Peter Assmann

Geburtsdatum und Geburtsort?

Peter Assmann: 28. August 1963 in Zams in Tirol.

Sie leben in Linz, seit wann?

Peter Assmann: Unterschiedlich, konsequent jetzt seit 1991, genau seit April 1991.

Neben Ihrer Direktionstätigkeit: Gibt es sonstige kunst- und kulturbezogene Funktionen die Sie derzeit ausüben? Bitte auch an Jurys, Gremien oder Ähnliches denken.

Peter Assmann: Das klingt überheblich, aber das sollte man eher von der anderen Seite her beantworten. Es gibt fast nichts, was ich im Umfeld Museum und bildender Kunst nicht gemacht habe oder nicht mache. Ich bin aktiv bildender Künstler, bin aktiv Schriftsteller, veröffentliche regelmäßig Literarisches, mache laufend Ausstellungen in bildender Kunst als Künstler, bin als Kurator von Ausstellungen tätig, also nicht nur bei den eigenen Institutionen, wo es quasi klar ist, sondern auch außerhalb, von Leonding bis Shanghai. Ich habe eine Kunstzeitschrift gegründet, ein Kunstjahrbuch, das es immer noch gibt, bin Sachverständiger für bildende Kunst bei Gericht, bin in vielen Jurys nach wie vor tätig, allerdings eher zurückhaltend, war in unterschiedlichen Funktionen und bin es nach wie vor in der Lehre tätig, also an verschiedenen Universitäten, immer mit dem Schwerpunkt Kunstgeschichte und Kulturmanagement, natürlich Schwerpunkt Museum. Ich bin auch in entsprechenden Funktionen als Präsident des Museumsbundes Österreich, also in museumsbezogenen Gemeinschaften und zusätzlich auf europäischer Ebene tätig. Ich würde sagen, alles was nichts mit Singen und Tanzen und Komponieren zu tun hat, wird irgendwie mit meiner Person abgedeckt.

Wenn in einem Bericht Ihr Name erscheint, was soll danach stehen?

Peter Assmann: Kunsthistoriker, Schriftsteller, bildender Künstler, man könnte Museumsdirektor auch dazu schreiben, wenn gewünscht. Aber von meiner Ausbildung her sehe ich mich in diesen drei Bereichen tätig.

Kurz zum Landesmuseum, wobei ich mich konzentrieren würde auf das Schlossmuseum plus Landesgalerie, vor allem aufgrund des Linz-Bezuges …

Peter Assmann: Da sind wir schon bei einem Problem, weil wir haben verschiedene „Außenstellen“, die auf Linz einwirken und im Linz-Kontext zu sehen sind. Das Biologiezentrum ist mitten in Linz, wenngleich in einem eigenen Stadtteil von Linz, Linz-Dornach gelegen und ist auch hier eingebunden. Natürlich gibt es hier Schwerpunkte mit Natur, die weit über den Stadtteil Dornach hinausgehen. Wir haben auch als eine unserer Sammlungen präsent die Wehrgeschichte im Schloss Ebelsberg. Auch hier gibt es einen sehr aktiven Kulturverein und seit Jahrzehnten ein großes Bemühen, diesen Ort, das Schloss Ebelsberg, kulturell wirksam zu machen mit unserer Unterstützung. Ich würde auch das direkte Umfeld von Linz dazurechnen, weil hier gibt es einfach einen massiven Austausch. Landeshauptmann Gleissner soll einmal gesagt habe, das schönste an Linz ist St. Florian. Also St. Florian ist hier ganz klar in einem Naheverhältnis. Da gibt es entsprechende Brücken. Wir haben dort unsere Außenstelle Sumerauerhof. Und was in diesem Kontext auch unbedingt noch zu nennen ist, ist das Anton-Bruckner-Geburtshaus in Ansfelden, das auch eine Außenstelle ist, die dringend einer Erneuerung bedarf. Aber Anton Bruckner ist auf das Engste mit Linz verbunden und daher ist diese Achse nicht nur inhaltlich, sondern natürlich auch vom Naheverhältnis – dieser viel zitierte Speckgürtel oder diese Umlandgemeinden von Linz – absolut in sämtlichen Überlegungen eines Kulturentwicklungsplans zu inkludieren. De facto sind sie schon Partner, angesprochen bei der Landesgartenschau, da kommt das markant zum Ausdruck und dieser Weg wird sicher der Einzige für die Zukunft sein, der Sinn macht. Also du kannst nicht an der Stadtgrenze von Leonding – in Leonding sind wir auch präsent – Halt machen mit deinen Überlegungen. Insofern ist unser Cluster „Oberösterreichische Landesmuseen“ ein sehr stark linzbezogener, ganz klar mit den drei Haupthäusern, aber eben auch mit einigen „Außenstellen“, auch Depotgebäuden, Welserstraße etwa, die ganz unterschiedliche Aspekte des Museumslebens in die kulturelle Gegenwart von Linz hineintragen.

Dann versuchen wir vielleicht die Fragen im Verbund und Komplex durchzugehen, ohne jetzt auf die einzelnen Institutionen einzugehen, sonst wird es glaube ich zu lange. Welche Zielgruppen werden durch die Arbeit besonders angesprochen? Kann man das irgendwie eingrenzen?

Peter Assmann: Man kann es nur punktuell eingrenzen. Es gibt natürlich unterschiedlichste Ausstellungsprojekte. Es gibt bei den Häusern dann doch Perspektiven, das ist ganz klar. Die Anton-Bruckner-Gedenkstätte zieht primär Menschen an, die irgendeinen Bezug zu Anton Bruckner haben, der Sumerauerhof ist sehr klar lokal verortet und thematisch im Umfeld Volkskunde, Volkskultur im weitesten Sinne mit einzelnen Aspekten. Ähnliches lässt sich dann für das Biologiezentrum sagen, aber eben nicht nur. Bei der Landesgalerie haben wir das Feld der zeitgenössischen Kunst, das ist ein eigenes Publikumssegment, das wir bewusst versuchen, bei den Rändern immer wieder zu erweitern und nach Außen ausfransen zu lassen. Beim Schloss haben wir es klassisch, alle ansprechen zu wollen, denn da kann man nur über einzelne Ausstellungen, über einzelne thematische Vermittlungsangebote bestimmte Zielgruppen lokalisieren und auch ansprechen. Also wir sind letztlich doch in der vielleicht unangenehmen, vielleicht aber manchmal auch positiven Position, dass wir eigentlich alle als Adressaten haben, ich weiß: Alle ist gleich keine, aber wir versuchen hier möglichst breite Angebote zu setzen, die dann immer wieder fokussiert werden auf einzelne Interessenslagen.

Auf welchen geografischen Wirkungsbereich zielt die Arbeit in erster Linie ab? Bleibt das in Oberösterreich bei den Grenzen stehen oder geht es darüber hinaus?

Peter Assmann: Das ist sehr eindeutig. Linz ist nicht primäre oder sekundäre Tourismusregion, sondern ist erst letztlich durch die Kulturhauptstadt überhaupt auf der kulturtouristischen Landkarte präsent geworden. Dementsprechend ist unsere Publikumsstruktur. Über 80 Prozent kommen aus dem Umfeld Oberösterreich. Ich würde hier immer vom berühmten 200-Kilometer-Radius sprechen, fokussiert eigentlich auf den 100-Kilometer-Radius, weil da sind mit dieser Zielzone Bayern und Böhmen dabei und das erscheint mir der massivste Einzugsbereich. Aus dem Umfeld Wien gibt es, wenn dann nur bei ganz speziellen thematischen Ausstellungen ein Publikum, und sonst einzelne „Zufallstouristen“, Italiener auf dem Weg nach Prag oder so, die wir beobachten. Wir kommen sicher noch bei der Kulturhauptstadt darauf zu sprechen. Grundsätzlich sind wir eines der wenigen Museen, die ganz wenig von Touristen leben.

Wenn man sich die Disziplinen ansieht. Da würde mich interessieren, wo es Ihrer Ansicht nach Verschiebungen gegeben hat in der letzten Zeit, zum einen Schwerpunkte, die in andere künstlerische Disziplinen gehen und zum zweiten Verschränkungen, die mit anderen Disziplinen abseits der bildenden Kunst gesucht werden?

