Nicole Honeck

Geburtsdatum, Geburtsort?

Nicole Honeck: Berlin, 7. April 1977.

Seit wann lebst du in Linz?

Nicole Honeck: Seit Herbst 2006.

Welche kunst- und kulturbezogenen Aktivitäten und Funktionen übst du derzeit aus?

Nicole Honeck: Ich bin Geschäftsführerin bei Pangea, im Vorstand der KUPF tätig, als auch in der Akademie der KUPF und kulturinteressierte Einzelperson im Verein Kunst- und Kulturhaus Vöcklabruck.

Wie würdest du die eigene Tätigkeit am ehesten bezeichnen?

Nicole Honeck: Kulturarbeit an der Schnittstelle von sozialer Arbeit.

Nenn mir bitte das Gründungsjahr von Pangea.

Nicole Honeck: 2005.

Auf welchen geografischen Wirkungsbereich zielt die Arbeit in erster Linie ab?

Nicole Honeck: Linz.

Und in welchen künstlerischen Disziplinen bzw. kulturellen Arbeitsfeldern ist die Einrichtung hauptsächlich tätig?

Nicole Honeck: Im Feld der neuen Informationstechnologien, Fotografie, Social Media, digitale Bildbearbeitung, Kulturvermittlung, Interkulturelle Arbeit.

Gibt es in Bezug auf die vorhandene räumliche oder technische Infrastruktur aktuell einen Handlungsbedarf, das heißt den Wunsch nach quantitativer Erweiterung oder qualitativer Verbesserung?

Nicole Honeck: Ja, wir würden gerne umziehen in Räumlichkeiten, die der strukturellen Diskriminierung entgegenwirken, sprich ebenerdig und auch für gehandicapte Gruppen, um uns im Sinne unseres Selbstverständnisses auch auf mehreren Ebenen für benachteiligte Gruppen einsetzen zu können.

Wie viele Personen waren in der Einrichtung mit Stand 1. Jänner 2011 insgesamt beschäftigt, also haben Entgelt für ihre Arbeit erhalten?

Nicole Honeck: 3.

In welchen Arbeitsverhältnissen (Vollzeit, Teilzeit, freie Dienstverhältnisse, …) befanden sich diese Personen?

Nicole Honeck: Alle Teilzeit, Stundenausmaß pro Person: 14, 26, 10, angestellt.

Wenn ein durchschnittliches Arbeitsmonat oder ein typisches Projekt betrachtet wird: Wie viele Personen sind schätzungsweise für Pangea auf freiwilliger Basis tätig?

Nicole Honeck: 3 bis 5.

Kurzes Assoziationsspiel: Welche Begriffe fallen dir ein, wenn du an „Kulturstadt Linz“ denkst?

Nicole Honeck: Kulturhauptstadt, Lentos, Linz Fest, lieber aber natürlich Kapu, Stadtwerkstatt, KUPF.

Wenn du die letzten 10 Jahre, also die Jahre 2000 bis 2010, betrachtest: Was lief deiner Meinung nach besonders gut in der kulturellen Entwicklung der Stadt Linz?

Nicole Honeck: Also mit Berücksichtigung, ein paar Jahr weniger zu betrachten und in meinen Augen nach wie vor ein wenig Außensicht mit hineinbringend: Ich denke, dass die großen, feinen, für das Prestige in Augen der Stadt wichtigen Festivals und Institutionen über das Maß hinaus gepusht wurden. Für mich ist das Crossing Europe eine feine Entwicklung.

Und mit welchen kulturellen Entwicklungen der letzten 10 Jahre bist du überhaupt nicht zufrieden?

Nicole Honeck: Dass sowohl Fördervergabe in Mittelhöhe als auch Auswahl für die Freien Initiativen nach wie vor stagnieren bzw. abnehmen bzw. wahllos/mit mangelnder Transparenz getroffen werden. Dass kulturpolitisch nicht wirklich die Wichtigkeit der Kulturarbeit anerkannt wird, neben den großen Playern.

Womit kann Linz deiner Meinung nach im österreichischen Städtewettbewerb punkten, vor allem im Vergleich zu ähnlich großen Städten wie Graz, Salzburg oder Innsbruck?

Nicole Honeck: Ich glaube, dass der KUPF-Innovationstopf so ein Punktemittel war, da mit Hilfe einer unabhängigen Expert_innenjury Projekte eigenständig ausgewählt wurden. Doch leider wurde ihm die Vorreiterrolle ein wenig entrissen, aufgrund der Anfechtung der Ergebnisse von Seiten der Politik.

