Karl Aichhorn

Geburtsdatum und Geburtsort?

Karl Aichhorn: 1964 in Neumarkt im Mühlkreis.

Wohnen Sie in Linz?

Karl Aichhorn: Ich wohne im Zentrum von Linz.

Seit wann?

Karl Aichhorn: In Linz seit 1974 und im Zentrum bin ich seit 2003. Ich habe mich ganz bewusst dort angesiedelt, aufgrund meiner kulturellen Tätigkeit, nahe zum Brucknerhaus, nahe zum Vereinshaus, einfach um mitten im Geschehen zu sein und nicht immer auf ein Auto angewiesen zu sein.

Welche kunst- und kulturbezogenen Aktivitäten und Funktionen üben Sie derzeit aus?

Karl Aichhorn: Im kulturellen Bereich sehe ich zwei Schwerpunkte. Das Eine ist meine Tätigkeit als Bezirkskapellmeister des Oberösterreichischen Blasmusikverbandes. Hier geht es um Volkskultur, aber mit der Verbindung von Tradition und Moderne. Den Spagat, die Moderne wirklich mit einfließen zu lassen, schaffen wir, glaube ich, mit allen dreizehn Linzer Kapellen, gut. Ein zweiter Schwerpunkt ist bei mir die künstlerische Leitung als Chefdirigent des Linzer Kammerorchesters. Da bin ich in einer ganz anderen musikalischen Szene. Dazwischen bin ich noch tätig als Trompeter bei Grand Brass Quintett, also ensemblemusizierend, bis hin zu Tanzmusik, die ich auch spiele. Von den Funktionen her bin ich im Linzer Stadtkulturbeirat, und sonst immer wieder einmal in einer Jury bei irgendwelchen Wettbewerben.

Wie würden Sie die eigene Tätigkeit am ehesten bezeichnen?

Karl Aichhorn: Im Bezirksverband Linz Stadt bin ich Bezirkskapellmeister des Oberösterreichischen Blasmusikverbandes Linz-Stadt, so heißt es offiziell. Und dann eben Chefdirigent des Linzer Kammerorchesters, Kapellmeister der Musikkapelle der Kleinmünchner, dann musikalischer Leiter des Linzer Blechbläser Oktetts, vom Grand Brass Quintett und von Signpost, dazu freiberuflicher Musiker. Also ich bin alles vom aktiven Musiker bis hin zum leitenden und konzipierenden Kapellmeister und Arrangeur, ich decke ein sehr breites Feld ab. Nicht unwesentlich in den letzten Jahren war, dass ich im Georg von Peuerbach Gymnasium tätig war. Dort habe ich eine Musical-Schiene, einen musikalischen Schwerpunkt aufgebaut und mit Schülern immer wieder öffentliche Aufführungen von Musicals auch produziert.

Ich werde mich in den folgenden Fragen auf den Blasmusikverband konzentrieren, daneben auf das Linzer Kammerorchester. Ich glaube, das sind die zwei Hauptschwerpunkte. Der Blasmusikverband ist 1948 gegründet worden, der Linzer Verband erst danach?

Karl Aichhorn: Das weiß ich jetzt gar nicht. Ich glaube aber, dass diese Unterteilung in die Bezirke relativ gleichzeitig stattgefunden hat. Linz-Stadt hat sicher eine ganz eigene Geschichte. Am Land ist die Blasmusik sehr gut verankert und hat ein besseres Selbstverständnis in der Bevölkerung, das heißt, wir haben im städtischen Bereich mit einer ganz eigenen Situation zu kämpfen. Dadurch ist aber der Zugang, den die Kapellen haben, ein sehr offener. Der Zugang, wie ich ihn vorhin schon beschrieben habe, liegt einerseits in der Bewahrung der Traditionen, anderseits darin, wirklich neue Wege zu beschreiten, damit wir auch immer wieder neues Publikum ansprechen und anlocken.

Und das Gründungsjahr des Linzer Kammerorchesters?

Karl Aichhorn: Da haben wir vor nicht allzu langer Zeit 50 Jahre gefeiert, im Jahr 2004. Das Gründungsjahr war also 1954.

Welche Zielgruppen werden durch die Arbeit besonders angesprochen?