Peter Assmann: Vielleicht anhand von einem Beispiel. Wir betreuen 18 Millionen Museumsobjekte, davon nimmt die bildende Kunst einen bestenfalls zweistelligen Tausenderbereich ein, das heißt, wir sind unter 100.000 Kunstobjekten. In der öffentlichen Wahrnehmung spielt die bildende Kunst, zumal die Gegenwartskunst die größte Bedeutung, wird am intensivsten diskutiert. Wenn man allerdings jetzt von der medialen Welt absieht, dann kommt man sehr rasch hin zu Interessensschwerpunkten und da zeigt sich, dass Kulturgeschichte und eben in zunehmenden Maße – und das würde ich als eine Trendbeantwortung formulieren -, naturwissenschaftliche Inhalte sehr zum Tragen kommen, wobei ich auch ein wenig festhalten möchte, dass wir als klassisches Universalmuseum, als Mehrspartenhaus, immer versucht haben, diesen Aspekt möglichst im Sinne von Interdisziplinarität zu interpretieren. Daher viele Angebote der Verschränkung. Das zeigt sich an der Konzeption des gesamten Schlossmuseums, aber auch bei Ausstellungsthemen, die wir vorstellen und die glücklicherweise auch entsprechende Akzeptanz finden. Ein kleines Beispiel vielleicht, „Gold aus Kolumbien“, ein klassisches Thema der Inszenierung von einer wunderbar ausgeleuchteten Vitrine mit einem Goldstück drinnen. Unser Ansatz war natürlich zum einen, die Ästhetik dieser Objekte zu zeigen, ganz klar aber hier die Verbindung mit kulturgeschichtlicher Information über Schamanismus, über eine andere De-facto-Weltanschauung, die sich hier zeigt und das Ganze auch noch in Verbindung zu setzen mit naturwissenschaftlichen Inhalten. Weil es vielfach um Beispiele der Fanna geht, die hier abgebildet werden, transformiert werden, haben wir in der Inszenierung ganz bewusst diese Klammer gesetzt zur Tierwelt. Das würde fast ein bisschen paradigmatisch für einen Ansatz stehen, der sich nach meiner Beobachtung in den letzten Jahren als publikumsaktiv herausgestellt hat, also Menschen reagieren darauf. So etwas wie eine Schokoladeausstellung, die nach wie vor in den Köpfen herumschwirrt, weil es eben vom Zeitraum der Ausstellung in Relation zu den Publikumszahlen die erfolgreichste Ausstellung war, die es jemals im Hause gegeben hat. Das hat natürlich viele Ursachen, aber auch in diese Richtung glaube ich, ist die Aufmerksamkeit zu setzen, weil gerade diese Ausstellung – eine Mischung aus naturwissenschaftlicher Information, kulturwissenschaftlichen Inhalten, auch zeitgenössischer Kunst, die de facto Teil der Kulturgeschichte ist – sich in dieser Publikumswirksamkeit durchgeschlagen hat. Also Trends ganz klar in Richtung kulturgeschichtliche Betrachtung, immer von aktuellen Fragestellungen ausgehend, das ist sicher wesentlich, drängt sicher auch in Richtung einer größeren Sensibilisierung für Naturthemen und Trend, würde ich auch meinen, dass ist ein bisschen komplexer, aber dass es auch wichtig ist, klare regionale Bezugspunkte zu finden. Die ausschließliche Präsentation fremder Welten, wie sie vielleicht vor 20 Jahren bei Museumsausstellungen noch durchaus interessant war, würde ich sicher nicht als Zukunftstrend festmachen. Das ist nur dann interessant, wenn es eine entsprechende Verortung in einer Regionalität durch biografische Bezüge, wie auch immer, gibt. Bleiben wir beim Beispiel Kolumbien. Der Mensch, der in Kolumbien die anthropologische, archäologische Forschung begründet hat, stammt aus Oberösterreich. So etwas gibt einen ganz anderen perspektivischen Zugang.

Gibt es in Bezug auf die vorhandene räumliche oder technische Infrastruktur aktuell einen Handlungsbedarf, d. h. den Wunsch nach quantitativer Erweiterung oder qualitativer Verbesserung?

Peter Assmann: Da muss man grundsätzlich festhalten, dass jedes gute Museum, das seinen Arbeitsauftrag ernst nimmt, größer wird. Alleine der Aspekt des Sammelns impliziert, dass wir immer mehr Objekte bewahren, erforschen, ausstellen, präsentieren und vor allem wissenschaftlich analysieren. Die, wie ich meine doch geglückte Situation mit dem Schlossmuseum hat gezeigt, dass eine neue Architektur auch für ein historisches Gebäude sehr viele neue Impulse bringen kann. Das Beispiel lässt sich natürlich auch bei anderen Museen finden. Das Gebäude, in dem wir uns jetzt befinden, also das Stammhaus der oberösterreichischen Landesmuseen mit der Landesgalerie, ist sicher ein eher abweisend wirkender Bau. Da wird es in naher Zukunft Akzente brauchen, um die Eingangssituation völlig neu zu setzen. Beim Biologiezentrum sind wir einfach an der Kapazitätsgrenze, das zeigt auch das große Besucherinteresse. Wir haben jährlich über 20.000 Besucher dort in mehr als kleinen Ausstellungsräumen und, wie gesagt, der Trend ist ungebrochen, auch nach der Einrichtung der Naturschau im Linzer Schloss. Da wird es eine Reaktion brauchen, zumal es eine ganz eigene Situation dort ist, mit dem Ökopark und einem jahrzehntelang gepflegten, floralen Bestand, der sich noch dazu perfekt mit dem Botanischen Garten von Linz ergänzt. Da sind wir ja wirklich in einer sehr guten Kooperation. Die dringende Erneuerung des Anton-Bruckner-Geburtshauses ist schon angesprochen worden. Natürlich, die Situation in Ebelsberg ist auch nicht aktuell. Unsere Politik war in den letzten Jahren darauf ausgerichtet, das Zentrum, sprich das Schlossmuseum, in einen Zustand zu bringen, der es wirklich als eine Vorzeigesituation bis zu einem gewissen Grad macht. Das wird mit Ablauf des heurigen Jahres zu 98 Prozent gemacht werden, vielleicht noch ein paar kleinere Ausbesserungen in den ersten Monaten des kommenden Jahres, dann steht dieses Haus aber halbwegs so da, wie wir es geplant haben und dann geht die Aufmerksamkeit in die anderen Häuser, muss gehen, ich habe es eh schon kurz skizziert. Es ist halt leider so, dass dieser Schlosszubau seit vielen Jahren das erste Investment bei den Museen bzw. bei unseren Institutionen war. Wir haben de facto nur alte Gebäude und keine Neubausituationen.

Wie viele Personen sind eigentlich in den Landesmuseen insgesamt beschäftigt?

Peter Assmann: Wir haben 130 fix angestellte Menschen und wir hatten im Jahr 2009 mehr als 130 Menschen in freien Dienstverträgen, Werkverträgen. Die Trendsituation ist hier auch sehr klar. Allerdings stehen wir aktuell in einer absoluten Umbruchsituation, z.B. was gerade den Bereich der Vermittler betrifft, durch eine Personengruppe, zwischen 30 und 40 Personen. Ja werden wir sehen, Ich denke, eine Zahl rund um die 200, das spiegelt in etwa jenen Personenkreis wieder, der regelmäßig bei uns beschäftigt ist.

Gibt es eigentlich so etwas wie ehrenamtliches Engagement? Spielt das eine Rolle?

Peter Assmann: Es spielt eine große Rolle im Hinblick auf eine im weitesten Sinne ideelle und auch konkret finanzielle Unterstützung. Die Fördervereine respektive Traditionsvereine wie etwa der Musealverein oder eine Gesellschaft für Archäologie, eine Arbeitsgruppe im Bereich der Botanik, die wir fast in allen Disziplinen haben, solche Arbeitsgemeinschaften, die leisten ungeheuer viel. Das sind ehrenamtliche Arbeiten zur Unterstützung unserer wissenschaftlichen Tätigkeit, das sind ehrenamtliche Tätigkeiten, die uns einfach Geld bringen im Falle des Fördervereins. Ich denke, das sind mehrere tausend Menschen, natürlich an den Rändern unscharf an der Zahl, aber doch ein sehr großer Personenkreis, der aktiv Anteil nimmt und das ehrenamtlich unterstützt ohne sich überhaupt jemals Gedanken zu machen, dass das ja „ehrenamtlich“ ist. Das hat aus der Tradition heraus aus den letzten Jahrzehnten eine absolute Selbstverständlichkeit. Nicht in allen Bereichen, aber in den meisten Bereichen. Und dies ist natürlich ein massives gesellschaftspolitisches Problem, aber das ist ein anderes Thema.

Kurzes Assoziationsspiel: Welche Begriffe fallen Ihnen ein, wenn Sie an „Kulturstadt Linz“ denken?

Peter Assmann: Es ist ein bisschen schwer, hier wirklich assoziativ zu antworten, weil es gibt so vorbereitete Antworten, die man oft darauf gegeben hat. Ich gebe auch eine historische Antwort als erste Assoziative. Ich bin gerne nach verschiedenen Aufenthalten, also Tirol, Italien etc., wieder nach Linz zurückgekommen. Ich bin ja ein Stahlstadtkind, ich bin hier in den 1970er-Jahren ins Gymnasium gegangen, weil Linz eine spezielle Offenheit signalisiert hat, eine pragmatische Offenheit, die ich in dieser Form an anderen Orten nicht erlebt habe und diesen Befund würde ich auch heute noch unterstreichen. Das ist schwer festmachbar, hat aber etwas mit konkreten Umsetzungen von Projekten, Projektmöglichkeiten zu tun. Das wäre, glaube ich, die wesentlichste Assoziation. Gegen eine Markenassoziation, welche die erfolgreichste Kulturmarke betrifft, da bin ich ein bisschen zurückhaltender. Ich meine, dass weder die jüngste Vergangenheit, noch die Gegenwart, noch die Zukunft von Linz ausschließlich unter dem Begriff Ars Electronica zusammenfassbar ist. Da fehlen einfach entscheidende Parameter, nicht zuletzt der wirtschaftliche Hintergrund dafür. Auch gibt es hierfür eine gewisse Geschichtlichkeit, die im Widerspruch zu dieser konsequenten Zukunftsinszenierung steht. Ein Museum der Zukunft ist einfach ein Widerspruch in sich, der einmal lustig ist vielleicht, aber auf Dauer nicht befriedigend. Ich denke, da muss man auch konzeptuell nachschärfen. Wie überhaupt die Frage Ars Electronica eine ganz wesentliche ist, aber ich denke, wir kommen auf das noch zu sprechen. Ansonsten glaube ich, dass aus der Perspektive des Jahres 2011 der Begriff des Wandels ein wichtiger ist. Ich denke, dass sich die Kulturstadt Linz aktuell sehr stark in einer Veränderungsphase befindet, nicht am Höhepunkt dieser Veränderungsphase, sondern am Beginn. Parameter, die früher einfach gegolten haben, wie selbstverständlich, sind in der Form und in dieser Ausschließlichkeit dann auch im internationalen Vergleich nicht mehr gültig. Also Festivals wie die Ars Electronica oder die Klangwolke oder solche Besonderheiten von Linz, die sind an sehr vielen Orten beobachtbar. Auch die wirtschaftliche Situation, die immer ein bisschen diesen Grundhintergrund gegeben hat, die Industriestadt mit kulturellem Anspruch, das hat sich verändert. Ich denke, dass das Kulturhauptstadtjahr hier im Bewusstsein vieles bewirkt hat. Also ich würde hier assoziativ den Begriff Wandel unbedingt dazunehmen.

