Stefan Brunnhofer

Geburtsdatum und Geburtsort?

Stefan Brunnhofer: 14. Jänner 1959, St. Georgen an der Gusen.

Sie leben in Linz?

Stefan Brunnhofer: Nein, in Katsdorf.

Welche kunst- und kulturbezogenen Aktivitäten bzw. Funktionen üben Sie derzeit aus?

Stefan Brunnhofer: Im Prinzip meine Galerietätigkeit, wie man halt die immer definiert, also im Grunde vorwiegend mit dem Ziel des Aufbaus junger Künstlerinnen und Künstler am internationalen Markt bzw. auch der Präsentation internationaler Künstlerinnen und Künstler in Linz.

Irgendwelche Tätigkeiten in Jurys oder Gremien in der letzten Zeit?

Stefan Brunnhofer: Nichts, nein.

Wenn wir dann im Bericht irgendwo Ihren Namen lesen, was soll dann danach stehen als Funktionsbezeichnung, als Berufsbezeichnung?

Stefan Brunnhofer: Im Grunde Galerist. Ich bin eigentlich mein Leben lang selbständig gewesen. ich habe mit einer Siebdruckerei begonnen, bin da auch schon immer wieder mit Kunst im Zusammenhang gestanden, weil ich einfach für Künstlerinnen und Künstler gearbeitet habe, für sie seit den 1980er-Jahren gedruckt habe, und habe dann vor mittlerweile sieben Jahren die Produktion im Siebdruck eingestellt, bin aber noch tätig in beratender Funktion, für einen Kollegen, einen produzierenden Betrieb.

Wann wurde die Galerie gegründet?

Stefan Brunnhofer: 1997, gemeinsam mit meiner Frau Elisabeth.

Sie haben es schon angesprochen, Zielgruppen, die besonders angesprochen werden, sind zum einen KünstlerInnen …

Stefan Brunnhofer: Künstler und Künstlerinnen, im Grunde international. Also ich mache jetzt keine Unterschiede zwischen Österreich, Linz, USA oder auch Japan. Ich mache Unterschiede in der Qualität und im Interessensfeld, was mich interessiert. Die Galerietätigkeit oder die Auswahl der Galerie ist ein breites Spektrum von Malerei bis Video, aber ohne regionaler Beschränkungen. Zielgruppe sind natürlich auch Museen, SammlerInnen, KuratorInnen, KunstliebhaberInnen.

Und von den Werken? Was würden Sie sagen, welche Zielgruppen werden da besonders angesprochen? Sehr stark kunstinteressiertes Publikum, eher kunstinteressiertes Publikum oder ist das gar nicht so auf ein bestimmtes Segment beschränkt?

Stefan Brunnhofer: Na ja, im Grunde will ich ein gewisses künstlerischen Niveau wahren und daher auch ein kunstinteressiertes Publikum ansprechen. Wir gehen sicher nicht einen Weg, wo man sagen kann, das ist momentan der Trend, sondern, das finde ich international auf einer gehobenen, künstlerischen Ebene, das versuchen wir in Linz. Wir haben 2010 entschieden, im Hafen unser Kunsthaus zu eröffnen. Das Kunsthaus Hafenstraße, in der Stadt am Graben ist die Brunnhofer Galerie. Zwei Standorte, eine Firma. Früher oder später ist geplant, daraus zwei Firmen zu gründen. Das Kunsthaus wird sich damit beschäftigen, eher zeitgenössische, moderne, auch wieder internationale Kunst zu handeln, die Galerie, neue Kunst zu entdecken und KünstlerInnen aufzubauen. Ich mache einen großen Unterscheid zwischen dem Kunsthandel und der Galerie. Die Galerie ist dazu da, Kunst und KünstlerInnen aufzubauen, zu begleiten, international Ausstellungen zu organisieren, und der Kunsthandel Kunst zu kaufen und zu verkaufen. Da gibt es keine wirkliche Aufbauarbeit.

Sie haben gesagt international. Den geografischen Wirkungsbereich, auf den die Arbeit in erster Linie abzielt, kann man nicht eingrenzen?

Stefan Brunnhofer: Man kann es momentan nicht. Es ist natürlich vom Aufbau und von der Organisation so, dass man sich einfach von der Mitte aus weg bewegt, also die Mitte, die Zentrale ist einfach Linz, wir waren immer sehr westorientiert bis jetzt und sind es eigentlich immer noch, das heißt geografisch gesehen die Nachbarländer und da vor allem Deutschland, und auch nach Amerika. Wir sind auch jetzt im April wieder für eine Woche in Amerika mit einer Ausstellung, mit einer jungen Künstlerin, dabei geht es auch um einen Preis für Junge Kunst. Der Skulpturengarten in Katsdorf gehört im Prinzip auch noch dazu, also wir haben in Katsdorf einen Skulpturengarten, da machen wir auch heuer wieder mit einem deutschen Künstler eine Ausstellung, das ist so zu sagen ein dritter Ausstellungsort bzw. Bereich.

Warum ist der Skulpturengarten in Katsdorf und nicht in Linz?

Stefan Brunnhofer: Na ja, in Katsdorf ist der Wohnort. Meine Frau und ich haben dort vor 17 Jahren unser Wohnhaus gekauft und dann 1997 die Galerie gegründet. Zum Haus gehört auch ein großes Grundstück, und nachdem ich immer kreativ denke, stellt sich auch die Frage, was tue ich mit so viel Grundfläche, außer Rasenmähen … na gut, machst du einen Skulpturengarten, und das haben wir auch gemacht und haben dort mit Skulpturenausstellungen begonnen. Im vergangenen Jahr haben wir den Garten wieder ausgebaut und neu angelegt und heuer ist es wieder so weit, wir eröffnen wieder eine große Skulpturenausstellung mit einem deutschen Künstler.

Auf welche künstlerischen Disziplinen konzentriert sich die Arbeit hauptsächlich?

Stefan Brunnhofer: Wie am Anfang schon gesagt, für mich macht es keinen Unterschied, welche Disziplin, für mich geht es einfach rein um Qualität, und ich möchte auch ganz bewusst ein breit gefächertes Programm bieten, was die Disziplinen anbelangt, natürlich gibt es Schwerpunkte, wir sind sehr malereilastig, das kommt vom Anfang her von unserer Sammlertätigkeit. Aber auch Videos sind uns ein Anliegen, Videoinstallationen, Fotografie wird mit eingebunden und natürlich die Skulptur. Man kann also sagen, Malerei, dann Video, Fotografie, Installation, Skulptur, das sind so die Bereiche.

Gibt es einheitlich in Bezug auf die vorhandene räumliche und/oder technische Infrastruktur aktuell einen Handlungsbedarf, also den Wunsch nach quantitativer oder qualitativer Erweiterung?

Stefan Brunnhofer: Wir selbst sind räumlich, sehr gut aufgestellt. Grundsätzlich für Linz, wenn ich es allgemein sehe, gäbe es natürlich gewaltigen Bedarf, das ist klar. Aber ich habe lange gesucht, um in der Stadt im Zentrum schöne Räumlichkeiten zu finden – da habe ich mir zwei bis drei Jahre Zeit gelassen – und die habe ich dann auch gefunden. Ich finde die Lage unserer Galerie sehr gut, zwischen Lentos-Museum, Landesgalerie, OK, Nordico, mitten drinnen. Das ist der „Kunst-Mittelpunkt“ von Linz. Im Kunsthaus – Hafenstraße, Zufahrt Winterhafen Hafen haben wir auch sehr schöne Räumlichkeiten und das Gebäude ist für unseren Zweck bestens geeignet, Katsdorf, der Skulpturengarten, ist auch sehr schön gelegen, wunderschön neben dem Fluss. Ich bin grundsätzlich zufrieden, aber es gibt in Linz sonst wenig räumliche Angebote für kommerzielle Galerien oder den Kunsthandel. Die Szene ist halt sehr verstreut und ich würde es begrüßen, wenn sich eher alles zentral abspielt, so wie man es eigentlich gewohnt ist in großen Städten, ob das jetzt Berlin ist oder Köln. Ich orientiere mich halt eher international und da hat Linz wirklich viel zu tun.