Karl Aichhorn: Die Zielgruppe im Blasmusikverband ist im städtischen, urbanen Bereich vorwiegend die Altersgruppe 50 plus. Uns gelingt es immer wieder, dass wir auch junge Zuhörer aufgrund der Programmwahl neugierig machen. Deswegen immer wieder ein Anstoß meinerseits in die Richtung, dass wir zeitgemäße Programme anbieten, um erstens junge Menschen so anzusprechen, damit wir Nachwuchs lukrieren können, und zweitens brauchen die Musiker und das Publikum immer wieder eine Auffrischung, im Sinne einer aktuellen kulturellen Auseinandersetzung. Wir können nicht mit dem Publikum musikalisch alt werden. Im Linzer Kammerorchester ist es ähnlich. Wir haben gerade am Montag ein Konzert bei den Elisabethinen, im Ort der Begegnung, gespielt, da ist es ähnlich. Was ich beobachte, ist, dass sich die Zuhörer dort schon ganz gezielt mit Kammermusik auseinandersetzen und der Bildungsgrad im Durchschnitt ein bisschen höher liegt. Wir erreichen im Blasmusikverband wirklich die breite Masse. Da sind im Publikum und auch bei den Mitgliedern vom einfachen Arbeiter bis zum Universitätsprofessor und Akademiker alle vertreten. Das Kammerorchester spricht eher doch die gehoberen Bildungsschichten an.

Auf welchen geografischen Wirkungsbereich zielt die Arbeit in erster Linie ab?

Karl Aichhorn: Bezirk Linz-Stadt ist vom Blasmusikverband her relativ klar. Wir schauen natürlich, dass wir über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus tätig werden können. Die Kapellen sind selbst bestrebt, Konzertreisen in Österreich und ins Ausland zu unternehmen. Das gelingt immer wieder. Mir bekannte Auslandsreisen führten nach Deutschland, Ungarn, Tschechien, Spanien und Frankreich bis nach China, Korea, Amerika und Australien. Die Kapellen sind da selber sehr aktiv. Und mit dem Linzer Kammerorchester versuchen wir, auch über Linz hinaus tätig zu sein. Das gelingt uns im Oberösterreichischen und Bayrischen Raum. 120 Kilometer, mit einzelnen Ausreißern, beträgt ungefähr der Radius, den wir wahrnehmen und bespielen.

In welchen künstlerischen Disziplinen bzw. kulturellen Arbeitsfeldern sind die Einrichtungen hauptsächlich tätig? Die Hauptdisziplin ist klarerweise die Musik, aber gibt es auch disziplinäre Verschränkungen zu anderen künstlerischen Disziplinen?

Karl Aichhorn: Das ist beim Linzer Kammerorchester weniger der Fall, da bleibt es bei der Musik, in der Bandbreite von Kammermusik bis zu Operetten und teils Opernkonzerten, bei denen wir dann zusätzlich mit Chören zusammenarbeiten. Im Blasmusiksektor habe ich vor mehr als zehn Jahren eingeführt, dass wir vorwiegend Themenkonzerte programmieren. Das ist schon sehr gut angenommen worden. Den Konzerteinladungen entnehme ich, dass immer mehr Kapellen das übernommen haben. Konzertaufführungen werden durchgestylt, Gesamtkonzepte werden erarbeitet, von unterstützenden Visualisierungen, themengebundenen Dekorationen, Lesungen bis hin zu dramaturgischen Elementen und der Einbindung von jungen Künstlern aus anderen Disziplinen. Kommenden Sonntag veranstalten wir zum Beispiel mit den Kleinmünchnern ein Konzert, bei dem gleichzeitig eine Vernissage einer Musikvolksschule stattfindet. Die Schüler haben sich mit den Werken des Themenkonzerts auseinandergesetzt und eigene Bilder und Kollagen kreiert.

Gibt es in Bezug auf die vorhandene räumliche und technische Infrastruktur aktuell einen Handlungsbedarf, d. h. den Wunsch nach quantitativer Erweiterung oder qualitativer Verbesserung?