Wenn Sie die letzten zehn Jahre, also die Jahre 2000 bis 2010, betrachten: Was lief Ihrer Meinung nach besonders gut in der kulturellen Entwicklung der Stadt Linz?

Peter Assmann: Gut, da sind wir schon bei der Kulturhauptstadt. Ich habe es immer wieder „gepredigt“, für alle Menschen, mit denen ich zu tun habe, die einmalige Chance, die Linz bekommen hat und die es galt, bestmöglich zu nützen. Die hat zwei größere Ergebnisse gebracht, meiner Meinung nach. Das eine ist, Kultur und Tourismus sind näher zusammengerückt, beide Seiten. Wir wissen alle, wie differenziert eine Kulturszene ist, aber es gibt ein grundsätzliches, anderes Hinschauen, aus wirtschaftstouristischen Aspekten und vor allem die Tourismusorganisationen und die hier tätigen Wirtschaftsbetriebe haben auch ein anderes Bewusstsein dafür entwickelt, dass Kultur einfach touristisch wirksam ist, dass es zukünftig nicht mehr angeht, wenn ich ein Hotel in Linz betreibe, mich ausschließlich darauf zu verlassen, dass die VÖEST eh genügend Geschäftspartner nach Linz bringt und hier immer wieder Hotelzimmer braucht. Da braucht es also mehr dazu, da braucht es ein kompaktes City-Management, auch wenn das ein nicht eben gerade positive Assoziationen hervorrufender Begriff ist. Das würde ich als erste wesentliche Veränderung in den letzten zehn Jahren festmachen. Und ich bin eben schon sehr lange in dieser Stadt und noch sehr viel länger, indirekt durch meine Familie und meine Vergangenheit. Also ich meine auch, dass diese extremen Gräben, die es sonst in keiner anderen Stadt meines Wissens gibt, zwischen rot und schwarz, zwischen Stadt und Land, vielfach überbrückt worden sind. Also auch hier ein Bewusstsein, dass ich nicht alleine im Besitz der Wahrheit bin oder ich alleine der Leistungsträger der Kultur bin oder die kulturelle Zukunft nur mit mir möglich ist oder nur mit mir auf der Fahne. Dieses Bewusstsein hat sich doch ein bisschen abgeschliffen und auch Kulturinstitute als Schauplatz für wie immer gezielte strategische, gar nicht einmal, und das ist ja das Schlimmste immer gewesen, nicht ausgesprochene Grabenkämpfe, sondern da ging es für jemanden, der nicht direkt involviert ist oder nur involviert worden ist, immer um abstrakte Punkte, auf irgendeiner Skala, die niemanden etwas bringt. Hier ist, glaube ich, auch sehr viel erreicht worden und dadurch ein ganz anderes Zusammenrücken und Kooperieren auf allen Ebenen möglich geworden und Kooperieren dann nicht im Sinne von: „Ja, dann müssen wir halt irgendwie.“, sondern aus einer Überzeugung heraus. Wie gesagt: „Ich bin nicht der Einzige, der andere macht auch gute Arbeit, tun wir uns doch zusammen und machen gemeinsam eine noch bessere Arbeit.“ Das erscheint mir wesentlich. Ein wenig auch eine gewisse Etablierung dessen, was man gewohnt ist, als Freie Szene zu bezeichnen. Wenn es Institutionen seit Jahrzehnten schon gibt, dann kann man wohl kaum mehr von einer Freien Szene sprechen. Wenn ich einen fixen Anstellungsvertrag habe, ob ich bei der Stadtwerkstatt, bei maiz oder wo immer bin, das ist nicht die Freie Szene, sondern das ist eine andere Institution, die eben auch mit fixen Strukturen operiert. Ich meine, dass die Freie Szene, also diese Menschen, die aus einem wie immer gearteten Impetus heraus ihre Akzente in das Kulturleben setzen, sehr viel institutionalisierter geworden sind, wertfrei jetzt einmal gesprochen. Das ist sicher ein Trend der letzten zehn Jahre, den wir festhalten müssen. Nur der Vollständigkeit halber muss man natürlich auch die Neugründung von Institutionen, respektive das Lentos als zentralen Kulturbau, den Ausbau des Ars Electronica Centers, sicher auch unsere Institution, das Schloss mit massiven, neuen Akzenten nennen, und dann diese Erwartungshaltung in Hinblick auf das Neue Musiktheater, das ja auch großflächige Änderungen noch bevorstehend macht, in der Publikumsstruktur, in der Kooperation zwischen Brucknerhaus, Landestheater, anderen Anbietern im musikalischen, theatralischen Sektor. Da wird sich auch noch vieles tun und das spürt man aus den letzten Jahren heraus.

Und mit welchen kulturellen Entwicklungen der letzten zehn Jahre sind Sie überhaupt nicht zufrieden?

Peter Assmann: Da habe ich in der Vergangenheit schon oft aufgezeigt. Das betrifft die Position des Stadtmuseums Nordico. Eine Stadt wie Linz, die über viele Jahre ein Stadtmuseum darauf beschränkt hat, dass es einerseits eine Auslage gestaltet, Linz Genesis, also eine „Schnell-Drübersurf-Institution“: Super gemacht, keine Frage, für die Stadtgeschichte und mit Ablauf dieser Aufgabe braucht man es eigentlich nicht mehr, und andererseits dann irgendwo zu einem Ausstellungsort für lokale Kunst, was immer das ist, degradiert, das habe ich immer für eine Schnapsidee gehalten und es hat sich auch als eine solche bestätigt. Es ist eh klar, die Guten sind im Lentos und die Schlechten im Nordico, das kann nicht funktionieren. Mit der Bestellung einer neuen Leitung ist hier zumindest ein klares Signal gegeben worden. Ich bin halt auch der Meinung, dass Museum sehr viel mehr ist. Es ist ein wesentlicher Identitätsträger, der viele Disziplinen, viele Perspektiven umfasst. Die zeitgenössische Kunst ist ganz wichtig als Impulsgeber, ist ganz wichtig als jenes Forum, an dem am freiesten gedacht wird, am assoziativsten, am ausgereiftesten, am hinterfragendsten. Nur darf man nicht übersehen, dass es auch ganz klare Informationen gibt, dass es so etwas wie eine Entwicklung von Identitäten gibt. Auch Linz hat viele Identitäten, aber es sind bestimmte Aspekte, die hier verdichtet vor Ort präsent sind und die kann man nur in einer historischen Perspektive erörtern. Es braucht ein starkes, eigenständiges Stadtmuseum für eine Stadt dieser Größenordnung, ansonsten gibt sie sich auf. Denn das AEC fokussiert einen wichtigen Bereich, keine Frage, nur sicher nicht die Gesamtheit der Identitäten der Stadt Linz. Zum anderen, den mahnenden Zeigefinger habe ich natürlich auch erhoben, wobei das nicht meine Art ist, aber bildlich gesprochen, im Umgang mit historischer Bausubstanz. Allein der Gedanke, die Eisenbahnbrücke einfach wegzusprengen, zeugt schon von einer für mich völlig verqueren Zugangssituation zu historischer Information. Ich habe diese Vergangenheit von Linz, ich habe mit der Eisenbahnbrücke die einzige, erhaltene Donaubrücke Österreichs aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zumal in der Eisen- und Stahlstadt Linz, mit einer Eisen-Stahl-Konstruktion. Ich meine, überall anders mache ich diese Brücke zu einem Zentrum, da lasse ich mir Brückenfeste einfallen, mache das zu einem Markenzeichen. Alleine der Gedanke hat mich zutiefst erschrocken. Auch der Umgang mit dem Nationalsozialismus ist ein nach wie vor bedenkenswerter. Ich glaube nicht, dass es gut ist, Tonnen von Büchern zu produzieren, die dann niemand liest, sondern da braucht es ein ganz anderes, offenes Zugehen auf diese Situation, nicht ein letztlich immer noch verschämtes unter den Teppich kehren und vor allem auch nicht diese Haltung: Die Zeit des Nationalsozialismus – und dann erstarrt schon jeder vor lauter Schreck und jeder fokussiert nur ein paar Jahre, da ist ganz etwas Schreckliches passiert, sondern hier auch eine konsequent historische Haltung zu sehen. Also wie kommt es dazu? Welche Entwicklungen sind hier schlagend? Was hat seine Nachwirkungen bis heute? Wie gehen wir überhaupt mit Geschichte um? Diese Geschichtspositionierung von Linz, die sehe ich nach wie vor und da komme ich wieder zu diesem „Begriff des Wandels“. Das ist die Herausforderung, da tun sich führende Linzer schwer damit. Sonst gibt es sicher auch noch andere Möglichkeiten. Ich glaube nach wie vor, dass dieses rot-schwarze, dieses Stadt-Land-Verhältnis verbesserbar ist und auch der Brückenschlag zu den Wirtschaftsunternehmen. Das sage ich jetzt auch als Kritikpunkt. Sponsoring oder überhaupt das Bewusstsein eigener kultureller Aktivitäten funktioniert ja fast ausschließlich über politischen Zuruf. Es gibt keine Kultur, Betriebskultur oder ganz selten, natürlich gibt es das, aber im Vergleich zu anderen, wirtschaftlich starken Regionen Europas ist es erstaunlich, wie wenige Sammler es in Linz gibt, die bildende Kunst sammeln und das als wichtig erachten oder Menschen, die das kulturelle Leben der Stadt aktiv mitverfolgen, die sich über Theateraufführungen Gedanken machen und darüber diskutieren oder überhaupt, dass Kultur einen entsprechenden Wert in den Gesprächen hat. Da gilt es, noch vieles aufzuholen. Das hängt für mich mit dem großen Schlagwort – das bisher noch nicht gefallen ist – Vermittlung zusammen. Dieser Bildungsaspekt von Kultur, der wie ich meine, hier noch eine große Rolle spielen wird.

