Oder es gibt immer wieder welche, die dann sagen, sie wollen jetzt eine Ausstellung machen. Das wiederholt sich.

Ist das schwierig für die? Es könnte ja auch sein, dass sie sich den Raum einfach nehmen können.

Ursula Hübner: Es ist ja auch die Frage, was das dann kostet. Die sind ja auch nicht billig. Die Leute verlangen gleich viel Geld für so einen Leerstand und das können sich dann nur wenige leisten. Manche scheitern auch daran, was eh blöd genug ist, dass sie keinen gescheiten Antrag stellen können oder dass sie nicht wissen, welche Förderstellen und so weiter. Das machen wir eh auch, versuchen wir eh alles irgendwie mit ihnen auch zu lernen.

Förderung ist gleich der Übergang zur nächsten Frage. Welche Maßnahmen könnte die Stadt setzen, um die Nutzung von Leerständen zu erleichtern?

Ursula Hübner: Vielleicht gäbe es irgendein System, wo man den Leuten, die so einen Leerstand hergeben, die Privaten, wo man denen irgendwie das schmackhaft macht. Ich weiß auch nicht, man kann sagen, es wird eine Versicherung abgeschlossen, die Stadt schließt eine Versicherung ab über diesen Raum und derjenige, der rein geht, muss jetzt nicht selbst die Versicherung abschließen, sodass, wenn irgendetwas passiert, das auch abgedeckt ist zumindest. Das wäre eine Art von Förderung, wie sie die Stadt bieten könnte.

Was würden Sie sich hinsichtlich des derzeit größten städtischen Leerstandes, der Tabakfabrik, wünschen?

Ursula Hübner: Das ist echt schwierig, weil ich habe da am Anfang auch eine zeitlang verbracht mit der Klasse, ich fand das irrsinnig schön und inspirierend das Gebäude. Wir wollten gar nicht raus dort. Was aber schon schwierig war, das war mein Büro, das war überheizt und man konnte die Fenster nicht aufmachen, weil es dann draußen so wahnsinnig laut war. Es war schwer von der Wohnqualität oder von der Aufenthaltsqualität. Da gibt es sicher Bereiche, die leichter sind. Ich habe halt das direkt an der Donaulände gehabt. Dann gab es überhaupt keine öffentliche Anbindung, das war eine Katastrophe. Das müsste alles anders werden, und es gab auch nur ein oder zwei Lokale, oder die Tankstelle. Wir haben uns von der Tankstelle ernähren müssen. Das geht nicht. Das würde eh wahrscheinlich anders funktionieren. Ich nehme an, dass es schon einige Leute gibt, die darüber nachdenken, oder? Da wird es schon einiges geben. Und ich nehme auch an, dass man eine Mischform erzeugen müsste, dass es nicht nur Kulturbereiche sind, die dort einziehen könnten.

Aber Kunst und Kultur sollte eine Rolle spielen Ihrer Meinung nach? Oder ist es auch ohne künstlerische und kulturelle Inhalte denkbar?