Ich hätte noch zwei Fragen zur Einrichtung. Wie viele Personen waren in der Galerie mit Stand 1. Jänner insgesamt beschäftigt?

Stefan Brunnhofer: Na ja, beschäftigt. Im Prinzip machen das ich und meine Frau, unsere Tochter arbeitet mit, die studiert Kunstwissenschaften und Philosophie, die ist sehr mit eingebunden, und wir haben halt immer wieder Assistentinnen, Studentinnen, die aushilfsweise mitarbeiten, aber nicht fix angestellt sind.

Gibt es auch Personen, die freiwillig, auf ehrenamtlicher Basis mitarbeiten?

Stefan Brunnhofer: Eigentlich nicht. Im Grunde sind das Studenten oder Studentinnen, die uns helfen, die werden auch bezahlt, auf Basis einer Honorarnote. Aber im Grunde machen wir fast alles selber, also die Tätigkeiten Auf- und Abbau einer Ausstellung, Verpacken usw. Ab und zu wird Hilfe geholt. Mit einer Assistentin, die für 10 bis 15 Stunden im Monat immer wieder da ist, wenn man sie braucht, kommen wir momentan aus.

Dann würde ich zum Hauptblock weitergehen, in dem es um die kulturelle Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Linz geht. Ich würde gerne mit einem kurzen Assoziationsspiel anfangen. Wenn irgendwo „Kulturstadt Linz“ steht, was würden Sie damit assoziieren? Egal ob es Namen, Einrichtungen, Themen, Inhalte, Begriffe sind?

Stefan Brunnhofer: Ich kann nicht jetzt auf eine bestimmte Organisation oder Institution oder irgendetwas hin denken, sondern für mich ist das schon eine komplexe Geschichte. Da gehören für mich dazu das Lentos Museum, das OK, das Landesmuseum, das AEC. Jetzt speziell auf gewisse Ereignisse würde ich es nicht einschränken. Natürlich gehören das Brucknerhaus, Landestheater usw. dazu. Galerien eigentlich überhaupt nicht, es gibt keine Galerienszene, wir sind mit einer zweiten die Einzigen, Kunstvereine sind für mich keine Galerien, Kunst- und Antiquitätenhändler auch nicht. Da mache ich wirklich einen strengen Schnitt. Ich höre auch immer wieder Besucher fragen: Wir haben Galerien gesucht, gibt es da keine? Weil man sie nirgends findet. Galerie scheinen auch in keiner Printwerbung des Tourismusverbandes auf, eigentlich eine Schande. Es wird nichts nach außen getragen, dass Linz eine „Kulturstadt“ ist, da muss man schon Insider sein, um es zu wissen. Linz ist für mich noch lange keine Kulturstadt. Museen, Theater usw. stehen in vielen Städten und sind auch keine Kulturstädte. Linz arbeitet daran, es hat sich in den letzten Jahren wesentlich gebessert, da kann man sagen, was man will, das stimmt hundertprozentig, aber es ist noch keine Kulturstadt.

Wenn Sie die letzten zehn Jahre betrachten, also so in etwa ab 2000, was ist Ihrer Meinung nach besonders gut in der kulturellen Entwicklung dieser Stadt gelaufen?

Stefan Brunnhofer: Zum Beispiel, dass das Lentos Museum gebaut wurde, das finde toll, auch den Standort und die Architektur und das gehört natürlich in eine Kulturstadt. Das Thema Europäische Kulturhauptstadt, dass Linz grundsätzlich den Mut gehabt hat, da einzureichen, sich zu engagieren, es zu machen, ist natürlich begrüßenswert. Wie es dann ausgegangen ist, da bin ich nicht glücklich damit, aber es war einmal ein Schritt. Man kann nicht sagen, es war sinnlos, das wäre Nonsens, es ist ein wichtiger Schritt gewesen und auf den sollte jetzt weiter aufgebaut werden. Ich habe halt die Bedenken und die Angst, dass es irgendwann einmal verpufft und weg ist, also dass man in fünf Jahren sagt: Ok, das war es, aber es ist nichts mehr da davon.

Bevor wir zu Linz09 kommen, würde ich gerne die andere Seite der Medaille kurz betrachten: Mit welchen kulturellen Entwicklungen der letzten höchstens zehn Jahre in der Stadt sind Sie überhaupt nicht zufrieden?

Stefan Brunnhofer: Also gar nicht zufrieden, das gibt es nicht. Es ist überall eine Basis geschaffen worden, die man vielleicht besser hätte erweitern können oder durchführen können. Ich glaube, so wie ich schon gesagt habe, genauso wie die Europäische Kulturhauptstadt die Basis ist und nicht das Ergebnis, sondern die Basis, der Grundstein für eine weitere Entwicklung, genauso gibt es bei anderen Ereignissen eine Basis, bei den Brucknerfestspielen z. B. ein riesiges Potenzial, was man nützen könnte und eigentlich noch nicht nützt. Und ich meine, was auch natürlich angesprochen gehört bei der Kultur, das ist das neue Musiktheater, die Oper, die gebaut wird. Die Entwicklung, dass sie nicht unter dem Schloss ist, also die Oper im Berg, das war natürlich eine vertane Chance, eine vertane Jahrhundertchance. Ich vergleiche diesen Ort, diese Architektur mit Beispielen wie Sydney oder anderen Opernhäusern, mit einem Museum in Bilbao, wo Leute hinpilgern wegen der Museumsarchitektur alleine, und nicht alleine wegen dem Inhalt. Dass Touristen kommen, um sagen zu können, ich fahre nach Linz, um dieses Opernhaus zu sehen, das wäre ja schon etwas. Und wegen dieser Oper wäre man gekommen Wegen einem Opernhaus auf dem „Bahnhofsplatz“ pilgert keiner nach Linz. Da muss dann wirklich schon vom Beginn an mit überzeugendstem Programm gelockt werden. Ich finde, dass die Architektur, das rundherum, die Verpackung zum Inhalt gehört. Die Verpackung und der Inhalt, ergeben den Erfolg. So sehe ich das. Da bin ich eigentlich unglücklich, wobei ich mich trotzdem freue, dass überhaupt ein Opernhaus neu gebaut wird. Darum kann ich nicht sagen, ich bin komplett unzufrieden. Ich bin zufrieden, dass es gebaut wird, aber das wäre eine Jahrhundertchance gewesen.

Linz09 wurde jetzt schon ein paar Mal angesprochen. Könnten Sie ein kurzes Resümee von Linz09 anhand von höchstens drei Punkten geben?

Stefan Brunnhofer: Wenn wir jetzt von unserer Galerie reden: das einzige, was Linz09 für uns bewirkt hat, ist, dass wir eigentlich, bevor es losging, entschieden haben mit der Galerie ins Zentrum zu übersiedeln. Wir suchten geeignete Räumlichkeiten um in unmittelbarer Umgebung der Museen zu sein. Wir sind mit diesen Räumlichkeiten sehr zufrieden und froh, dass wir diesen Weg gegangen sind. Linz09 war der Motivator, obwohl wir wunderschöne Räume in der Hafenstraße haben. Von Linz09, dem ganzen Ereignis selber, haben wir als Galerie überhaupt nicht profitiert. Ich muss auch sagen, es ist für alle Galerien, Kunstvereine usw. medial enorm schlecht aufbereitet worden. Man wurde nicht erwähnt, man wurde nicht mit einbezogen, die Presse hat nicht reagiert. Das ist aber in Linz sowieso ein Thema, dass die Presse nicht reagiert. Und so gesehen hat das für mich einfach nicht funktioniert. Natürlich, die Veranstaltungen wie der „Höhenrausch“ oder „Die Kulturhauptstadt des ‚Führers'“, diese Ausstellungen haben natürlich medial sehr viel Breitenstreuung gehabt. Aber ich meine, das alleine kann ja nicht Kulturhauptstadt sein, ein „Riesenrad am Parkhaus“, deswegen sind ein Großteil der Leute gekommen, nicht wegen dem Inhalt dem künstlerischen, der im OK zu finden war, die sind wegen dem Riesenrad und dem Stadtblick gekommen, das sollte man sich eingestehen und nicht behaupten wegen der Kunst im Gebäude des OK. Natürlich der Zubau zum Schloss, dass das endlich stattgefunden hat, aber das darf auch nicht ein Kulturhauptstadtereignis sein. Das hätte sowieso gebaut werden müssen, schon 20 Jahre vorher. Das sind für mich alles Ereignisse die Selbstverständlichkeiten sind, dass so etwas geschieht, das darf nicht der Grund einer Kulturhauptstadt sein.