Wenn wir kurz den Blick über Linz hinausschweifen lassen, Ars Electronica ist jetzt schon ein paar Mal gefallen, gerade als erste Antwort auf die Frage nach der Kulturstadt Linz, in Zusammenhang mit Marke, wobei das nicht die Marke ist, auf die man sich verlassen sollte. Womit kann Linz Ihrer Meinung nach im österreichischen Städtewettbewerb punkten, vor allem im Vergleich zu ähnlich großen Städten wie Graz, Salzburg oder Innsbruck? Oder mit gleich großen Städten in Deutschland wie Kassel oder Münster?

Peter Assmann: Na gut, jetzt haben Sie leider die grausamsten Beispiele in Deutschland genannt, denn Kassel und Münster haben wirklich internationale Großprojekte, die gerade im Bereich der bildenden Kunst die volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen und damit ein Publikum weltweit ansprechen. Skulptur. Projekte in Münster natürlich weniger, aber die Documenta, das ist zu einem Zuordnungsort geworden, wobei ich weiß nicht, ob es solche Untersuchungen gibt, ob das Wort Documenta dann auch mit Kassel sofort konnotiert wird, ob das nicht schon so eine abstrakte Größe geworden ist, dass eigentlich Kassel selber gar nicht so viel davon hat, unter Anführungszeichen. Das hat natürlich einen großen, touristischen Stand, wird auch von Documenta zu Documenta immer wieder ganz stolz vermeldet. Das ist schwer, die Frage zu beantworten. Linz hat eine oft und oft herausgestellte, besondere wirtschaftliche Position, die, wie ich meine, einfach auch viel historischer noch herausgestellt werden kann. Wir haben mit dem Hauptplatz von Linz einen der größten Marktplätze Europas. Im späten Mittelalter, frühe Neuzeit, haben wir, was wir nächstes Jahr auch bei einer größeren Ausstellung thematisieren werden m 1600 eine Zeit, wo wirklich Überlegungen waren, in Linz massiv zu investieren. Ich sage es jetzt sehr grausam, aber wo durchaus die Möglichkeit war, Linz zu einer absoluten Hauptstadt zu machen, einer Hauptstadt europäischen Zuschnitts. Wien war jetzt gar nicht so sehr der feststehende Sieger in diesem Wettbewerb. Spätestens nach den Türkenkriegen und dem Siegeszug ist die Bewegung völlig klar. Ich meine, dass Linz aus historischer Sicht ein großes Potenzial hat. Wir haben keine Mona Lisa, wir haben nichts, was im Objektbereich die Einzigartigkeit der Stadt besonders hervorheben könnte. Aber wenn man jetzt Anton Bruckner, die Ars Electronica, das Beethoven-Klavier, die bildende Kunst vor Ort zu einem Gesamtpaket schnürt, das würde dem Befund, den ich vorher genannt habe, entsprechen – im Sinne eines offenen Aufeinanderzugehens, von Vergangenheit, Gedanken über mögliche Zukunftsentwicklungen und einer ganz lebendigen Gegenwart, dass das schon ein Markenzeichen von Linz ist, das hier auch jeder Tourist „bestätigt“: „Ja, ich habe nur Vorurteile gehabt. Jetzt komme ich nach Linz, das ist eine offene Stadt, sehr freundlich, viel los, da kann ich viel sehen.“ Ich glaube, dass es hier einfach mehrere Faktoren braucht, für die Linz dann steht. So unter dem Schlagwort „offene Stadt“. Das muss natürlich gelebt werden, das fängt bei der Ausländerpolitik an und geht bis hin zu einem offenen Miteinander und Ineinander, wo es ja schon Beispiele gibt. Das ist ja nicht etwas, das neu aufgesetzt, sondern nur etwas stärker forciert werden muss. Aber es kann nicht einfach sein, dass man einer möglichen Zukunft, die ganz anderswo geschmiedet wird, dann nachhoppelt und versucht, sie auch nach Linz zu bringen. Das, glaube ich, ist nicht gut.

Linz09 wurde schon angesprochen, ich möchte das nochmals kurz wiedergeben. Das war die engere Verschränkung von Kultur und Tourismus. Was war Linz sonst noch für Sie, wenn sie noch zwei weitere Punkte nennen würden?

Peter Assmann: Überhaupt eine Aufmerksamkeit auf Kultur in der Öffentlichkeit, also im umfassenden Sinne. Es ist einfach gelungen, kulturelle Inhalte zum Thema zu machen. Natürlich, weil das ist ja der Sinn und Zweck, weil es haben ja viele Menschen und viel Geld an diesem Ziel gearbeitet. Das erscheint mir als das ganz Wesentliche, das ist die Basis dafür, dass es Investitionen gibt, das ist die Basis dafür, dass es Publikum gibt, das ist die Basis dafür, dass es Diskussionen gibt: Wie soll es weitergehen? Was tun wir? Man kann natürlich einzelne Aspekte herausgreifen, da würde ich dann eher von einem Defizit sprechen. Es war sehr auf Linz bezogen. Ich glaube eben, dass der Raum Linz sehr viel größer ist, und dass man das an den Rändern einfach ausfransen lassen muss – also ich sage jetzt Stichwort Pregarten. Wir sind im Ballungsraum von Linz, das muss viel stärker noch involviert werden. Und das ist bei Linz09 nicht wirklich Thema gewesen. Es wird schon irgendein Projekt irgendwann, irgendwie gegeben haben, nur von einer größeren Perspektive kann man da sicher nicht sprechen. Ansonsten glaube ich, wenn ich noch eine kritische Anmerkung machen darf, dass es eigentlich lange gebraucht hat, bis man die Stärken von Linz wirklich erkannt hat. Erstaunlich lange dafür, dass eigentlich so viel Zeit und wirklich toll viel Zeit, bewundernswert viel Zeit, in die Recherche gesteckt worden ist, also auch vom Intendanten und allem Drum und Dran. Da kommen wir zu einem bestimmten Aspekt des Linzer kulturellen Selbstbewusstseins, das sehr stark mit einer Art pragmatischer Zurückhaltung operiert. Manchmal gibt es – wenn ich jetzt zum Beispiel an Klangwolke oder Eröffnungsparty denke – eine lange Tradition von prägnanten, tollen Ereignissen in Linz. Da hätten wir schon ganz andere Dimensionen noch ansprechen müssen, wenn man sich auf dieses Feld begibt. Oder Kunst im öffentlichen Raum und zwar jetzt nicht nur einen Aspekt des Urfahraner Jahrmarktes auf ein Dach zu transportieren – was super funktioniert hat, es hätte genauso nicht funktionieren können, was immer die Ursache dann war, aber super, dass es so gelaufen ist. Nur Kunst im öffentlichen Raum, dieses Gefühl, dass in der ganzen Stadt etwas los ist … Ich erinnere mich an Wiener Festwochen Mitte der 1980er-Jahre, da bist du durch die Stadt gegangen und hast das Gefühl einer veränderten Stadt gehabt. Das hast du in Linz nicht wirklich gehabt und das Potenzial wäre aber da gewesen, weil wir eine so lange Tradition und eine so starke Offenheit der Bevölkerung haben, schon fast eine kritische Abgeklärtheit: „Na ja, haben sie halt wieder etwas aufgestellt, ein Tor am Hauptplatz oder so. Es kratzt nicht mehr so wirklich.“ Das ist positiv wie negativ, da ist viel mehr möglich, also da wäre vielleicht auch noch für die Zukunft eine entsprechende Entwicklungslinie gegeben, dieses Potenzial noch stärker zu nutzen, dieses konsequente Agieren im öffentlichen Raum. Es erscheint mir sehr wichtig, dass die Kultur nicht in die Häuser zurückgedrängt wird.

Warum ist das bislang nicht in dieser Stärke der Fall? Linz wäre ja prädestiniert für Kunst im öffentlichen Raum. Sie findet auch statt, Klangwolke ist angesprochen worden, oder Festival Ars Electronica ist ein gutes Beispiel, aber wohl nicht in der möglichen Stärke, oder?