Inwieweit denkst du eigentlich, dass Linz international als Kulturstadt wahrgenommen wird? Und falls dem so ist: Welche geografische Reichweite hat die internationale Wahrnehmung deiner Meinung nach?

Nicole Honeck: Ich glaube, dass die Reichweite nicht sonderlich groß ist und sich auf die Nachbarländer beschränkt, vorwiegend deutschsprachige, zumindest bis nach Berlin, da mit vielen Herumwander_innen auch Dinge/Ideen transportiert werden. Das AEC ist, denke ich, weitläufiger bekannt.

Beschreib bitte dein Resümee von Linz09 kurz anhand von drei Punkten.

Nicole Honeck: Wenig ermöglichte Beteiligung der Freien Szene, Künstler_innen wurden vornehmlich aus dem Ausland nach Linz geholt und damit das Potenzial und die Vielfalt von Linz nicht ausgeschöpft!

Wie schätzt du das Verhältnis von Hochkultur – Subkultur – Volkskultur in Linz ein?

Nicole Honeck: Die Subkultur dient der Befruchtung der Hochkultur, so wie es sogar Julius Stieber einmal so fein verlautbart hat und die Volkskultur wird als wichtiger Teil unserer Kultur sehr gepflegt und gefördert und ist ein integrierter, nicht/wenig hinterfragter Bestandteil der Linzer Gesellschaft!

Wie denkst du, ist der Stellenwert der drei genannten in Linz, also wird was unter-/überbewertet?

Nicole Honeck: Subkultur wird eher belächelt und bekommt genau so viel Geld, damit sie still sind (also unterbewertet), Hochkultur ist ein prestigeträchtiges Mittel, um sich politisch ins rechte Licht zu rücken und die Volkskultur wird in meinen Augen absolut überbewertet.

Wenn du einzelne künstlerische Disziplinen wie Malerei und Grafik, Tanz, Theater, Musik, Literatur, Film, Fotografie usw. usf. betrachtest: Wo würdest du meinen, wäre in der Stadt noch Entwicklungspotenzial vorhanden?

Nicole Honeck: Tanz und Literatur. In den anderen Bereichen gibt es zumindest merkbare Aktionen/Vorstellungen/Inszenierungen, Tanz wird sehr wenig Raum gegeben. Und Literatur finde ich persönlich wichtig für eine Gesellschaft, zur Diskussion, Auseinandersetzung, Standpunktvertretung usw.

Welche drei thematischen Schwerpunkte mit Kunst- und Kulturbezug werden zukünftig die größten Herausforderungen für die Stadt darstellen? Begründe deine Einschätzung bitte kurz.

Nicole Honeck: Desintegration: künstlerisch und kulturpolitische Aufarbeitung der steten Stigmatisierung von Randgruppen und der dahingehende paranoide Sicherheitsdiskurs. Transparenz in der Fördervergabe, um eine nachhaltige Kulturpolitik zu gewährleisten. Und Aufrechterhaltung der Wichtigkeit der kulturellen Arbeiten an der Basis, Verständnis wecken und dieses noch mehr in den Diskurs einbringen!

Zum ersten Themenbereich: Arbeitsbedingungen, Arbeitsverhältnisse und Soziale Lage. Wenn du dein näheres kulturelles bzw. künstlerisches Umfeld betrachtest: Welche Arbeitsverhältnisse (Vollzeit, Teilzeit, Freie Dienstverträge, …) dominieren hier?

Nicole Honeck: Teilzeit und Werkverträge, und Ehrenamt.

Wie würdest du die Arbeitsbedingungen beschreiben, unter denen du arbeitest?

Nicole Honeck: Prekär, das ist nicht sehr fein!

Inwieweit sind diese Arbeitsverhältnisse und Arbeitsbedingungen deiner Meinung nach typisch für den Kunst- und Kulturbereich in Linz?

Nicole Honeck: Sie sind sehr typisch, die meisten Menschen in diesem Bereich sind bereit, zu Gunsten ihrer selbst für die Sache zu agieren.

Welche Maßnahmen könnte eigentlich die Stadt Linz setzen, um die Arbeitsbedingungen und die soziale Lage für Kunst- und Kulturschaffende zu verbessern?