Das heißt quasi ein bisschen ein Beschleuniger für bauliche Entscheidungen?

Stefan Brunnhofer: Genau. So wie ich da in die Stadt herein gegangen bin um zu sagen: Ok, ich will im Zentrum sein, weil da wird wahrscheinlich etwas passieren, und hoffentlich etwas passieren. Genauso hat man halt gesagt: Jetzt bauen wir endlich, weil jetzt müssen wir, jetzt bauen wir halt schnell den Flügel dazu. Die Kulturhauptstadt des „Führers“, diese Ausstellung war einmal notwendig zur Aufarbeitung, zwar Jahrzehnte zu spät aber besser als gar nicht. denke Ich würde mir einfach mehr erwarten von einer Kulturhauptstadt, mit vielleicht weniger Programmpunkten, aber dafür besser durchdacht.

Wenn wir den Blick etwas über Linz hinaus schweifen lassen, über den Tellerrand blicken. Man macht ja gerne Städtevergleiche. Meistens vergleicht man dann Linz gleich mit großen Städten wie Wien oder Berlin, was ich nicht zulässig finde, aber wenn man gleich große Städte hernimmt, in Österreich Salzburg, Innsbruck oder Graz in etwa, womit kann Linz Ihrer Meinung nach da in einem Städtewettbewerb kulturell punkten?

Stefan Brunnhofer: Die Chance Österreichweit von Linz wäre schon, dass man einfach diese … ich meine Linz ist für mich von einer Industriestadt zu einer Technologiestadt geworden oder zu einer Forschungsstadt, und wenn man jetzt sagten kann, Technologie, Forschung hat ein gewisses, ein großes kreatives Potenzial, und da die Verbindung zu schaffen. Da ist das AEC natürlich schon ein wesentlicher Punkt und natürlich das Ars Electronica Festival eine sehr gute Sache. In diesem Zusammenhang könnte natürlich Linz Vorreiterrolle spielen, und das nicht nur in Österreich, sondern das könnte es europaweit schaffen. Aber es gehört halt überall Geld dazu und es gehört auch von der Politik einmal die Bereitschaft, zu sagen. Ok, das ist es, das wollen wir, das machen wir und da investieren wir unser Geld im Kultursektor. Da schafft man halt für Elektronik, Forschung für Multimedia zur Kunst eine Verbindung, ein europaweit, einzigartiges Zentrum. So wie Linz jetzt auch ein Forschungszentrum werden soll durch Erweiterung der Universitäten usw. könnte das auch im Kunst- und Kultursektor passieren. Angefangen bei moderner Musik über Avantgarde-Theater usw., dass man da wirklich neues aufbaut und nicht in Schubladen herumschaufelt um „Quotenbringer“ zu zeigen, wie es in vielen Kulturhäusern so üblich ist. Diese Quotenbringer-Politik in der Kunst ist für mich schrecklich, darum arbeite ich auch gerne mit jungen Leuten, weil diese Generation ein Recht hat die Zukunft mitzugestalten, in allen Bereichen und für Linz wäre das die Möglichkeit, eine große Chance sich da abzuheben.

Inwieweit wird Ihrer Meinung nach Linz international überhaupt als Kulturstadt wahrgenommen? Ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie sagen, sie sind aus Linz und irgendwer sagt dann: Aha, Ars Electronica?

Stefan Brunnhofer: Genau das ist es. Also wenn Linz, dann Ars Electronica. Absolut, nur Ars Electronica. Das Ars Electronica Festival hat einen internationalen Ruf, und wenn im Ausland jemand Linz kennt, im Kulturbereich irgendwo, dann wird es immer in Verbindung gebracht mit der Ars Electronica. Gerade in Deutschland und natürlich bei jungen KünstlerInnen. Menschen die nicht so kunstbeflissen sind oder im Bereich der Ars Electronica Bescheid wissen, kennen die Ars Electronica nicht, auch Linz nicht, oder sie bringen Linz mit Hitler in Verbindung. Es wird in diesem Zusammenhang auch von Salzburg, Wien oder Graz gesprochen oder verwechselt, aber das ist ein anderes Thema, also da redet man wahrscheinlich dann auch mit den Falschen. Aber man kann es nicht zuordnen, man muss immer wieder erkläre, wo Linz liegt. Linz kennt man auch – besonders die ältere Generationen – von der VÖEST oder von der Industrie, als Industriestadt, als Kulturstadt wird sie selten wahrgenommen.

Wie schätzen Sie den Stellenwert von Hochkultur – Subkultur – Volkskultur in Linz ein?

Stefan Brunnhofer: Hochkultur hat wenig Stellenwert, wenn man es einfach auf den Punkt bringt. Es wird zwar immer wieder akzeptiert, wenn etwas passiert, also die Ars Electronica ist ein … das ist ein heikler Punkt, das muss ich jetzt schon dazu sagen … ob das jetzt Hochkultur ist? Teilweise habe ich den Eindruck, geht es sehr viel mehr um Technik, Technologie, als um Kultur, schwerpunktmäßig, das vermischt sich sehr. Sonst ist Hochkultur, glaube ich, nicht wirklich ein Anliegen, der Politik kein Anliegen, aber auch der Bevölkerung nicht. Wenn man es im Ausstellungsbereich sieht, sind die besten Ausstellungen am wenigsten gut besucht. Natürlich in der Musik ist es anders, Österreich ist halt eine sehr musiklastige Kulturlandschaft, es wird alles auf Oper, auf Musik getrimmt, und da wird auch das meiste Geld investiert, wie man weiß. In der bildenden Kunst oder in der Avantgarde wird eher weniger gemacht, da ist auch weniger Interesse, aber da müsste gearbeitet werden daran. Für mich ist – wenn ich das so sagen darf – eines der schlimmsten Ereignisse das Pflasterspektakel, aber das wird halt geliebt. Vielleicht liege ich da falsch, aber das wird ja als Kulturereignis bei uns bewertet und die Leute finden es auch toll. ich kenne wiederum Linzer, die verlassen an diesem Wochenende die Stadt, weil sie sagen, das hält man doch nicht aus.

Wie sieht es aus mit dem Stellenwert von Subkultur, Alternativkultur und mit Volkskultur?

Stefan Brunnhofer: Im Prinzip ist es eh gleich oder ähnlich. Alternativkultur, wie es so schön heißt, wird eigentlich fast nicht wahrgenommen. Ich habe einfach wirklich den Eindruck, man akzeptiert es, um die Menschen, die dafür eintreten, und die KünstlerInnen ruhig zu stellen, sagen wir es so. Quasi: Bevor sie uns lästig werden, geben wir ihnen etwas und stellen wir sie ruhig. So habe ich den Eindruck. Aber man wird damit nicht ernst genommen.

Das ist als Galerist wahrscheinlich schwierig dann, oder? Das wären doch genau die zwei Bereiche, die gerade für eine Galerie besonders interessant wären. Also dieser Bereich der Hochkultur, in Richtung zeitgenössischer Kultur, eher schon bekannte, elitäre Avantgarde und zum anderen die jungen Wilden, die eher vielleicht aus dem subkulturellen Bereich kommen.