Peter Assmann: Wer soll es tun? Dazu braucht es so etwas wie eine konsequente politische Grundsatzentscheidung: Wir wollen das. Wir machen das zu einem Hauptthema. Aber da kommen wir jetzt ins große Philosophieren: Wer macht denn überhaupt noch Kulturpolitik? Gibt es Kulturpolitik? Gibt es eine Auseinandersetzung mit Kulturpolitik? Wer lässt sich darauf ein? Politisch kann man fast nichts gewinnen, es ist eine sehr undankbare Aufgabe, wenn man nur ansatzweise Grundsätze versucht zu formulieren oder Strategien ausarbeitet. Wie gesagt, es gibt den Subtext, der halt in Linz immer da ist, Ars Electronica, das forcieren wir, das machen wir, Stadt der Zukunft und alles alte brauchen wir nicht, alles was irgendwie alt ist, sprengen wir weg oder das macht das Land. Das war ja auch über Jahre implizit da und wenn das Land einmal etwas Gegenwartsbezogenes macht, also im OK oder so, das ist dann in Linz so ungefähr … also da hat man es dann quasi mit … und auch bei der Landesgalerie hat man sich ein bisschen hart getan, aber sie ist in dem alten Gebäude und es ist ja egal. Also diese Formen sind implizit immer da, aber nicht ausgesprochen, schon gar nicht als Strategie definiert. Da geht es schlichtweg um eine strategische Grundsatzdiskussion: Wer führt diese? Können wir diese führen? Wollen wir diese? Weil immer wenn jemand aufsteht und etwas sagt dazu, ist er sofort im Verdacht, für die eigene Institution oder für die eigene Person irgendetwas zu wollen und daraus entwickelt sich ein ganz behutsames in der Öffentlichkeit darüber Reden, manchmal einfach seiner Enttäuschung freien Lauf lassen, weil man nicht bedacht wurde oder wie auch immer. Ich bin dankbar, dass Sie nachgefragt haben, weil je mehr ich darüber nachdenke, das wäre mir auch sehr wichtig, dass es so etwas wie ein kulturpolitisches Strategieforum geben muss. Es muss einfach Foren geben, in denen über solche umfassenden Kommunikationsfragen der Stadt Linz, die sich dann natürlich in allen Bereichen niederschlagen, verhandelt wird: Wie tritt Linz nach außen auf? Mit welcher Kultur, die wir schwerpunktmäßig transportieren? Was nicht heißt, dass man andere Dinge nicht macht, das muss man dazu sagen. Es geht ja nicht darum, dass man alles gleichschaltet, aber es muss einfach eine Bereitschaft da sein und das wird das schwierigste sein, Bereitschaft zu kunststrategischen Überlegungen zu haben und dann auch die entsprechenden Direktiven zu geben. Interessanterweise betrifft es weniger die Kulturszene selbst, sondern alle verwandten Bereiche, also Stadtkommunikation, Wirtschaftspolitik, Tourismuspolitik. Das ist dann eher etwas, wo man sagt, grundsätzliche Identitäten, Diskussionen.

Nächste Frage: Wie schätzen Sie das Verhältnis von Hochkultur – Subkultur – Volkskultur in Linz ein?

Peter Assmann: Das ist sehr spannend. Jeder der sich mit Linz beschäftigt, wird sofort erkennen, dass hier die Begriffe nicht davonflattern, sondern sich in einer Weise miteinander verschränken wie selten anderswo. Es wäre ja wirklich interessant, ganz intensiv nachzufragen: Wo haben wir Subkultur? Was könnte man darunter verstehen? Wo haben wir wirkliche Hochkultur? Wie ist der Umgang mit der Hochkultur? Ich habe schon das besondere pragmatische Bewusstsein in der Stadt angesprochen, was auch im Bereich der Hochkultur gegeben ist. Man freut sich, aber so etwas wie einen Starkult wird man in der Form nicht wirklich erleben. Du kannst in Linz nur zum „Star“ werden, wenn du eben auch diese pragmatischen Qualitäten hast. Diese Inszenierungsformen wie in Salzburg oder in Wien werden sehr skeptisch betrachtet. Insgeheim bekommt man schon mit, dass manche/r Linzer/in in Wien dann Teil dieser Inszenierung ist, oder in Salzburg, allerdings besucht er/sie sie und ich glaube, er/sie würde es ablehnen, wenn das in Linz zum Modus wird. Das beginnt bei den Politikern, die wir seit Jahrzehnten haben und die sich hier durchsetzten bis hin zu den Wirtschaftsbossen und auch natürlich im Kulturbereich. Bedingt natürlich … Der Begriff Subkultur ist ja nur dann interessant, wenn er ein Äquivalent hat, also unter einer Decke, unter der er lebt. Linz hat einfach diese langen Traditionen des „Leben lassen“, teilweise sogar Unterstützen und „produktiv einbinden“ von so genannten subkulturellen Bewegungsmechanismen, wo man dann fast schon wieder stolz ist, dass es das gibt. Ich habe jetzt im Kulturhauptstadtjahr noch nie so viele Menschen gesehen, die mit leuchtenden Augen vom „Elektro Schmid“ gesprochen haben. Ich war nicht oft dort, aber ich glaube nicht, dass alle Leute, mit denen ich darüber gesprochen habe, dort waren, oder Cafe Landgraf oder so. Es ist lustig, es ist eh ein allgemeines Phänomen. Die Frage ist eher, wo ist die Hochkultur, wo ist die Subkultur? Beim Begriff Volkskultur ist es sehr schwierig, weil wir mit ganz anderen Entwicklungen konfrontiert sind. Zwischenzeitlich ist die Klangwolke Teil der Volkskultur, das hat mit Avantgarde nichts mehr zu tun, unter Anführungszeichen. Die Frage, ob das Aperschnalzen zu Neujahr nicht eher Teil der Hochkultur ist, weil es schon so eine elegante Inszenierung hat, mit Landeshauptmann und allem Drum und Dran … ich meine, wir haben jetzt nie über Migranten gesprochen, ich habe es bewusst lange unterdrückt, weil es so ein Massivthema ist, wo wirklich die Volkskultur ist. Da stehe ich auch an in der Diskussion, da gebe ich einfach nur zu bedenken, dass die ausschließliche Fokussierung auf ehemals ländliche Traditionen, die jetzt in der Stadt noch gepflegt werden, viel zu kurz greift, jede Begrifflichkeit von Volkskultur, was immer historische Veränderungen impliziert, und völlig „amuseal“ – jetzt quasi das Schimpfwort des Musealen bezeichnend – agiert. Also es muss uns klar sein, dass der 1.-Mai-Aufmarsch eine volkskulturelle Dimension angenommen hat, dass wahrscheinlich auch die Popkonzerte auf der Burg Clam Teil einer Volkskultur geworden sind. Es ist populäre Musik, viele Leute gehen hin, die Inszenierungsformen eines Konzertes. Wenn jetzt 50 bis 60-Jährige das seit 40 Jahren machen, ist das Teil ihrer Volkskultur. Aus meiner Sicht finde ich das nicht so interessant, das hat eine gewisse Selbstverständlichkeit, da kann man weder im Widerstand noch in einer besonderen Betonung viel gewinnen. Interessant ist die Frage, wo sind noch die Subkulturen und vor allem, sollen wir sie überhaupt suchen, sollen wir sie nicht einfach lassen? Nämlich im Sinne von, ich arbeite an einem Klima dieser Offenheit, wo ich durchaus sage, ja da habe ich ein paar Jahre nichts, aber ich weiß, dass es viele Kreative gibt, die hin und wieder auftauchen und etwas machen und sich da und dort treffen und das auch können und ich kann in meiner Förderpolitik darauf reagieren und sagen, ok, wenn ihr etwas machen wollt, ein bisschen ein Geld von der öffentlichen Hand ist immer da. So in diesem Sinne, das klingt jetzt alles sehr salopp, in Zeiten der Wirtschaftskrise natürlich brandgefährlich, aber ich glaube, dass man mit einer Subkultur da fördernder umgehen kann, mit einer solchen Haltung. Subkulturen sind, glaube ich, immer dann gegeben, wenn es einzelne in sich abgeschlossene Gruppierungen gibt, die bestimmte Kulturformen pflegen. Da gehört wahrscheinlich der Trachtenverein genauso dazu, der einfach für seine Mitglieder bestimmte Tanzformen entwickelt und vielleicht einmal im Jahr nach außen auftritt, oder die gar nicht so kleine Gruppe der Bulgaren in Linz, die auch hier als Form von Subkultur auftritt.

Wenn Sie einzelne künstlerische Disziplinen wie Malerei und Grafik, Tanz, Theater, Musik, Literatur, Film, Fotografie usw. betrachten: Wo würden Sie meinen, wäre in der Stadt noch Entwicklungspotenzial vorhanden? Wo junge Talente sind, die Verbindungslinien vorhanden sind, von selbst tätig sein, dann auch, um wachsen zu können, etwas, was auch zur Stadt irgendwie passen muss? Literatur ist vorher kurz schon einmal gefallen, oder?