Ursula Hübner: Ist auch denkbar. Aber es sollte schon irgendetwas geben. Es ist echt schwierig, weil wenn da eine Mischung ist aus Büros, Wohnungen, Gastronomie … angenommen, es wäre so etwas wie ein großes Festzelt dort, wo auch Crossing Europe sein könnte. Mir fallen die Filmfestspiele in Locarno ein, da war ich einmal, das war toll, auf einem großen Platz im Freien, eine große Kinoleinwand. Da unten könnte man das auch machen, so etwas wie die Arena, die haben ja auch im Freien gemacht. Oder dass es vielleicht so etwas gäbe wie … das Problem ist ja, dass man Dinge finden muss, die sich der Architektur anpassen können. Wenn man so etwas wie ein Museum oder eine Kunsthalle machen würde, da muss man überlegen, wie geht das dort? Was kann man dort zeigen? Man könnte wahrscheinlich so etwas wie Architekturmodelle zeigen und in der Richtung kann ich es mir gut vorstellen. Ich kann es mir schwer vorstellen für Malerei da unten. Ich meine, Architektur wäre sicher ein interessantes Thema, wenn Linz es schaffen würde, mit diesem Peter-Behrens-Haus überhaupt irgendwie … was jetzt auch passiert im afo, im Architekturforum, dass man das überhaupt auf ein viel größeres Level setzt, wenn man da einen internationalen Architekturtempel daraus macht. Da braucht es natürlich einiges an Geld und bei den Architekten, weiß ich nicht, die sind ja alle eitel und zerstritten, glaube ich. Ich weiß nicht, da kenne ich mich wieder zu wenig aus. Ich war ja nicht bei der Architektur-Biennale, aber viele haben geschwärmt von dieser japanischen Kuratorin. Angenommen, man würde so eine Frau herholen und fragen, was ihr dazu einfällt. Einfach auch ein paar tolle, teure, international gute Leute herholen für die Entwicklung.

Letzter Themenbereich. Schule und Bildung und Wissenschaft. Wie schätzen Sie das Interesse von Schülerinnen und Schülern am bestehenden Kunst- und Kulturangebot in Linz ein?

Ursula Hübner: Ich glaube, dass das gar nicht so schlecht ist. Ich glaube, dass es sehr viele Musikschulen gibt, dass da schon ein Interesse da ist, auch von den Eltern, ihren Kindern irgendwie etwas beibringen zu lassen. Ich glaube auch, das ist gerade bei den intellektuelleren Schichten und bei den alternativer denkenden Intellektuellen so, dass es den großen Wunsch gibt, die Kinder mit Kultur in Verbindung zu bringen, mit kulturellen Aktivitäten, mit dem Kindermuseum in Wien zum Beispiel. Ich habe viele Freundinnen, die ihre Kinder gerne irgendwo in diesen Zusammenhängen sehen. Da gibt es ja auch einiges, also ich finde, das macht die Landesgalerie sehr schön – da habe ich einmal eine Ausstellung gehabt – wie die den Kindern die Bilder nahebringen. Die haben immer so eine Box, wo wirklich für die Kinder das aufbereitet ist.

Was würde Ihnen sonst noch vorschweben an Maßnahmen, die man setzten könnte um das Interesse zu stärken?

Ursula Hübner: Ich glaube, dass eigentlich sehr viel gemacht wird oder halbwegs was gemacht wird von den Schulen. Da geht es darum, die Kinder schon sehr früh in direkten Kontakt mit den Künstlerinnen und Künstlern zu bringen. Das ist total wichtig. Ich weiß noch, wie wir drüben in den Tabakwerken waren, da haben wir Tag der offenen Tür gehabt, da ist einmal eine Schulklasse gekommen, das waren kleinere noch, die waren vielleicht zehn Jahre alt oder vielleicht waren sie noch kleiner, ich weiß es nicht genau, wahrscheinlich waren sie aber schon 1. Klasse Gymnasium oder so, nehme ich einmal an. Die sind da durchgefetzt und die waren so glücklich, denen hat das so gut gefallen, obwohl sie eigentlich nur die wilden Ateliers gesehen haben. Und dann habe ich ein Kind gehört, das dann gesagt hat: „Das war das schönste Museum, das ich je gesehen habe.“ Das ist, glaube ich, der direkte Kontakt, eben zu Kunstuniversitäten, zu jungen KünstlerInnen, die vermehrt in die Schulen geholt werden müssen. So etwas ist total wichtig. Das geht. Ich glaube, wenn man mit jemandem reden kann, der diesen Beruf ausübt, dass das noch einmal ganz etwas anderes ist. Ich bin auf diese Weise zu meinem Beruf gekommen, weil wir eine Deutschlehrerin hatten, die mit uns in der 5. Klasse Gymnasium ins Landestheater gegangen ist, auf die Bühne, und Maskenbildnerei und Kostümwerkstätte und so weiter. Da habe ich erst begriffen, dass das ein Beruf ist, Bühnenbildner, was ich dann studiert habe.