Stefan Brunnhofer: Na ja, es liegt auf alle Fälle nicht an der Bevölkerung. Es gibt eine sehr aufgeschlossene, leider kleine kultur- und kunstinteressierte Schicht in Linz, die auch Geld dafür ausgibt, und die teilweise sehr wienorientiert handelt, die eigentlich jahrelang in Linz die Szene besucht haben und Kunst auch kaufen. Wir haben erreicht, dass wir diese Leute gewonnen haben, also die gehen bei uns ein und aus. Wir haben auch im Bereich der Videokunst in Linz an Private verkauft, an die Stadt Linz nicht, die ist nicht bereit, in so etwas zu investieren, für die Sammlung der Stadt. Ich habe ein einfaches Beispiel: wir haben voriges Jahr zur Ars Electronica einen bekannten japanischen Künstler, Taguchi Yukihiro, eingeladen und mit einem Partner aus Dänemark gemeinsam bei der Ars Electronica in den Tabakwerken präsentiert, die Hauptausstellung lief bei uns in der Galerie. Wir haben ihm den Auftrag gegeben und gebeten, ein Linz-Video zu machen, natürlich auf seine Art und Weise. Es ist eine wunderschöne, interessante Arbeit entstanden und wir haben an Privat verkauft, die Stadt Linz ist nicht bereit, da anzukaufen. E geht hier wirklich um „Kleingeld“, Die Arbeit ist in einer tollen Verpackung, heißt „Lauf“, man sieht die Stadt, man sieht, das ARC-Gebäude, das Lentos Museum, dem Hauptplatz usw. Ein Ankauf der Stadt als Dokumentation einer künstlerischen Arbeit eines internationalen Künstlers, der sich die Mühe macht, in Linz so etwas zu machen. Die Galerie hat natürlich auch nur wenig bezahlen können, wir übernahmen die Anreise, den Aufenthalt für zwei Wochen, Essen und Trinken für zwei Wochen, und dann müssen wir halt verkaufen. Für mich wäre es selbstverständlich und normal, dass eine Stadt, die von sich behauptet, Kulturstadt zu sein, so ein Kunstwerk alleine als Wertschätzung gegenüber diesem Künstler kauft. Und das ist es. Wir haben von diesem Künstler bis jetzt vier Videos verkaufen können, an private Linzer, 2 Linz-Videos wurden nach Japan verkauft, die Stadt Linz ist nicht bereit dazu. Es fehlt in Linz von Seiten der Politik die Wertschätzung für das Engagement im Kunstbetrieb. Diese Wertschätzung beginnt bei finanziellen Zuwendungen für gute Kulturarbeit oder z. B. dem Ankauf hochwertiger Kunst für das Linz-Archiv, eigentlich die bessere Förderung als Bargeld. Es wird jährlich unter dem Aspekt der Kunstförderung mittelmäßige Kunst gekauft, aber wenn es um internationale Kunst wie z. B. dieses Video geht, verschließt man sich, meist mit dem billigen Argument, dass der „Linzbezug“ fehlt. Wobei es doch einfach wäre, in den Ämtern und Institutionen im Eingangsbereich, im Warteraum irgendwo, solche Videos laufen zu lassen. Da wird die Bevölkerung dann sensibilisiert für neue Kunst. Über „Volkskultur“, was ja auch dazu gehört, brauchen wir nicht zu reden, da wird massenhaft … ich meine, ich weiß nicht, wie viele Kultur- oder Kunstvereine es gibt, die in den Bereich reinfallen, wahrscheinlich 90 Prozent, da wird investiert.

Wenn Sie einzelne künstlerische Disziplinen betrachten, jetzt angefangen von der bildenden Kunst, Grafik, Malerei und so weiter, Film, Fotografie, Tanz, Theater, Musik, also das gesamte Kaleidoskop der Disziplinen bitte kurz vor Augen führen. Jetzt könnte man sagen, damit Linz Kulturstadt wird, wäre in allen Disziplinen Entwicklungspotenzial vorhanden, Handlungsbedarf gegeben mehr oder weniger. In welchen Disziplinen wäre Ihrer Meinung nach besonderes Entwicklungspotenzial vorhanden?

Stefan Brunnhofer: In der Stadt gibt es eigentlich schon von allem etwas. Beginnen wir beim Tanz. Mit dem Posthof und so, glaube ich, sind wir wirklich gut aufgestellt. Man sieht, es ist schwierig, auch bei wirklich schwierigen kulturellen Programmen oder Veranstaltungen Karten zu bekommen. Ich bin immer wieder verwundert, wenn man zu kurzfristig kommt, dass man keine Karte mehr bekommt. Da ist eigentlich sehr viel da. Beim AEC, in dem Bereich, da ist natürlich ein riesiges Potenzial da, aber es fehlt meiner Meinung nach offensichtlich an Geld, den Inhalt auf Vordermann zu bringen. Es sind natürlich sehr gute Sachen, aber um wirklich dieses Top-Haus zu sein für den elektronischen Bereich, fehlt es meiner Meinung noch. Das liegt sicher am Finanziellen und das ist auch das Selbe beim Lentos Museum. Das Lentos Museum, am besten Platz der Stadt, ein supertolles Gebäude, und dann ist für Ausstellungen und auch für Ankauf – auch das gehört dazu für mich, dass Kunst angekauft werden kann für ein Museum, es ist ja kein Kunsthaus, da muss man unterscheiden zwischen OK und Lentos, das Lentos ist dazu da, auch Kunst zu sammeln und zu archivieren – kein Geld da. Da kann ich auch das Programm nicht bieten und da wird halt ein bisschen alibimäßig gearbeitet. Aber das liegt wirklich nicht an den Führungen dieser Häuser, es liegt rein an den finanziellen Mitteln, die zur Verfügung gestellt werden. Und da auch die Aufklärung, dass man Sponsoren findet, die einfach diese Richtung mehr unterstützen. Das ist Aufklärungssache. Also beim Brucknerhaus bin ich eigentlich momentan am meisten enttäuscht. Da gehört schon viel gemacht. Die Bruckner-Festspiele, die gehen bei mir vorbei, da könnte man mehr daraus machen. Reden wir einfach von Festspielen. Was sind Wiener Festspiele, was sind die Salzburger Festspiele, was sind Bayreuther Festspiele und so weiter und so fort? Da gibt es halt in Linz Bruckner-Festspiele, aber die werden nicht wahrgenommen, und ich war schon bei einigen Veranstaltungen. Da sitzt man in einem halb vollen Saal, das ist teilweise peinlich. Warum da nicht mehr Engagement da ist und mehr passiert, weiß ich nicht, liegt wahrscheinlich an der Führung, es liegt oft an der medialen Aufbereitung und am Marketing rundherum und das hängt natürlich auch wieder vom Geld ab. Für private Initiativen, so wie Galerien, was mich jetzt persönlich selber betrifft, wird grundsätzlich nichts gemacht. Ich sehe mich da eigentlich irgendwie als Nebenfunktion. Ich glaube nicht, dass der Stadt Linz die Galerienszene wirklich etwas bedeutet. Auch wenn es eine Unterstützung gibt, für die wir natürlich dankbar sind, aber wenn ich das wieder mit Wien vergleiche oder mit anderen Städten, und wenn ich dann oft höre, in Deutschland bekommen die Galerien gar nichts, das ist alles ein riesiger Unsinn, Nonsens. Ich kenne die Galerienszene, wo die Stadt Berlin die Berliner Galerien finanziell unterstützt, um gemeinsam auf eine Messe ins Ausland zu fahren. Es gibt die Stadt Wien, welche die Galerien großzügig unterstützt und großzügige Ankäufe macht. Das ist alles in Linz einfach nicht gegeben. Das ist immer ein Bettelweg, den man da beschreitet, das ist einem ja eigentlich peinlich und unangenehm, es ist ja nicht so, dass man mit Freude betteln geht. Ich habe den Eindruck, es ist immer halbherzig. So wie ich schon am Anfang gesagt habe, man stellt gerne ruhig, quasi da hast du ein bisschen etwas und jetzt bist du wieder ruhig. Man will ja nicht unzufrieden sein und damit ist man dann ruhig und sagt „Danke“ und hält sich zurück. Aber so kann man keine Szene aufbauen, so kann man keine Szene beleben und so wird man auch keine Entwicklung in der Stadt sehen. Es ist ja auch ein Zeichen, dass die Künstler gerne weggehen aus Linz, es ist ja nicht so, dass man gerne in Linz bleibt als Künstler, sondern es gibt immer wieder die Aussagen: Ich brauche eine Galerie in Wien. Warum? Ja, weil einfach der Besucher oder auch der Kulturreisende nach Wien kommt und nicht nach Linz, und daher braucht man in Wien eine Galerie, um in Wien beheimatet zu sein, weil da ist man als KünstlerIn gut aufgehoben. Das heißt nicht, dass dort besser verkauft wird, aber man wird geschätzt dort. In Wien zu sein, ist etwas Besonderes, genauso wie in Berlin zu sein, das ist auch etwas Besonderes. Auch wenn dort nicht das große Geld fließt, aber die Künstlerinnen, Künstler, Galeristen, Galeristinnen haben einfach das Gefühl, dort besser aufgehoben zu sein. Das ist es. Und ich glaube auch nicht, dass man mit Ankäufen alleine eine Szene belebt, dass man sagt: Ok, es gibt einen Ankaufs-Beirat, der für die Stadt Linz Kunst ankauft, und da wird halt Geld zur Verfügung gestellt und dann geht man von Atelier zu Atelier und kauft halt ein Bild direkt vom Künstler aus dem Atelier und das muss natürlich Linz-Bezug haben, er muss da leben oder studiert haben oder irgendetwas. Das ist nicht Kulturpolitik, das stimmt nicht. Also es muss einem Künstler, einer Künstlerin wert sein, in Linz zu leben, hierher zu kommen aus dem Ausland und zu sagen, ich will in Linz einmal eine Zeit lang wirken und arbeiten, oder ich will hier leben weil da ist so viel Potenzial. Das hat nicht immer mit Geld zu tun, das hat mit Wertschätzung und Zukunftsperspektiven zu tun.