Karl Aichhorn: Wir sind, wenn ich vom Blasmusikverband aus spreche, relativ gut aufgestellt. Allerdings ist das wieder auf die Eigeninitiative der Kapellen selber zurückzuführen. Dann gibt es die Unterstützung vom Landesverband und dem Land Oberösterreich bzw. gibt es auch immer wieder eine Zusammenarbeit, bei der die Stadt Linz sehr gut unterstützt. Ich kenne aber konkrete Situationen von der einen oder anderen Kapelle in Linz, die nicht so ideale Probenbedingungen haben. Zum Beispiel das Landespolizeiorchester, das eines der Top-Orchester in Oberösterreich ist, das sich mit einer sehr unzufriedenstellenden Proberaumsituation zufrieden geben muss, weil seitens des Ministeriums zu dem die Polizei gehört keine Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Pläne sind zwar vorhanden, aber wann diese wirklich realisiert werden, das steht noch in den Sternen. Prinzipiell ist doch eine gewisse Unterstützung spürbar, die dann aufgrund der großen Eigeninitiative der Kapellen in Form von handwerklichen Eigenleistungen umgesetzt werden kann.

Wie sieht es mit dem Kammerorchester aus? Sowohl beim Büro als bei den Probemöglichkeiten?

Karl Aichhorn: Da haben wir eine Kooperationsmöglichkeit mit der Pfarre Don Bosco gefunden, die uns in ihrem Pfarrzentrum einen Raum für Proben zur Verfügung stellt. Als Gegenleistung übernehmen wir für zwei Gottesdienste die musikalische Gestaltung. Wir müssen diese Kooperationen eingehen, weil die finanziellen Mittel fehlen, um ein eigenes Probenlokal irgendwo aufzubauen und zu erhalten.

Wenn wir uns den Blasmusikverein Linz-Stadt ansehen: Wie viele Personen waren in der Einrichtung mit Stand 1. Jänner 2011 insgesamt beschäftigt? Und in welchen Arbeitsverhältnissen (Vollzeit, Teilzeit, freie Dienstverhältnisse, …) befanden sich diese Personen?

Karl Aichhorn: An und für sich sind alle Tätigkeiten ehrenamtlich. Es gibt sicher die eine oder andere kleine Abgeltung für Kapellmeister, einen Spesenersatz für Telefonkosten etwa, aber an und für sich sind wir ehrenamtlich tätig.

Auch die Geschäftsführung?

Karl Aichhorn: Die ist durch und durch ehrenamtlich aufgestellt. Im Bezirksverband arbeitet die gesamte Bezirksleitung ehrenamtlich ohne Abgeltung und ohne Sitzungsgelder oder dergleichen. Für die Bezirksleitung selbst gibt es auch keinen Spesenersatz. Die notwendigen Ressourcen werden persönlich eingebracht und die gesamte Arbeit versteht sich ehrenamtlich.

Wie schaut es mit dem Linzer Kammerorchester aus?

Karl Aichhorn: Das Linzer Kammerorchester beruht ebenfalls auf Ehrenamtlichkeit, das heißt, es gibt nur bei den gespielten Konzerten eine kleine Aufwandsentschädigung. Wir bekommen gewisse Förderungen, aber die werden für Notenmaterial, für Instrumentenwartung oder für Honorare benötigt, wenn wir zeitgenössische Werke aufführen. Das ist auch ein Auftrag, den wir sehr bewusst wahrnehmen.

Also wenn es ein Entgelt gibt, dann nur für die künstlerische Darbietung. Wenn ein durchschnittliches Arbeitsmonat oder ein typisches Projekt betrachtet wird: Wie viele Personen sind schätzungsweise auf Linz bezogen für die Einrichtungen auf freiwilliger Basis tätig?

Karl Aichhorn: Im Blasmusikverband, auf Linz bezogen und wenn ich davon ausgehe, dass alle Kapellen ehrenamtlich arbeiten – bis auf ein paar Personen, die immer wieder einmal einen Spesenersatz bekommen oder ab und zu Kilometergeld – kann man im Grunde genommen alle Mitglieder dazuzählen. Das sind, wenn ich alle zusammenzähle, fast 600 Personen.

Und beim Linzer Kammerorchester?

Karl Aichhorn: Beim Linzer Kammerorchester sind wir eine kleine Gruppe von ca. 20 Personen.

Kurzes Assoziationsspiel: Welche Begriffe fallen Ihnen ein, wenn Sie an „Kulturstadt Linz“ denken?