Peter Assmann: Ich glaube, dass wir uns schon in einem Zeitalter befinden und noch mehr hinbewegen, wo diese Fragen, was da ist, gar nicht so wichtig sind, sondern vielmehr, wie schaffe ich ein Ambiente, dass es attraktiv macht, dass diese Menschen kommen? Es muss viel entscheidender die Frage gestellt werden, was muss Linz tun, damit es attraktiv für kreative Menschen ist, für kulturell aktive Menschen? Kulturschaffende sind wir de facto alle, aber für Leute, die im engeren Verständnis Kultur machen. Da ist es natürlich schwierig, weil man immer sofort an Grenzen stößt. Wir haben zum Beispiel im Bereich der bildenden Kunst mit dem Dreigestirn Lentos, OK und Landesgalerie eine tolle Situation, wir haben mit den Kulturvereinigungen Ursulinenhof, März etc., ich will sie nicht alle aufzählen, sehr gute Ausstellungsflächen, aber was wir eben nicht haben, ist eine international topaktive Galerie mit breiter Akzeptanz. Wir haben eine, die Galerie Brunnhofer, aber wir haben nicht die Sammler, wir haben nicht jenes Feld, dass dann so eine Kunstszene auch trägt, das hat leider dann oft etwas ziemlich Selbstreferenzielles. Das beginnt bei der Ausbildungssituation, eh schon oft gesagt. Im Grunde müssten die 600 Studierenden an der Kunstuni ja überall laufend unterwegs und zu finden sein, ihre Spuren, ihre Duftmarken hinterlassen, nur dazu kommt es nicht. Da muss man, glaube ich, ein bisschen intensiver nachfragen, warum das so ist. Wenn man zu konkreten Maßnahmen kommt: eine Unterstützung des privaten Kunstsammelns wäre meines Erachtens ein ganz wichtiger Ansatzpunkt. Im Bereich der Literatur habe ich schon gesagt, wir haben mit dem StifterHaus fast eine eigene Institution, sonst die Arbeiterkammer, die Künstlervereinigung März, die noch Akzente setzen, wenn einmal eine Buchhandlung eine Lesung macht, ist das eh schon sehr viel. Da sehe ich den größten Förderungsbedarf. Ich glaube einfach, dass man bei der Literatur und zwar gar nicht so sehr bei den Publikationen, Verlage gibt es … sondern wirklich der Stellenwert der Literatur auch in einer Kulturgesellschaft … Also es ist für mich immer wieder erschreckend, wie wenig Menschen lesen, die im Kulturumfeld tätig sind und wie wenig Menschen es überhaupt gibt, die mit einer sprachlichen Sensibilität operieren und einen gewissen Bildungsfaktor in dem Sinne aufweisen wollen. Im Bereich der Musik kann ich die Jungmusikszene nicht so einschätzen, ob denen massiv Probelokale fehlen. Nach meiner Wahrnehmung gibt es relativ viele Möglichkeiten. Ich glaube nicht, dass sich eine junge Band völlig im Regen befindet, wenn sie sagen: „Wir suchen ein Probelokal. Können wir im Volkshaus Keferfeld nicht am Dienstagabend proben oder wo immer?“ Ich glaube, dass es da diese Orte gibt, aber vielleicht ist das nur eine Fehleinschätzung. Schwieriger wird es dann bei zeitgenössischer Musik. Wer gibt die Aufträge? Wo gibt es das Publikum? Jetzt stehen wir kurz vor dem Festival 4020, weil es mir gerade einfällt. Das ist eines der wenigen Formate, wo man sich um diese Verschränkung bemüht. Ich denke, es ist auch zum Beispiel sehr aussagekräftig, dass die Kulturvermerke in Wels waren und jetzt in Gmunden sind. Es hat – ich war selber oft dabei – verschiedene Versuche in der Vergangenheit gegeben, das für Linz zu gewinnen. Da war durchaus die Bereitschaft, aber irgendwo ist es dann immer gescheitert. Warum eigentlich? Das wäre genau das, wo ich, wie immer ich es aufsetze, dieses Format habe, der Verbindung, thematischen Orientierung, einer intellektuellen Reflexion, die aber Künstlerisches mitinkludiert. Vielleicht ist der Erfolg des Kepler Salon ja auch diesem Defizit geschuldet, dass man eigentlich spürt, es gibt kaum diese Auseinandersetzungsmöglichkeiten, wenn ich nicht meine Freunde habe. Ich kann kaum ein Gespräch führen, wo ich nicht sofort strategisch operieren muss oder wo ich nicht sofort unter Beobachtung bin, sondern wo man einfach dahinentwickelt und überlegt und sagt, es muss ja nicht gleich jedes Wort auf die Goldschale gelegt werden oder man darf einmal sagen, unter „Freier Szene“ verstehe ich etwas anderes oder wann ist der letzte wirklich gute bildende Künstler aus der Kunstuniversität gekommen oder Geschichtsforschung sieht anders aus, ohne dass man gleich niedergeknüppelt und was weiß ich was alles wird und sich dann auch denkt: „Ja, ich will euch doch nichts Böses.“ Aber wenn man etwas entwickeln will, braucht es eine offene Situation. Darstellende Kunst. Nachdem meine Tochter Schauspielerin ist, muss ich mich immer mehr damit beschäftigen. Ich glaube, dass da eigentlich ganz eine gute Situation zwischen Theater Phönix und Landestheater gegeben ist, mit dem Theater des Kindes, der Bruckneruniversität, die jetzt mehr in den Bereich drängt. Ich sage, eine gute Durchmischung ist es. Es gibt da, glaube ich, gerade im Bereich der Jugendförderung sehr vieles. Was mir immer weh tut, dass man diese Bewegung bei den Kindern, die dann alle Musicalstars werden wollen oder so, überhaupt nicht in andere Formen überführen kann. Ich meine, Abshaken usw. macht jeder gerne, aber dass man dann eine Musikbewegung nicht zu experimentelleren Formen hin bewegen kann. Dass es mit einmal hipp sein kann im Brucknerhaus, ohne diese Anbiederungssituation. Ich mag das ja auch nicht, dass ich sage, ich mache jetzt ein Rave im Museum, weil das war einmal nett vor 15 Jahren oder wie ich die Gerwald Rockenschaub-Ausstellung gemacht habe, wenn da die zensurierenden Landesbeamten auftreten, dann ist es interessant. Aber jetzt glaube ich, dass man andere Formen des Zusammenlebens entwickeln muss, im Sinne einer Vermittlungstätigkeit, die einfach das Mehr aufzeigt. Es gibt einfach mehr als diese DJ-Situationen oder den Wordrap, den man dann literarisch aufgreift. Das hat immer so etwas Hegemoniales und ich wünsche mir dann etwas viel Evolutionäreres, sage ich jetzt einmal. Dass ich es wirklich schaffe, diese Linien herauszuentwickeln. Haben wir auch jetzt nicht geschafft, aber vielleicht in einer Perspektivendiskussion. Design. Ich nehme nicht an, dass keiner das zu einem Thema macht, also das hat die Stadt Linz wirklich voll vergeigt und schade darum. Weil das hat eine wirtschaftliche Dimension, da könntest du etwas machen, da haben wir die Schule, da haben wir vielleicht sogar den einen oder anderen Betrieb. Nur künstlich das jetzt zu machen wird sehr schwierig.

Welche drei thematischen Schwerpunkte mit Kunst- und Kulturbezug werden zukünftig die größten Herausforderungen für die Stadt darstellen? Vielleicht mit der Vorstellung, dass Sie für den neuen Kulturentwicklungsplan zuständig sind und mit hunderten Künstlerinnen und Künstlern, mit den Kreativen dieser Stadt, über die zukünftige kulturelle Entwicklung von Linz diskutieren wollen.

Peter Assmann: Soll das jetzt eher eine inhaltlich abstraktere Begrifflichkeit sein oder sehr konkret? Ein Beispiel: Ich würde meinen, dieses Schlagwort Interdisziplinarität, das Verbinden von unterschiedlichen Kunstformen, könnte ich mir für Linz als sehr schönes Thema vorstellen, ist allerdings sehr abstrakt. Die Tabakfabrik ist natürlich die zentrale Herausforderung. Wo habe ich denn schon ein großes Gelände mit so einer prägnanten a priori Kulturzuordnung. Was mache ich daraus? Das könnte ich zum Beispiel wunderbar verbinden. Für hunderte von Leuten sicher nicht gedacht, aber umso wichtiger für die zentralen Politiker, ist die Frage der Zukunft des Musiktheaters oder des Brucknerhauses. Da sind viele Arbeitsplätze und vor allem inhaltliche Dimensionen angesprochen. Wie soll das weitergehen? Geschichte von Linz. Aber jetzt wiederhole ich mich. Wie ist die individuelle Geschichte? Ich glaube, dass viele Mythen gar nicht mehr funktionieren, dass das eine andere Generation ist. Was weiß ich, Stahlstadtkinder, das sind ein paar Alte, keine Ahnung. Es gibt gewisse sentimentale Situationen dazu, vielleicht. Und dann ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber es gibt für mich immer wieder dieses wichtige Schichtmodell, das heißt, ich habe eine Fokussierung und dann ziehe ich so meine Kreise, natürlich in ausdünnender Intensität. Aber wenn ich einmal wirklich schaue, Linz, Umgebung, Oberösterreich, Österreich, Mitteleuropa, Randzonen Europas, wie geht es noch weiter, wo gibt es die Zuordnung, wo sind die Partner, wo sind die Kommunikationspartner, die für mich wichtig sind? Das wäre so ein bisschen, was ich als Grundthemen sehe würde.

Zu den einzelnen Themenbereichen. Zuerst zur Kunst- und Kulturvermittlung. Inwieweit sind Sie mit dem derzeitigen Angebot an Kunst- und Kulturvermittlung in Linz zufrieden? Was gefällt Ihnen besonders gut? Und was überhaupt nicht?

Peter Assmann: Ich bin nicht zufrieden. Wir müssen sehr viel mehr machen, wir müssen vieles überbrücken, dazu braucht es einfach Verschränkungen. Wir haben strukturelle Probleme, es gibt also das Berufsfeld der Austrian Guides, es gibt das Berufsfeld der Naturvermittler es gibt in den einzelnen Häusern Kunstvermittler, die bei uns eben Kunst-, Kultur- und Naturvermittler heißen, weil wir natürlich auch diese anderen Bereiche in unserem Vermittlungsangebot haben. Ich sage, die grundsätzliche Zielrichtung muss sein, die Kulturinstitutionen viel stärker in das Bildungssystem zu integrieren. Das hat nichts mit einem Zwangsbesuch im Theater zu tun, sondern mit einer substanziellen Vernetzung von Lifelong Learning, mit kulturellen Institutionen und Aktivitäten. Da braucht es eine Öffnung der Bildungsstrukturen und es braucht eine Professionalisierung dieses Vermittlungsbereiches, wie immer die ausschauen mag. Da gibt es viele Konzepte. Bildungsprofis und Lehrer sind herzlich willkommen, in dem Feld zu arbeiten, nur braucht es auch die entsprechenden Finanzierungen. Aber eine solche Bildungsdiskussion hat bis jetzt noch nicht stattgefunden. Vielleicht kann es ja von Linz ausgehend stattfinden. Ich sage nochmals, die Zielrichtung muss sein, Bildung in diesen Kulturleitplan zu involvieren.