Berlin finde ich immer schwierig vom Vergleich her, aber ich sage immer: Sonst würde man nach Leipzig gehen.

Stefan Brunnhofer: Ich meine, wenn wir uns die Szene anschauen in New York oder in London, das sind alles riesige Dimensionen. Und mir wird immer wieder gesagt, das kann man doch nicht vergleichen. Klar kann ich das vergleichen. Ich kann Greenwich Village als Distrikt mitten in New York oder Brooklyn vergleichen mit Linz. Ich nehme ja nicht Manhattan als Ganzes dazu und Queens und so weiter, ich sage: Ok Brooklyn, Brooklyn ist ein eigener Distrikt, und da sage ich: Ok, was passiert dort, wie ist dort die Szene? Und ich kann so eine Szene auch in Linz aufbauen wie sie in Brooklyn ist. Wir merken auch, dass wir Leute von Wien nach Linz bekommen, die zu uns in die Galerie gehen, das ist fast chancenlos. Ich habe Kunden in Deutschland, ich habe die hundertmal eingeladen, zur Kulturhauptstadt nach Linz zu kommen, inklusive Hotel, und sage: Kommt, ich zahle euch das Wochenende , kommt bei uns einmal in der Galerie vorbei, Kunden die bei uns massenhaft Bilder gekauft haben, sie fahren nicht nach Linz, sie sagen: Ok, und was tue ich sonst? Dann sage ich: Ok, es gibt das Museum, das Museum, das Museum, es gibt das. Sagt er: Ja, aber ich meine, die Museen, diese Ausstellungen, die sehe ich eh bei uns auch. Also es gibt keinen Grund, diese Reise zu machen und daher gibt es auch keinen Grund, einem Künstler zu sagen: Ok, komm einmal für ein oder zwei Jahre nach Linz, lebe da, da ist eine Szene, da tut sich etwas, da profitierst du davon, da kannst du dir etwas aufbauen. Das ist eben meiner Meinung nach nicht gegeben.

Wenn wir uns von den Disziplinen weg bewegen, hin eher zu Themen. Das war jetzt bereits ein Übergang eigentlich zu einzelnen Themen, aber ich würde gerne trotzdem die Frage gezielt stellen: Welche drei kulturellen Themenschwerpunkte werden es Ihrer Meinung nach sein, welche die Stadt in den nächsten Jahren vor die größten Herausforderungen stellen?

Stefan Brunnhofer: Wo ich den meisten Einblick habe, das ist einfach die bildende Kunst, in die Richtung bildender Kunst, die Museumslandschaft, die Museumsausstellungen und die Galerien, ein Bereich der eigentlich nicht existiert. Wenn man die Galerien haben möchte in der Stadt, dann muss man etwas tun dafür. Und auch die Infrastruktur schaffen, weil das ist von der Architektur her gar nicht so leicht, da Räumlichkeiten zu finden, die dafür geeignet sind. Da eignen sich natürlich die Tabakwerke, da Mittel zur Verfügung stellen. Auch Ausstellungen im Museumsbereich zuzulassen, die internationales Niveau haben. Das heißt jetzt nicht, dass jetzt das, was läuft, kein internationales Niveau hat. Das ist ein bisschen schwierig, aber ich höre Aussagen wie: Zu der Ausstellung kannst du nicht gehen, das brauchst du dir nicht ansehen, das ist ja alles nichts. Das sieht man auch bei den Eröffnungen, der Arte Povera. Ich weiß nicht, wie viele Besucher da kommen werden, aber wie ich Linz kenne, wahrscheinlich sehr wenige. Aber solche Ausstellungen gehören in ein Museum, solche Ausstellungen gehören in eine Stadt. Ich glaube, dass da viel gemacht gehört, die Akzeptanz für dieses Museum zu heben. Und das kostet natürlich Geld, ein Museum zu erhalten mit wenigen Besuchern, die es ja hat, das geht nicht ohne Zuwendungen. Man muss es akzeptieren, dass die Menschen noch nicht so weit sind, dass sie in Ausstellungen laufen, die nicht „Quotenbringer“ sind, aber es gehört einfach dazu. Man darf sich nicht die Wiener Museumslandschaft als Vorbild nehmen und sagen: Ok, auch wir brauchen Picasso usw. unbedingt da, sondern man kann da schon ein Haus aufbauen, eine Museumslandschaft aufbauen, die wesentlich mehr Avantgarde und spannende, zum Teil junge Positionen bringt, was ja bereits begonnen wird von der Lentos Direktorin Stella Rollig. Das funktioniert auch, aber natürlich kommt sie unter den Druck, Quoten zu bringen und womöglich kippt das und dann kommen unter politischem Druck Ausstellungen, die vielleicht gar nicht so wirklich in das Konzept passen. Da gehört meiner Meinung nach am meisten getan. Ich finde den Posthof mit seinem Programm sehr gut aufgestellt. Ich glaube nicht, dass da unbedingt großartig gearbeitet werden muss. Das neue Musiktheater, da wird man sehen, da habe ich den Eindruck, das ist auch musikalisch sehr gut aufgestellt. Ich weiß nicht, wie das dann in Zukunft weitergehen wird, wichtig ist, dass mit dem neuen Gebäude der erst Schritt getan ist. Die „Freie Szene“ … ich mag eigentlich diesen Begriff „Freie Szene“ nicht, der ist für mich immer zu breit gestreut. Man kann nicht sagen, die „Freie Szene“ gehört mehr unterstützt. Ich glaube, für Künstlerinnen und Künstler der „Freien Szene“ die Infrastruktur zu schaffen, sich besser bewegen zu können, aber da gehört für mich wirklich sehr wesentlich die Galerienszene dazu. Also eine „Freie Szene“, KünstlerInnen können auf lange Sicht ohne begleitenden Verkauf nicht leben, und daher gehören Galerien dazu. Warum wollen gute Künstler und Künstlerinnen nach Wien gehen? Weil dort gibt es eine große Galerienszene und da hat man die Möglichkeit unterzukommen und dann ist man dabei im Kunstgeschäft und Ausstellungsbetrieb. Da haben die KünstlerInnen in Linz wirklich das Problem, wo sollen sie hingehen? Ich glaube auch nicht, dass die Kunstvereine die Lösung sind. Die helfen am Beginn, man hat dort eine Gruppierung um Ideen auszutauschen, man kann dort experimentieren, aber sie sind kein kommerzielles Marktinstrument. Der Kunstverein als „Imagepusher“, da müssten sie in Linz noch um einiges Zulegen, siehe „Salzburger Kunstverein“, „Wiener Sezession“, …oder viele deutsche Kunstvereine.