Karl Aichhorn: Kulturstadt Linz ist auf jeden Fall Brucknerhaus, AEC, Lentos, Rosengarten, Landhaus, Theater, neues Musiktheater, Musikpavillon, Volksgarten, Konzerte, Stadtwerkstatt bis hin zu Stadtrandkonzerten, Volkshäuser. Also da gibt es sehr, sehr viel. Das wäre die erste Assoziation.

Wenn Sie die letzten zehn Jahre, also die Jahre 2000 bis 2010, betrachten: Was lief Ihrer Meinung nach besonders gut in der kulturellen Entwicklung der Stadt Linz?

Karl Aichhorn: Ich glaube, was sich sehr gut entwickelt hat, sind große Events wie das Pflasterspektakel oder die Klangwolke. Die hat sich weiterentwickelt, auch wenn sie in gewissen Bereichen vielleicht einen personellen Einbruch erlebt hat. Wo die Qualität zwar schwankend ist, das ist halt bei offenen populären Konzepten oft so, aber sie hat sich als Marke, glaube ich, gut etabliert. Auch das AEC hat sich meiner Meinung nach sehr gut entwickelt. Die Qualität im Landestheater hat sich wirklich weiterentwickelt. Ich denke, dass mit dem Musiktheaterneubau noch einmal ein Qualitätssprung gemacht werden wird. Ich würde sagen, dass dort, wo jemand bewusste und konkrete Ideen gehabt hat, Konzepte verfolgt hat, das spürbar geworden ist, weil dafür auch die Unterstützung vorhanden war. Die finanziellen Ressourcen könnten immer mehr sein. Aber soweit es möglich war, wenn Ideen da waren, sind sie weiterentwickelt worden bzw. war die Möglichkeit vorhanden, sie weiterzuentwickeln.

Und mit welchen kulturellen Entwicklungen der letzten zehn Jahre sind Sie überhaupt nicht zufrieden?

Karl Aichhorn: Ganz und gar nicht zufrieden bin ich, wenn ich an die Jugend denke, dass es schon sehr lange her ist, dass große Rock- oder Popkonzerte stattgefunden haben. Das hängt sicher mit der Lustbarkeitsabgabe zusammen. Diesbezüglich würde sich anbieten, dass Linz tätig wird. Ich weiß nicht genau, wie hoch diese Abgabe ist, aber sie dürfte wahrscheinlich zu hoch sein, weil die Veranstalter in andere Städte ausweichen. Mir ist schon klar, dass eine Stadt nicht alles anbieten und abdecken kann. Eine weitere Möglichkeit mit Verbesserungspotential, um viele Personen kulturell anzuziehen, sehe ich im Musical. Das hat das Landestheater zum Teil, wenn es machbar war, auch gemacht. Ich denke, im neuen Musiktheater wird diese Schiene besser realisierbar sein und daher wird es auch verstärkt ein Angebot dafür geben.

Womit kann Linz Ihrer Meinung nach im österreichischen Städtewettbewerb punkten, vor allem im Vergleich zu ähnlich großen Städten wie Graz, Salzburg oder Innsbruck? Ist es nur die Ars Electronica oder ist es mehr?

Karl Aichhorn: Hier sehe ich ein Manko. Ich bin eher ein Freund der interdisziplinären Vielfalt. Natürlich ist die Ars Electronica weltweit bekannt und dadurch wahrscheinlich auch Linz. In den anderen Bereichen, denke ich, ist es Städten wie Innsbruck mit dem Festival für Alte Musik oder Graz, natürlich bedingt durch das Opernhaus und die Styriate, oder Salzburg mit den Salzburger Festspielen, besser als Linz gelungen, wirkliche Marken zu setzen, die eindeutig mit dieser Stadt identifiziert werden. Ich meine, die Ars Electronica wird zwar international wahrgenommen, von der Linzer Bevölkerung allerdings weniger. Insofern bräuchte es für mich schon ein Zeichen, einen starken Akzent. So eine Chance sehen ich zum Beispiel bei den Brucknerfestspielen. Das Brucknerfest neu überdenken, neu konzipieren und zwar in der Vielfalt, dass wirklich alle künstlerischen und kulturellen Institutionen zusammenarbeiten sehe ich als große Möglichkeit. Ich glaube, das könnte aufgehen, weil einfach der Name Bruckner und Linz bereits im Bewusstsein der Leute weltweit drinnen ist. Wenn das gelingt, kann Linz im österreichischen Städtewettbewerb wieder verstärkt punkten.