Also eine engere Verschränkung zwischen Kunst- und Kulturvermittlung und dem Bildungssystem. Sie haben gesagt, es gibt viele Konzepte, Programme, Formate und Ansätze dafür. Schwebt Ihnen irgendetwas Besonderes vor, um diese beiden Bereiche zu verschränken? Ein Zugang wäre, auf das Kulturhauptstadtjahr zu schauen: „I like to move it move it“ wäre so ein Ansatz, um die beiden Bereiche stärker zu verschränken.

Peter Assmann: Ich finde es zwischenzeitlich ein bisschen langweilig, nur weil irgendjemand mit irgendeiner Klasse irgendetwas Pfiffiges gemacht hat, kommt er in die Zeitung oder was auch immer und der Endeffekt ist, dass die Kinder in der Zeitung sind oder der Initiator als Vorzeigebeispiel. Wir haben auch schon unsere Projekte gemacht, das trifft es nicht. Für mich braucht es innerhalb der Bildungsinstitutionen, und zwar wirklich von der Kleinkind- bis zur Erwachsenenbildungsinstitution, dieses Grundbewusstsein: Ich muss Kulturinstitutionen aller Art als Teil dieses Bildungsprozesses, dieser Persönlichkeitsbildung, dieses Expertenwissens, dieser Berufsbildung, dieses Menschwerdungsbildungsprozesses betrachten. Da muss ich überall hinein. Ich halte es für bedenklich, wenn man isoliert einzelne Programme fährt, die dann mit viel Geld und viel Aufmerksamkeit ausgestattet sind, parallel dazu es aber immer schwerer machen, in den Institutionen zu wirken, ich sage einen Freigang für die Klasse, in das Museum zu gehen oder in das Theater zu gehen oder wohin auch immer. Da müssen wir die Institutionen viel weiter aufmachen und da braucht es eben auf der einen Seite die strukturelle Öffnung der Bildungsinstitutionen und auf der anderen Seite die professionelle Vermittlungsarbeit der Kulturinstitutionen.

Schwierig für eine Stadt, oder? Also die Kulturinstitutionen sind nicht das Problem, meine ich. Der Erwachsenenbildungsbereich und der Kindergarten, wenig bis kein Problem, aber der Schulbereich, da haben wir ein Problem.

Peter Assmann: Ja, das kann bestenfalls auf Landesebene massiv zu einem Thema gemacht werden, als Stadt alleine kann ich nur aufzeigen und sagen, ich möchte das, zumindest bei den Schulen in meinem Umfeld, wo ich etwas tun kann, Freifahrt ins Museum, ins Theater, ins Kulturzentrum, was auch immer. Solche Dinge. Ich muss es sehr einfach machen, ich muss es den Bildungsexperten sehr einfach machen, dass sie das tun können und ich muss natürlich bei den Kulturinstitutionen in meinem Umfeld, die von mir finanziert werden, auch nachfragen: Was tut ihr für Vermittlung? Man hat es schon vergessen, aber Peter Baum hat das Lentos geplant ohne einen Vermittlungsplan und erst auf Druck der Öffentlichkeit … Jetzt haben sie einen super Raum, nur der steht für Vermittlungs­bewusstsein im Jahr 1999 oder 2000. Das darf nicht passieren und das sind ganz grundsätzliche Sachen.

Noch einmal nachgefragt. Welche neuen Formate und Programme der Kunst- und Kulturvermittlung würden Ihrer Meinung nach benötigt? Es hat sich ja einiges entwickelt, wenn ich mir das Schlossmuseum ansehe oder ich denke an die Kulturlotsinnen bei Linz09. Auch in dem Haus spielt das immer wieder eine große Rolle.

Peter Assmann: Wir sind eh die Einzigen, die ibuk noch weiter tragen. Der Verein ist kurz vor der Auflösung, das ist schwer. Ja gut, das ist selbstverständlich, ich bin im Hause, da tue ich mir hart, den anderen das vorzuschreiben. Nur glaube ich nach wie vor, ich brauche in allen Diskussionen über Erwachsenenbildung die Kultur dabei. Also ich möchte einfach von diesen grundsätzlichen Schienen wegkommen, dass ich sage: Ok, das ist nur ein Bildungsaspekt, aber kein Kulturaspekt. Das muss völlig ineinander verschränkt sein. Wenn ich heute eine Kulturveranstaltung von Migranten habe, dann muss ich Durchlässigkeit haben, da muss ich vermitteln, da muss ich, wie ich meine, auch sagen: Ok, die öffentliche Hand hat ein Anrecht darauf, dass das, was du machst und gefördert haben willst, auch vermittelt wird. Da muss einfach auf allen Ebenen durchaus mehr Druck erzeugt werden, also in Hinblick darauf, hier muss es kommunikative Brücken geben, die ich von allen einfordere und auch entsprechend unterstütze und da kann die Stadt schon reagieren, bei den eigenen Institutionen, bei den eigenen Förderungen und bei den eigenen Schulen und den Angeboten, die man hier setzt. Ich sage Schwerpunkt Erwachsenenbildung, dass man da wirklich Kulturarbeit als eine Form von Bildungsarbeit grundsätzlich versteht.

Meine Wahrnehmung wäre, natürlich tut sich etwas in diesem Bereich in Linz, aber es ist halt sehr stark beschränkt auf die VHS und den Wissensturm. Bei den anderen Erwachsenenbildungseinrichtungen von WIFI, bfi, Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund bis hin zu den Bildungszentren tut sich auch, je nachdem wo man hinschaut, etwas, aber da liegt schon noch viel Potenzial drinnen, oder?

Peter Assmann: Ich habe der VHS einmal vorgeschlagen – aber da sind wir wieder bei dieser Stadt- Land-Geschichte – machen wir doch Deutschkurse im Museum. Jetzt machen sie es natürlich nicht bei uns, sondern im Lentos. Das ist halt dann das Mühsame an meinem Job, wo ich mich dann frage, warum sprichst du mit dem? Ist ja egal, jetzt macht es das WIFI. Ich halte das einfach für wichtig und gut: Wie willst du Identitäten vermitteln, wie willst du dich über Identitäten austauschen, wie willst du „Ich und das andere“ diskutieren in einem luftleeren Raum oder in einem Wissensturm? Das ist doch viel besser im Museum, wo ich die Objekte habe, wo ich die Vergangenheit habe, wo ich genau das habe, was bisher geschah. Das wäre ein Ansatz. Oder über Musik, über Essen, über Kulturformen, wo jeder im Urlaub sofort einen Zugang hat. Das muss ich bei uns auch machen. Ich hätte einmal so eine Art offenen Markt überlegt, für die Altstadt, wo man wirklich Gegenstände, Angebote, auch sehr stark auf das Essen, vielleicht auch Musik anbietet, also so ein bisschen eine marokkanische Situation. Ich glaube, solche Strukturen könnte die öffentliche Hand anbieten und dann muss man halt die mit Leben füllen, also wirklich die einzelnen Vereinigungen ermuntern. Es darf halt nicht wieder eine Ghettosituation sein, eh klar, aber das ist nur eine solche Idee in dem Kontext.

Wenn wir noch ein Stück zurückgehen, vom hehren Anspruch der möglichst guten Verschränkung zwischen dem Kunst- und Kultur und dem Bildungsbereich und uns vorher noch die Verschränkung innerhalb des Kunst- und Kulturbereichs ansehen. Mich würde interessieren, wie Sie die Vernetzung der verschiedenen Kunst- und KulturvermittlerInnen in Linz einschätzen. Was könnte hier verbessert werden?

Peter Assmann: Was haben wir? Wir haben primär die KunstvermittlerInnen bei den verdächtigen Institutionen, also jetzt Lentos, Nordico, OK und wir. Wir haben eine kleinere Gruppe an Musikvermittlern, die behutsam aufgebaut werden über den Lehrgang von Constanze Wimmer bei der Anton Bruckner Privatuniversität, quasi das Gros der Musikschullehrer, die eigentlich verpflichtend Musik vermitteln soll, aber ist egal, da habe ich eine sehr dezidierte Meinung dazu. Bei der Theatervermittlung gibt es die Aktivitäten des Landestheaters. Dann steht man schon fast an, weil dann bin ich schon fast in der direkten Theaterübung. Wir haben manchmal mit dem Theater etwas gemeinsam gemacht. Wir haben mit Constanze Wimmer etwas gemeinsam gemacht, also der Versuch einer Vernetzung für gemeinsame Aktivitäten ist gegeben, da gibt es auch keine Berührungsängste. Ich sehe es als ein absolut dynamisches Berufsfeld und in zehn Jahren wird es hier auf jeden Fall eine strukturelle Lösung brauchen. Die sind nicht wirklich beruflich erfasst. Das wird sich ändern, aber da geht es nicht um Linz, da geht es um gesamt Österreich und Europa usw. Was man tun kann, ist, dieses Thema zu forcieren. Ich bin sehr dankbar, dass das so einen Schwerpunkt hat. Ich sage es seit sieben oder acht Jahren, ich habe es bei der Kulturhauptstadt als ganz wesentlich erachtet. Es wäre eine tolle Chance, dass ich sage, machen wir ein Café, da sitzt immer einer, der auf die Leute zugeht und mit denen über Kultur spricht. Das könnte man sehr gut vernetzen mit Tourismusinformation, mit einem Erscheinungsbild. Es ist ganz wichtig, wer dort sitzt beim Tourismus, jemand, der nicht nur Prospekte austeilt und einen Fahrplan und freundlich ist, sondern auch Fachgespräche führen kann. Sie wollen etwas über Nitsch wissen? Das ist ja möglich. Also es wäre schön, wenn das im Entwicklungsplan markant vertreten ist, einerseits was den beruflichen Status und andererseits was einfach einen Förderschwerpunkt betrifft und drittens die Anforderung zumindest an strukturelle, organisatorische Öffnungen bei vorhandenen Institutionen.