Vielleicht den Blick noch einmal etwas von den Disziplinen weg gerichtet. Gibt es sonst noch Themen, Themenschwerpunkte, wo Sie sagen würden, die würden die Stadt wirklich vor Herausforderungen stellen in den nächsten Jahren? Tabakfabrik war kurz ein Thema, die Raumfrage …

Stefan Brunnhofer: Diese Infrastruktur zu schaffen, die räumliche Infrastruktur, das ist ein wesentlicher Teil. Ich meine, die Tabakfabrik … ich habe schon gesagt, ich bin der erste der dabei ist, wenn dort eine gute kreative Szene entsteht, bei der ich sicher sein kann, die wird auch besucht und belebt werden, der dabei ist, dort eine Galerie zu öffnen oder einen Showroom oder ein Experimentier-Feld. Dieses Potenzial der Tabakwerke nicht zu nützen, das wäre die größte Sünde der Stadt. Das gehört aber schnell gemacht, mir geht das schon wieder viel zu langsam, da wird ewig herumdiskutiert, zwischen Medizinuniversität und allem Möglichen. Ich habe Gerüchte gehört, alle die nicht unter Denkmalschutz stehenden Lagerhallen gehören weggerissen, um Parkplätze zu schaffen. Da greife ich mir nur noch an den Kopf, weil genau diese währen für mich zum Beispiel supertolle Ausstellungshallen, für Kreativmessen, Kunstmessen usw. Man könnte tollste Ausstellungen organisieren. Da gehört natürlich sehr viel gemacht, aber das könnte man schaffen. Ich persönlich würde dort von Architektur über Video, bildende Kunst, Galerienszene, Kunstuniversität, Kreativwirtschaft, Wohnungen, Kino, Restaurant, unterzubringen, so wie es bereits in anderen Städten gemacht wird. Interessanterweise wird bei uns immer so viel geredet, wie toll es ist und wie viel wir nicht alles tun für die Kultur und wir machen eh alles, und dann kommt man nach Los Angeles, und dort gibt es einfach leerstehende Industrie- oder Gewerbegebiete die für Ateliers, Galerien, Restaurants, Musikstudios usw. umfunktioniert wurden, und das in Amerika, wo angeblich nichts getan wird für die Kunst. Man kommt nach München in die alten „Pfanni-Werke“ und die sind ein reines Restaurant-Kultur-Kunst Atelierzentrum und da gibt es noch zahlreiche andere Beispiele, weltweit. In Linz wird, sobald irgendetwas leer steht abgerissen, siehe Frachtenbahnhof, bevor überhaupt darüber nachgedacht wird, wie etwas gemacht werden soll, reißen wir alles nieder, dann haben wir fünf Jahre Planungsphase, dort ein riesiges Feld, und 5 Jahre später wird betoniert. Ich sage ja nicht, dass nicht Wohnungen und Bürogebäude gebaut werden sollen wenn notwendig, aber für mindestens fünf Jahre hätte die Stadt am ehemaligen Frachtenbahnhof Gratis-Ateliers unterbringen können. Ich merke das schon von Berlin und Leipzig und München und Köln und New York und Los Angeles, in jeder Stadt wird es so gemacht, sogar in Wien, von Seiten der Politik als auch von Privatinvestoren. In Linz fehlt der Mut von allen Seiten, der Mut etwas zuzulassen für die Kunstszene.

Zu den einzelnen Themenbereichen. Zuerst zu Junge Potenziale und Nachwuchsförderung. Sie haben es vorher schon zwei oder drei Mal angesprochen. Inwieweit denken Sie grundsätzlich, dass Linz für junge Kunst- und Kulturschaffende, Künstlerinnen und Künstler ausreichende Möglichkeiten zur Betätigung bietet?

Stefan Brunnhofer: Sicher nicht ausreichend. Es gibt das Salzamt, aber dann fällt mir eigentlich nicht mehr viel dazu ein.

Sie haben es vorher schon angesprochen. Es geht ja um zwei Bewegungen, wenn man so will. Die eine Bewegung ist die, junges Potenzial nicht abwandern zu lassen, das andere ist das Anziehen von jungen, kreativen Talenten. Welche Maßnahmen könnte oder sollte die Stadt setzen, um diese Abwanderung zu verhindern bzw. jemanden dazu zu bewegen, nach Linz zu ziehen?

Stefan Brunnhofer: Na ja, ich meine, da ist natürlich schon auch der Einzelne gefordert. Und auch die Galerien. Nachdem es ja keine Galerienszene gibt, beißt sich, wie man so schön sagt, die Katze in den Schwanz. Also die Stadt kann nicht verhindern, dass die Jungen abziehen, die Jungen ziehen deshalb ab, weil es da keine Szene gibt. Für die Szene mitverantwortlich ist auch, dass es Galerien gibt, die Ich brauche, um junge Künstler und Künstlerinnen zu halten, um ihnen eine Chance in der Stadt zu bieten, einmal eine gewisse Galerienszene, von denen sie auch vertreten werden, wo sie den Zugang zur Bevölkerung finden, mit Ausstellungen, Messen usw.. Jetzt ist die Bevölkerung zu wenig aufgeklärt, weil zu wenige Ausstellungen stattfinden in Galerien. Galerien gibt es nicht, die Museen sind normalerweise anders orientiert, also die sind jetzt nicht wirklich interessiert, ganz Junge ständig zu zeigen oder den Nachwuchs. Das ist in dem Fall wirklich nicht mehr die Aufgabe eines Museums. Ich denke aber auch, dass die Kunstvereine, so wie es sie gibt, in Linz zu schwach sind, zu wenig organisiert, also da gehörte etwas verbessert, aber das kann man auch nicht politisch machen. Also ich kann nicht die Politik dazu verdonnern, die Qualität der Kunst zu heben, oder des Ausstellungsprogramms.

Aber die Rahmenbedingungen kann man schaffen, oder?