Inwieweit denken Sie, dass Linz international als Kulturstadt wahrgenommen wird? Und welche geografische Reichweite hat die internationale Wahrnehmung Ihrer Meinung nach? Reicht das über Passau hinaus? Ist das nur mit der Ars Electronica verbunden?

Karl Aichhorn: Eine rein subjektive Einschätzung, wenn wir jetzt dieses Ars Electronica Festival weglassen, ist, dass der Radius nicht allzu groß ist. Die Kulturhauptstadt hat sicher ein bisschen dazu beigetragen, dass sich der Radius erweitert hat. Die Frage für mich ist, wie lange das anhält? Dass sich Linz auch in der Wahrnehmung von außen verändert hat, das glaube ich schon. Das aktive Einzugsgebiet geht schon in den bayrischen Raum hinein, aber so vom Gefühl her reicht der Radius nicht weit über 150 km hinaus.

Linz09 haben Sie gerade angesprochen. Beschreiben Sie bitte Ihr Resümee von Linz09 anhand von drei Punkten.

Karl Aichhorn: Linz09 war erfolgreich. Was genau ist aber Nachhaltigkeit? Wie genau kann man Nachhaltigkeit messen? Ich glaube, dass Linz09 weiter wirkt. Ich möchte es einmal so bezeichnen: die Chance Linz09 darf nicht umsonst gewesen sein.

Drei Fragen noch in dem Zusammenhang. Wie schätzen Sie das Verhältnis von Hochkultur – Subkultur – Volkskultur in Linz ein?

Karl Aichhorn: Mein persönliche Meinung ist, dass es nicht einmal so unausgewogen ist. Ich glaube, man muss fairer Weise bedenken, dass Hochkultur einfach mehr Budget verschlingt. Die Wahrnehmung der Personen, die im jeweiligen Bereich tätig sind, ist natürlich sehr subjektiv und aus deren Sicht sind Förderungen immer viel zu wenig und alle anderen sind bevorzugt. Letztendlich würde ich aber sagen, dass es relativ ausgewogen ist. Vielleicht sogar – und hier versuche ich objektiv zu bleiben, obwohl ich selber im volkskulturellen Bereich tätig bin, aber ich bin auch in anderen Bereichen tätig – dass in die Volkskultur die wenigsten Mittel hineinfließen, weil aus dem Verständnis der Leute heraus, die dort tätig sind, sehr viel Eigeninitiative ergriffen wird. Das Verständnis der Hochkultur ist einfach oft, dafür muss Geld da sein. Und meine subjektive Wahrnehmung hinsichtlich Subkultur ist, dass die Erwartungshaltung der Freien Szene – das ist auch wieder ein ganz breiter Begriff – ein bisschen in die Richtung geht, wir brauchen einfach mehr Förderungen, weil wir ohnehin zu wenig wahrgenommen werden. Manchmal wünsche ich mir, dass die Eigeninitiative ähnlich hoch ist wie in der Volkskultur. Ich denke, dass die Eigeninitiative in der Volkskultur wirklich am höchsten ist und sie sich daher mit relativ wenig Mittel schon zufrieden gibt. Da bin ich mir sicher. Die ehrenamtliche Tätigkeit ist ganz sicher in der Volkskultur am höchsten.

Wenn Sie einzelne künstlerische Disziplinen wie Malerei und Grafik, Tanz, Theater, Musik, Literatur, Film, Fotografie usw. betrachten: Wo würden Sie meinen, wäre in der Stadt noch Entwicklungspotenzial vorhanden?