Zum Themenbereich Internationalität mit dem Zusatz Linz09 weiter. Inwieweit ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass sich Linz überhaupt als internationale Kulturstadt positioniert?

Peter Assmann: Gute Frage. Natürlich würde jeder auf den ersten Blick sagen: Ja. Auf der anderen Seite, wenn ich mir jetzt die Faktenlage anschaue, muss ich sagen, Linz ist international, weil wir internationale Wirtschaftskunden haben, die nach Linz kommen, Wirtschaftspartner haben und die das ein oder andere kulturelle Angebot mitnehmen. Linz unternimmt natürlich massive Anstrengungen, im Bereich des Tourismus für den wachsenden Markt der Städtetouristen interessant zu werden und ist das auch, nur die Zielregion ist natürlich ganz klar Bayern und Böhmen und da haben wir beides Mal ein Sprachproblem. Zum Einen das Sprachproblem, dass die einen eh so reden wie wir und eh mehr oder weniger so wie wir sind, und mit den anderen können wir nicht reden, weil keiner von uns Tschechisch lernt, sondern wir darauf warten, dass die Deutsch können oder Englisch vermutlich. Das hat alles mit Internationalität nicht wirklich etwas zu tun. Internationalität ist dann diese Gäste eben bei größeren Filmfestivals, also dass ich Leute aus vielen andern Ländern habe. Wir haben Crossing Europe und die Ars Electronica, in unterschiedlicher Dimension aber letztlich doch, wo auf einen Schlag relativ viele kommen. Ich würde mir wünschen, dass man das umfassender strategisch noch betrachtet. Wenn wir eine Ausstellung mit einem Partner aus einem anderen Land machen, wenn das Festival 4020 sich jetzt unter den Aspekt Armenien stellt, wenn das Lentos eine Ausstellung zur italienischen Transavantgardia oder zur Arte Povera in dem Fall macht, das sind alles Schwerpunktsituationen, die in anderen Ländern ganz bewusst eingesetzt werden, um Kontakte aufzumachen und da glaube ich, wäre es schon wichtig, wenn von Seiten der offiziellen Stadt das auch noch viel stärker aufgegriffen und in eigene sei es Besuchsprogramme, sei es schlichtweg Kooperations- und Kommunikationsbemühungen eingebunden wird. Das kann man sogar, ohne dass jetzt gleich der Zacken aus der Krone fällt, strategisch einsetzen, nur muss man schauen: Wann ist was geplant, wie geht es denen, wie schaut es aus? Da ist man als Stadt vielleicht nicht ganz so gut alleine aufgestellt. Da wäre es schon nicht schlecht, wenn man Institutionen des Landes oder Bundes mitdazunimmt. Sehe ich aber auch nicht als das Problem. Wenn ich heute mit der Wirtschaftskammer einen Schwerpunkt Italien setze und eine Ausstellung dazu, ist ja nichts verhaut, da kann man ja sehr gut partizipieren und wenn man hier einmal das Publikum mehr durchmischt und die Aufmerksam­keiten durchmischt. Da würde ich vielleicht, zusammengefasst, für mehr strategische Planung, zumindest einen Austausch plädieren. Es muss halt allen klar sein, eine Museumsaus­stellung kann man nicht machen, weil man drauf kommt: Aha, in zwei Monaten ist der Elsass zu Gast in Linz, machen wir schnell irgendeine Elsass-Ausstellung. Das interessiert keinen, das funktioniert nicht. Da muss es einfach Anliegen geben, die zusammengeführt werden. Das ist natürlich auch nicht immer einfach, aber im Ausstellungsbereich ist es halt am nachhaltigsten, dafür aber auch am schwierigsten. Ich meine, ein Konzert kannst du schneller organisieren, wobei du die Wiener Philharmoniker auch nicht gleich bekommst. Strategische Planung und einfach Kooperationssysteme forcieren, da ist viel drinnen. Ich denke, da gibt es ein großes Bedürfnis auch mit Partnerstädten, da muss man einfach schauen, dass die Sache lebendig bleibt.

Inwieweit hat Linz09 dazu beigetragen, dass sich Linz international stärker positioniert? Gerade auch in den Bereichen, wo Sie es skizziert haben?

Peter Assmann: Also für mich war es fast egal, außer dass es halt so einen Titelklang hat. Ich meine, es klingt halt einfach besser, wenn du sagst: „I am from Linz, European Capital of Culture.“ Ob ich das weiß oder nicht, aber es klingt gut. Sonst hast du halt „Linz“ gesagt, „Austria“ und im Kulturbereich, je nachdem wo du bist, hast du … selbst wenn du Ars Electronica gesagt hast … also Ars Electronica spielt in der Kunstszene seit 10, 15 Jahren nicht mehr eine Rolle, spätestens seit der Ära Hattinger, Weibel … es ist für eine bestimmte fokussierte Gruppe wichtig, ja, keine Frage aber dass du sagst, das hat irgendeine Kunstzuordnung, die dann viele kennen, das ist ja auch nicht der Fall. Das ist so dieses Phänomen „Weltbekannt in Linz“. Schwierig. Einerseits ist die abstrakte Titelzuordnung gut, weil sie gleich eine Bedeutung signalisiert, auf der anderen Seite war es jetzt auch nicht so, dass … aber wahrscheinlich hängt es auch von jedem individuell ab, was er daraus macht. Ich glaube nicht, dass das AEC dadurch internationaler geworden ist. Die haben vorher schon ihre Ausstellungen und Kooperationssysteme gehabt und wir auch. Bei uns war es eher der Schub durch das Gebäude, das auch der Kulturhauptstadt mitgeschuldet ist. Aber es ist auch die Frage, ob eine Toulouse-Lautrec-Ausstellung in der Landesgalerie so ganz besonders motivierend ist, denn die Leute, die Toulouse-Lautrec anschauen gekommen sind, die kommen jetzt zu Mette Tronvoll wohl nicht. Das ist auch logisch, das ist dann fast egal, wo die Ausstellung ist. Nicht ganz, sonst hätten wir das nicht gemacht, aber es hat natürlich andere Aufmerksamkeiten gegeben. Es ist sehr differenziert zu sehen, also da würde ich mich nie trauen, zu sagen, ja oder nein, sondern, dass das immer dazwischen ist, aber immer vom Eigenen abhängig.

Welche Maßnahmen sollte die Stadt setzen, um sich im Kunst- und Kulturbereich weiter international zu öffnen? Genannt wurde eine strategische Ausrichtung, wenn es um Programme, Programmierung geht, internationale Vernetzung, was auch mit Partnerschaften zu tun hat.

Peter Assmann: Langfristige. Da kommt halt dieses blöde Wort Nachhaltigkeit und Langfristigkeit für mich zum Tragen. Es macht wenig Sinn, wenn ich einmal Armenien mache und dann nie mehr wieder hinschaue. Das heißt nicht, dass man es nicht immer wieder machen kann, aber ich sollte ein paar Partnerschaften strategisch aussuchen und die sollte ich dann wirklich pflegen. Wenn ich sage, Guangzhou ist für mich interessant, dann muss ich halt alle zwei oder drei Jahre etwas konsequent mit denen machen. Und dazwischen kann ich Armenien machen oder umgekehrt, aber dass ich einmal zu dem springe und dann zu dem, das halte ich nicht für gut. Da würde ich wirklich ganz klar in Richtung Wiederholungstäterschaft, Langfristigkeit und dadurch Aufbau möglicher Nachhaltigkeitsaspekte gehen. Es spricht ja nichts dagegen, wenn ich sage, ich habe drei Freunde weltweit, mit denen ich besonders investiv kooperiere und da schaue ich halt, was geht, da schaue ich, dass ich die immer irgendwie dazunehme, da kann ich meine Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, sonstigen Programme, Ateliers, Künstler auf das ausrichten. Da würde ich in jedem Fall dafür plädieren.

Letzte Frage: Auf was sollte bei der Erstellung des neuen Kulturentwicklungsplans besonders geachtet werden?

Peter Assmann: Was mir bei unserem Gespräch jetzt am meisten hängen geblieben ist, ich glaube, dass es ganz entscheidend sein wird, dass sich parallel zum Kulturentwicklungsplan und seiner endgültigen Formulierung ein Forum entwickelt, das diesen Kulturentwicklungsplan konsequent bespricht. Was ich als Strategiegruppe oder was auch immer bezeichnet habe. Also es braucht eine viel stärkere Prozessorientierung, um immer wieder das nicht nur abstrakt zu überprüfen, sondern auch ganz konkret zu schauen, was haben wir damals erarbeitet. Und das sollte nicht nur der Kulturdirektor hin und wieder tun, sondern das sollte schon ein Forum sein, das mit einer gewissen Regelmäßigkeit solche grundstrategischen Fragestellungen von Linz, seiner Kultur und kommunikativen Entwicklung bespricht. Das würde ich gerne mitgeben.

Danke.

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