Stefan Brunnhofer: Man kann die Rahmenbedingungen schaffen. Ich meine, das hängt natürlich auch von der räumlichen Infrastruktur ab. Wenn die gegeben ist, dass ich sage, wenn wir schon die Tabakwerke angesprochen haben, es sind dort Ateliers, es ist dort eine Szene beheimatet mit Galerien, und dann nicht nur eine, sondern mit Galerien, wo wirklich auch eine Bevölkerungsschicht hinkommt, die sich für Kunst interessiert, und Kultur, und gleichzeitig aber auch kauft, das ist ein ganz wichtiger Aspekt, dass ich sage: „Ok, ich kaufe Kunst.“, weil man kann nur leben, wenn man etwas verkauft, und nicht vom Applaus alleine, und das muss passieren. Dann bleiben die Leute auch da. Ich meine, bevor man jetzt schaut, dass man andere herbekommt, muss man einmal das Potenzial, das man in der Stadt hat, halten. Das ist so, eine betriebswirtschaftliche, klare Sache, dass man sagt, bestehenden Kundenstock halten und nicht neuen dazu gewinnen. Zuerst muss man einmal schauen, dass man das Potenzial, was da ist, in der Stadt hält, bevor man sich von außen jemanden zukauft. Und das ist ein langer Prozess. Aber ich glaube, das geht nur in Zusammenarbeit mit einer kommerziellen, privaten Galerienszene, die man ermöglichen sollte oder müsste in der Stadt. In Berlin weiß ich, wenn ich dort eine Galerie gründe, zahlt mir die Stadt Berlin ein Jahr lang die Miete, und dann habe ich es geschafft, kann die Miete selber erwirtschaften oder ich muss wieder verschwinden, ,as ist eine Möglichkeiten. Die Tabakwerke wären eigentlich dazu geschaffen, dass man sagt, da macht man fünf oder sechs Galerie-Räumlichkeiten, das müssten oder sollten unbedingt auch wirklich kommerzielle Galerien sein, private, die man über Fördermodelle dort ansiedelt. Natürlich müssten die Galerien ein Konzept vorweisen können, das ein wirtschaftliches Überleben auf Dauer ersichtlich macht und ein künstlerisches Niveau aufzeigt. Jede Galerie verpflichtet sich mit ansässigen KünstlerInnen, natürlich auch qualitätsvollen, zusammenzuarbeiten, über Jahre und das alles auch von der Stadt gefördert. So könnte sich eine interessante KünstlerInnen- und Galerienszene entwickeln, die auch wirtschaftlich ohne große Unterstützung funktioniert. Das ist eine Idee, eine Möglichkeit, die meiner Meinung nach machbar wäre. Mit unserer Galerie finanzieren wir z. B. Aktionen, ob das jetzt z. B. in Amerika ist oder im übrigen Ausland ohne jegliche finanzielle Unterstützung der Stadt, des Landes oder des Bundes, wir haben uns in den zehn bis 15 Jahren eine Infrastruktur geschaffen, wo wir Künstler aufnehmen können, die bei uns wohnen und arbeiten, als „Artist-In-Residence“ ohne dass dafür Unterstützungen zu bekomme. Und das sollte eigentlich normal sein, dass Galerien solche oder ähnliche Möglichkeiten anbieten können ohne ständige finanzielle Unterstützung .Es darf nicht sein, dass KünstlerInnen auf Stadtkosten leben müssen. Es soll jährliche Unterstützungen der Stadt geben bezogen auf die gesamte Arbeit der Galerien, deren Tätigkeit und Aktivitäten im In- und Ausland, nicht aber mit „KünstlerInnen „Linzbezug“ als Vorwand, und nicht projektbezogen, und sonst ohne Konzept weder für die KünsterInnen für die Zukunft. Wir haben KünstlerInnen wie Taguchi Yukihiro, Tokyo / Berlin, Jennifer Nehrbass, New Mexico, Yvette Gellis, Los Angeles, Elisabeth Sonneck, Berlin u.v.a. in die Stadt gebracht, die wohnen alle in dieser Stadt auf unsere Kosten, ohne Unterstützung bzw. nicht mehr Unterstützung als andere „Galerie“.. in dieser Stadt. Wir bringen umgekehrt unsere österreichischen KünstlerInnen ins Ausland zu Ausstellungen, in Sammlungen oder Museen und werden genauso gefördert wie andere Galerien oder Vereine, die eigentlich nichts anderes tun als Ausstellungen machen und warten, bis ein Bild abgekauft wird. Da wird kein Unterschied gemacht. Natürlich würde ich mir wünschen, dass wir mehr Förderungen zu bekommen, aber es gehört dazu, dass sich Betriebe, und dass sind auch Galerien, maßgebend selber um ihre wirtschaftlichen Erfolge kümmern sollten. Gemeinsam Rahmenbedingungen, Kooperationen, Gebäude zu schaffen für „Artist in Residence“, die auch Galerien, z. B. wir für unsere KünstlerInnen nützen könnten, mit angemessener günstiger Miete, auch das wären Aktivitäten die Allen nutzen würden. dann mit anderen Künstlern. Man muss da einfach eine Basis schaffen, und es soll auch nicht immer so sein, dass die Stadt KünstlerInnen einlädt auf politischer Ebene und die Politik entscheidet, welcher KünstlerInnen diese Räume benützen dürfen. Da ist Kooperation gefragt und gewünscht, und privaten Galerien wie so oft zu unterstellen, man sieht das nur aus kommerzieller Sicht, das ist vollkommen falsch und unrichtig. Jede gute Galerie, die weltweit unterwegs ist, hat ein großes kreatives Potenzial, sie ist darauf aus, neue Ideen oder neue Strömungen zu entdecken, da ja das von ihr vom Markt gefordert wird. Rahmenbedingungen für die Kunst sollten von Menschen mit Weitblick und der Liebe zur Kunst geschaffen, dazu gehören KünstlerInnen, GaleristInnen, MusikerInnen usw. oder einfach Menschen die die Kunst wirklich lieben und nicht nur Politik damit machen, und alle jene Personen sollte die Politik etwas ernster nehmen, mit einbeziehen und mitentscheiden lassen.

Zweiter Themenbereich, Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau. Zwei Bereiche, die natürlich zusammenhängen. Was fällt Ihnen zum Thema „Kunst am Bau“ im Zusammenhang mit Linz ein?

Stefan Brunnhofer: Mit Land Oberösterreich fällt mir mehr ein dazu. Mit Linz fällt mir nicht wirklich etwas ein. Auch bei Kunst am Bau vermisse ich, dass Galerien dazu eingeladen werden, Künstler vorzuschlagen zum Beispiel. Ich finde es nicht für richtig dass immer Künstler direkt eingeladen werden und Galerien eigentlich überhaupt nicht, das wird aber nicht nur in Linz, sondern auch in anderen Bereichen so gemacht oder in anderen Städten. Galerien werden nicht dazu eingeladen oder aufgefordert, Künstler für dieses Projekt vorzuschlagen, dass sie einreichen und das gehörte für mich dazu. Auch da kommt das schon peinliche Argumenten „Linzbezug“, damit ein Künstler diesen Kunst-am-Bau-Auftrag erhält. Auch das ist falsch, weil es heißt ja nicht, dass ein in Linz geborener, in Linz studierter, in Linz lebender Künstler der kreativere, bessere ist und in der Kunst geht es mir nicht um die regionale Bedeutung und den regionalen Bezug der Künstlerin, des Künstlers, sondern mir geht es um die Qualität. Und da wieder zurück zur Galerie. Wenn ich als Galerie international und auch regional erfolgreich arbeiten will, muss ich Künstlern und Künstlerinnen aus dem Ausland in Linz die Möglichkeit bieten können, dass ich sie einerseits in Museen unterbringe und gleichzeitig eventuell, wenn jemand installativ arbeitet, wie wir einige Künstler auch haben, die im Ausland sehr viele Kunst-am-Bau-Projekte machen, die Chance für ein „Kunst-am-Bau“ Projekt zu machen. Aber wenn von Grund auf schon das Ganze abgelehnt wird, ausländische KünstlerInnen mit einzubeziehen und dann noch dazu nicht mit Galerien zusammenarbeiten, dann nehmen auch solche Künstlerinnen und Künstler Abstand, hier in Linz in einer Galerie vertreten zu sein, weil sie ja da keine Möglichkeit haben, irgendetwas zu erreichen. Das ist ja immer wieder dieselbe Spirale, die sich dreht. Ich werde immer gefragt: „Warum hast du nicht die Möglichkeit, dass ich in Linz in einem Gebäude oder auf einem Gebäude etwas zu mache?“ Als Antwort bleibt mir nur: „Weil du ein Ausländer bist, wir sind ein wenig ausländerfeindlich hier in Linz.“ Das ist eine böse Antwort, da bin ich immer sehr provokant, aber es ist so. Immer wieder höre ich: „Wo ist der Linz-Bezug?“, „Wo ist der Oberösterreich-Bezug?“ Dazu kann ich nur sagen: „Das bin ich, ich bin eine Linzer Galerie, ich bin eine oberösterreichische Galerie, ich bin Linzer und Oberösterreicher, und das muss reichen.“ Eine europäische Kulturhauptstadt, bei der immer nur Linzer KünstlerInnen zählen, ist doch etwas peinlich. Gäbe es die Möglichkeit, dass man als Galerie auch Kunst-am-Bau-Projekte für die Stadt oder für das Land mit anbietet, mit Künstlerinnen und Künstlern ohne Linz-Bezug, dann würde Linz international auch als Kulturstadt mehr Anerkennung finden, denn Kunst transportiert Meinungen weltweit.

Zweites Unterthema, das damit verbunden ist: Kunst im öffentlichen Raum. Das hat natürlich genauso mit Kunst am Bau zu tun, aber es geht weiter. Wie beurteilen Sie die Situation von Kunst im öffentlichen Raum in Linz? Was fällt Ihnen da dazu ein?