Angesprochen haben Sie bereits den außerschulischen Bildungsbereich, mit den Musikschulen. Wenn man die zwei großen Player, wenn man so will, Musikschulen und Jugendzentren sich ansieht, oder überhaupt den außerschulischen Bildungsbereich, alles was nicht direkt in der Schule passiert, würde Ihnen da irgendetwas an Verbesserungsmöglichkeiten einfallen?

Ursula Hübner: Das ist schwierig, weil das ein Alter ist, wo die jungen Leute irgendwie in Ruhe gelassen werden wollen. Da wollen sie sich eher selber definieren und die wollen, dass die Sachen ihnen nicht vorgeschrieben werden oder dass ihnen nicht jemand vorgesetzt wird. Das muss man eigentlich schon aushalten, dass so viel Desinteresse da ist. Jugendzentren, da geht es eher immer um das andere Geschlecht, dass man Leute kennenlernt und dass man mit denen herumhängt. Aber es braucht viel Zeit, die man verbringt mit jungen Leuten, also mit Kindern. Was halt unser Problem ist, dass wir diese Balance finden müssen, dass wir das wertschätzen, wenn mit jungen Leuten Zeit verbracht wird und nicht nur dauernd der eigene Arbeitsprozess so hoch bewertet wird. Aber das ist eine schwierige Sache.

Wenn wir uns noch kurz den Erwachsenenbildungsbereich ansehen, Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund, WIFI, bfi, Volkshochschulen, Bildungshäuser, Bildungszentren. Was könnte man dort tun, um das Interesse an Kunst und Kultur in Linz weiter zu fördern. Würde Ihnen da etwas einfallen?

Ursula Hübner: Ich glaube, dass es dann wieder die älteren Menschen sind, die potenzielles Zielpublikum wären und ich glaube, dass zum Beispiel ältere Leute viel lieber in die Natur gehen, dass das ein Thema wird. Mein Vater ist Wanderführer gewesen bei den Pensionisten und offenbar hat der das ganz gut gemacht. Jedenfalls ist diese Gruppe extrem angewachsen. Ich glaube, wenn es zum Beispiel so etwas gibt wie Reisen zu bestimmten Kultureinrichtungen in Oberösterreich, das hat jetzt nicht nur mit Linz etwas zu tun, aber wenn man von Linz aus das anbietet, oder zu irgendwelchen Themen, die Oberösterreich besonders betreffen, was weiß ich, in Haslach diese Textilgeschichten, oder man fährt irgendwo hin, wo bestimmte Nahrungsmittel herkommen oder zu einem Biobauern, das ist ja auch Kultur … Wir reden immer von der Kunst und der Kultur, aber das ist ja viel weiter gefasst. Es müsste vielleicht so etwas geben wie Busse, welche die Leute irgendwo hinführen, wo bestimmte … ich weiß es nicht, da kann ich zu wenig sagen, aber es muss sich irgendwie halbwegs unangestrengt ergeben können.

Letzte Frage: Welche Maßnahmen sollte die Stadt Linz Ihrer Meinung nach setzen, um die Verbindungen zwischen dem Kunst- und Kulturbereich und dem Wissenschaftsbereich zu stärken?

Ursula Hübner: Zum Beispiel, dass die Stadt Linz speziell – ich weiß nicht, ob das denkbar ist, vielleicht ist das ein absolutes No-Go, wo jetzt alle sagen, um Gottes willen – Doktoratsstipendien vergibt, die besonders förderungswürdig sind, die vielleicht auch einen Linzbezug haben. Wir haben jetzt da seit kurzem ein PhD-Programm. Es wird ein paar Stipendien geben und wenn die Stadt Linz so etwas vergeben würde, das würde die Wissenschaft stärken.

Danke für das Interview.

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