Nicole Honeck: Sie könnte sie nach dem BAGS-Kollektivvertrag einheitlich anstellen und die Förderungen, die dazu notwendig sind, auszahlen!

Weiter zum zweiten von dir genannten Themenbereich: Interkulturalität/Migration/Integration. Wie schätzt du die Entwicklung der migrantischen Kulturarbeit in Linz in den letzten 10 Jahren ein?

Nicole Honeck: Ich glaube, dass sich hier sehr viel getan hat, auch dank maiz, Pangea und Co. Dennoch ist es wichtig, hier dran zu bleiben, da die Migrantin/der Migrant als Sprecher_in nach wie vor in der Gesellschaft gerne ignoriert wird.

Mit welchen besonderen Problemen sind deiner Meinung nach MigrantInnen im Kunst- und Kulturbereich in Linz konfrontiert?

Nicole Honeck: Erschwerter Zugang zum Kunst- und Kulturbereich, prekäre Arbeitsverhältnisse und dem rechten (D)ruck in der Politik.

Wie würdest du eigentlich die Verbindungen zwischen den verschiedenen migrantischen Kultureinrichtungen in Linz beschreiben?

Nicole Honeck: Kann ich schwer beurteilen. Ich glaube, es gibt Verbindungen zwischen denen, die sich politisch engagieren und denen, die dies nicht tun. Dazwischen werkt, glaube ich, jeder allein vor sich hin.

Und wie würdest du die Verbindungen zwischen diesen migrantischen und den nicht-migrantischen Einrichtungen aus dem Kunst- und Kulturbereich in Linz beschreiben?

Nicole Honeck: Vernetzend und unterstützend! Zusatz: in der freien Szene!

Welche Maßnahmen sollte die Stadt Linz setzen, um Interkulturalität zu fördern?

Nicole Honeck: Den migrantischen Aktivist_innen eine größere Plattform bieten, Aufstehen für die Wichtigkeit der migrantischen Kulturarbeit und die politische Stigmatisierung stoppen.

Letzter Themenbereich: Kunst- und Kulturvermittlung. Inwieweit bist du mit dem derzeitigen Angebot an Kunst- und Kulturvermittlung in Linz zufrieden? Was gefällt dir besonders gut? Und was überhaupt nicht?

Nicole Honeck: Ich genieße das Angebot von Kapu, Stadtwerkstatt und Co. Was ich nicht so schätze, sind die großen Feste, zum Beispiel LinzFest bzw. vermisse ich hier die Einbeziehung und die Themenübermittlung an die Freie Szene.

In welchen Bereichen könnte die Qualität der Kunst- und Kulturvermittlung erhöht werden? Was würde dazu benötigt?

Nicole Honeck: Ich glaube, es bräuchte Vermittler_innen/Multiplikator_innen, die Menschen, die keinen Zugang oder wenige finanzielle Mittel zur Verfügung haben, Kunst und Kultur zu genießen, einführen, Möglichkeiten offenbaren, etc. Und mehr Programme, um Kunst und Kultur für alle rezipierbar zu machen!

Inwieweit sollte die Stadt Linz besondere Anreize schaffen, um die Kunst- und Kulturvermittlung zu verbessern? Inwieweit würde zum Beispiel die Einführung eines eigenen Preises für Kunst- und Kulturvermittlung helfen?

Nicole Honeck: Ich glaube, das wäre eine feine Sache!

Welche neuen Formate und Programme der Kunst- und Kulturvermittlung würden deiner Meinung nach benötigt?

Nicole Honeck: Es sollten mehr Dinge ausgelagert werden, auf die Straße oder in öffentliche Räume, um ein Eintreten zu erleichtern. Kurator_innen sollten in ihre Überlegungen auch das Ansprechen der Personen mit einbeziehen, das „Wie“!

Wie schätzt du eigentlich die Vernetzung der verschiedenen Kunst- und Kulturvermittler_innen in Linz ein? Was könnte hier verbessert werden?

Nicole Honeck: Ich glaube, dass diese recht schlecht vernetzt sind, da ich kaum welche kenne, kann aber auch mein Unwissen sein. Publik sollten die Möglichkeiten und auch die Personen gemacht werden!

Auf was sollte bei der Erstellung des neuen Kulturentwicklungsplans besonders geachtet werden?

Nicole Honeck: Auf Partizipation und Transparenz!

Danke.

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