Stefan Brunnhofer: Na ja, in der Vergangenheit ist ja einiges gemacht worden. Ich sage jetzt einmal, der Donaupark mit den Skulpturen. Das war ein guter Start in das Ganze, war natürlich auch eine private Initiative von Gsöllpointner. Der würde meiner Meinung nach erweitert gehören bis zum Winterhafen hinunter. Das ist ein Gelände, wo noch massenhaft für Skulpturen Platz ist. Und das ist auch eine Möglichkeit, das ist ja quasi ein Freilichtmuseum, kann man sagen. Wenn ich mir anschaue, welche Künstler dort stehen, Künstlerinnen glaube ich stehen keine dort, und welche es noch gäbe, wenn ich alleine schaue in Österreich, und wenn ich alleine schaue in Linz und Umgebung, also da fehlen noch einiges auch von KünstlerInnen da in dieser Stadt unterrichtet haben. Das gehört meiner Meinung nach komplett ausgebaut, das würde erweitert gehören. Es fehlen auch auf den öffentlichen Plätzen die Skulpturen oder in den Parkanlagen, wenn ich wirklich wieder an andere Städte denke, Großstädte, wie viele Skulpturen dort zu finden sind. Warum interessieren sich die Öffentlichkeit oder die Firmen nicht so für Kunst und Kultur, warum haben finden Sie keine Kunst in Firmen, warum haben die keine Skulpturen vor dem Eingang oder in den Foyers? Ganz einfach. Weil die Stadt Linz oder das Land Oberösterreich ja auch nichts tut, es steht in den Parks keine moderne Skulptur, es steht auf dem Hauptplatz keine, es steht auf dem Pfarrplatz keine. Dann wird man auch nicht sensibilisiert. Die Bevölkerung gehört sensibilisiert und das Beste und Einfachste ist wirklich mit Skulpturenparks, Plätze mit modernen Skulpturen auszustatten, das ist immer noch die einfachste und günstigste Art Menschen für Kunst zu sensibilisieren. Ich möchte dies auch so vergleiche: Es stehen oft wirklich kitschige, peinliche Brunnen-Skulpturen, meist auch deplatziert herum, die auch eine Menge Geld gekostet haben, um dieses Geld kann man auch hochwertige künstlerische Skulptur aufstellen die würde wiederum von Einheimischen und Touristen gesehen und besprochen werden Man kann durch die Stadt gehen und überall sind tolle Skulpturen, das ist Werbung für die Stadt, das ist eine Reise wert. Aber die Brunnen, so wie sie bei uns herumstehen, die sind werder eine Reise noch ein Gespräch wert. Siehe wiederum andere Städte, auch solche, die nicht von sich behaupten Kulturstadt zu sein.

Das müssen gar keine großen Städte sein. Ich denke nur an Münster.

Stefan Brunnhofer: Ja, genau, zum Beispiel.

Der dritte Bereich: Kunst- und Kulturvermittlung, ein wichtiger Bereich. Wenn Sie an das Kunst- und Kulturvermittlungsangebot in Linz denken, gefällt Ihnen da etwas besonders gut oder gefällt Ihnen etwas überhaupt nicht?

Stefan Brunnhofer: Ich sage jetzt einmal so, Kunst- und Kulturvermittlung ist nicht da in Wirklichkeit. Für mich wäre diese Vermittlung eigentlich sehr wichtig, Ich meine, Führungen in den Museen und so, das ist eigentlich das, was Kultur- und Kunstvermittlung ist, oder wenn ich eine Führung mache jetzt durch den Neubau des neuen Musiktheaters. Natürlich, der Wissensturm, da passieren immer wieder interessante Vorträge und Lesungen, aber so wirklich wird es nicht praktiziert, man nimmt diese Vermittlungen fast nicht wahr. Ich glaube einfach, wenn ich Kultur- und Kunstvermittlung mache, muss ich die Leute dort abholen, wo sie sind, die nämlich nichts damit am Hut haben. Ich höre immer wieder die Aussagen auf die Frage: „Nun, willst du dir nicht einmal auch ein Kunstwerk kaufen?“, die Antwort: „Ist ja eh schön, aber ich kenne mich nicht aus.“ Das ist die Standardaussage: „Ich kenne mich da nicht aus.“ Wenn die Menschen nicht diese Vorträge besuchen, kann ich auch nichts vermitteln, und genau dort muss begonnen werden, Leute dort hin zu bewegen, sie abholen.

Was würde Ihnen da an neuen Formaten oder Programmen vorschweben?

Stefan Brunnhofer: Das geht grundsätzlich einmal in der Schule los. Da hat natürlich die Stadt wenig zu sagen, gehe ich davon aus, aber wenn in gewissen Gymnasien bildnerische Erziehung abgeschafft wird und Musikerziehung abgeschafft wird, kann man nicht erwarten, wenn der mit 19 oder 18 maturiert, dass er nachher Interesse hat, in Museen zu gehen. Ich erlebe halt auch immer wieder, dass in großen Städten Schulklassen in Galerien gehen, nicht nur ins Museum. Ins Museum geht man gerne, da geht man hinein, aber in Galerien zum Beispiel gehen sie nicht, man traut sich eigentlich überhaupt nicht, in eine Galerie zu gehen. Ich habe das erlebt, in New York speziell, wo Schulklassen mit Professoren in Galerien unterwegs sind, ganze Schulklassen, die gehen nicht nur in die Museen, natürlich, selbstverständlich sind sie dort, aber sie gehen auch in Galerien, schauen sich das an, unterhalten sich mit Galeristen, warum ist das da, was ist das, wie funktioniert ein Galeriebetrieb? Da gehört irrsinnig viel Aufklärung gemacht und dort muss begonnen werden, an der Basis zu vermitteln. Das geht bei den Volksschulen los. Leider ist es halt so: Jedes Kleinkind ist kreativ, zeichnet oder malt, gerne und in der Schule oder von den Eltern wird schnell beigebracht, wie man zeichnet, dass ein Baum grüne Blätter hat usw., und dann verlieren die Kinder die Lust daran. Dort ist die Basis, dort gehört begonnen, in der Schule eine komplett andere Ausbildung zu machen. Wenn ich jetzt von Erwachsenen spreche wäre zum Beispiel die Kunst im öffentlichen Raum das Thema, die Leute damit zu konfrontieren. Der geht ja nicht freiwillig in ein Museum, wenn er sagt, ich kenne mich da nicht aus, mich interessiert das nicht. Aber wenn er spazieren geht und wenn er im Schanigarten am Hauptlatz sitzt und er schaut auf eine Skulptur, dann muss er sich einmal Gedanken machen: „Hallo, was passiert denn da?“ Er wird einfach konfrontiert. Und man muss den Leuten das vor Augen führen und wirklich damit konfrontieren. Das ist der Beginn einer Vermittlung meiner Meinung nach. Weil es ist auch so: Ausgeschriebene Führungen von Kunstvermittlungen in Museen, da gehen ja wieder nur die hin, die sich dafür interessieren. Aber die sich nicht interessieren, gehen nicht hin. Ich will aber die, die sich nicht interessieren, auch hinführen, und die muss ich zuerst einmal abholen wo sie sind.

Sie haben jetzt drei Fragen auf einmal beantwortet.

Noch eine spezielle Frage zu den Kunst- und KulturvermittlerInnen in Linz, die, wie Sie richtigerweise gesagt haben, bei den Häusern, den Museen angehängt sind. Ich weiß jetzt nicht, inwieweit Sie da Einblick haben, aber ich stelle die Frage trotzdem. Wie schätzen Sie die Vernetzung dieser verschiedenen Kunst- und KulturvermittlerInnen in Linz ein? Ist Ihnen da irgendetwas aufgefallen?

Stefan Brunnhofer: Mir fällt auf, dass in den letzten Jahren die Kooperation zwischen den Häusern besser geworden ist. Ich habe früher den Eindruck gehabt, dass die Landes- und die Stadtinstitutionen eigentlich fast verfeindet waren und überhaupt nicht zusammengearbeitet haben. Das hat sich in den letzten Jahren sehr verbessert und mir fällt auf, dass man eigentlich auch die Kuratorinnen und Kuratoren, die beim Land und bei der Stadt beschäftigt sind, in den Museen plötzlich gemeinsam sieht und dass die an gemeinsamen Projekten arbeiten. Also gehe ich einmal davon aus, dass sich das wirklich besser vernetzt.

Auch auf der Vermittlungsebene?

Stefan Brunnhofer: Ich meine, ich bin da nicht wirklich so involviert, aber ich habe schon mitbekommen, dass man Personen, die im Landesmuseum vermitteln auch im Lentos sieht, also muss da irgendwo eine Kooperation sein oder eine Zusammenarbeit oder ein offenerer Zugang zu dem Ganzen und das ist natürlich auch irrsinnig wichtig. Wie weit es jetzt dann Vermittlungen gibt im öffentlichen Raum weiß ich nicht, aber in den Häusern habe ich da schon überschneidende Aktivitäten festgestellt.

So weit, so gut, danke für die ausführlichen Antworten. Ist Ihnen noch irgendetwas abgegangen? Würden Sie noch irgendetwas Wichtiges mitteilen wollen?

Stefan Brunnhofer: Es fällt einem natürlich immer nachher irgendetwas ein, was man nicht gesagt hat.

Danke für das Interview.

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