Karl Aichhorn: Was mir schon einfällt, wo es auch immer wieder Versuche gegeben hat, aber in Linz komischerweise immer wieder scheitert, ist das Etablieren einer Jazz-Szene. In Linz sind sehr gute Leute vor Ort und es werden sehr gute Jazzmusiker ausgebildet, aber es scheitert einfach an den an Aufführungsmöglichkeiten, an den Lokalitäten, weil sich die komischerweise nicht halten. Da wäre Potenzial. Wo sicher auch Potenzial brach liegt, ist im Bereich Tanz, Tanzperformance. Hier gibt es sehr, sehr gute Künstler, aber diese Sparte ist noch zu wenig publik, wird zu wenig gut wahrgenommen. Im Bereich der bildenden Kunst ist es schwer zu sagen, also ausstellungsmäßig tut sich etwas, da finden sich interessante Angebote, allerdings von den aktiven Künstlern selbst weniger. Komponisten werden durchaus gefördert, hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten für Auftritte und Aufführungen. Besonderes Entwicklungspotenzial … da muss ja schon etwas da sein. Eins fällt mir noch ein. Die Sommerkonzertreihen, die schon gut etabliert sind, und die übergreifende Möglichkeiten bis hin zur Volkskultur bieten, weil ganz unterschiedliche Künstler und Ensembles auftreten können. Für mich stellt sich hier eine tolle Entwicklungsmöglichkeit dar, nicht nur von den künstlerischen Richtungen her, sondern ich sehe auch den Veranstaltungsort Volksgarten. Das ist zwar ein anderer Bereich als vorhin angedacht, aber in Verbindung mit dem neuen Musiktheater muss genau hier etwas geschehen. Hier muss der Spagat zwischen Volkskultur und Hochkultur gelingen. Einerseits kommt die Hochkultur heraus und andererseits bringt die Volkskultur Leute ins Musiktheater hinein. Dafür könnte der Volksgarten genau die richtige Nahtstelle sein. Wir veranstalten vom Blasmusikverband Linz-Stadt aus bereits bewusst Konzerte im Volksgarten, um ihn wieder zu beleben. Er war ja einmal ein wirklicher Volksgarten und es hat sogar einen Pavillon für Konzerte und alle möglichen Arten von Veranstaltungen gegeben, und ich denke mir, diese Chance muss jetzt wieder genutzt werden. Hier sehe ich ganz viel Entwicklungspotenzial, hier können Hemmschwellen abgebaut werden, hier kann kulturelle Vielfalt gelebt werden, hier kann Kultur für alle, für das ganze Volk stattfinden. Das ist zwar ein anderes Thema von dem wir ausgegangen sind, aber …

Welche drei thematischen Schwerpunkte mit Kunst- und Kulturbezug werden zukünftig die größten Herausforderungen für die Stadt darstellen?

Karl Aichhorn: Die größte Herausforderung sehe ich in der Zusammenarbeit aller Kulturinstitutionen. Alle Institutionen setzen sich zusammen und entwickeln anhand von Themenschwerpunkten gemeinsame Konzepte. Es geht wieder in dieselbe Richtung wie vorhin beim Brucknerfest, nämlich dass die Chance für Linz wäre bzw. Linz die Chance nutzen muss, ein Thema als Gesamtdramaturgie zu verarbeiten, egal wie das Thema dann lautet. Wichtig ist das gesamtdramaturgische Konzept. Dadurch habe ich sehr viele Kooperationsmöglichkeiten, Vernetzungsmöglichkeiten und das Gesamtkonzept kann dann wirklich gut transportiert werden. So ein Konzept, davon bin ich überzeugt, wird weiter als 150 Kilometer ausstrahlen. Jetzt sind wir beim nächsten Thema, nämlich Überlegungen anzustellen, welche Marke wir so etablieren, dass sie wirklich in einem großen Umfang wahrgenommen wird. Welche Marke etablieren wir so, dass sie von der Bevölkerung in Linz, in Oberösterreich, in unseren Nachbarländern und darüber hinaus wahrgenommen wird? Wie kann ich als Linzer hinter einer Marke, hinter einem Produkt stehen? Das geht nicht mit nur einem speziellen Bereich alleine, sondern da muss ich eine Marke entwickeln, so wie das vorhin genannte Brucknerfest, und zwar verschränkt. Dabei ist die Bewahrung der Eigenständigkeit für mich ganz wesentlich, aber weg von der Abschottung, hin zur Öffnung zu anderen Disziplinen, zur Zusammenarbeit und Kooperation.

Zu den einzelnen Themenbereichen. Internationalität und Linz09. Inwieweit ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass sich Linz als internationale Kulturstadt positioniert?

Karl Aichhorn: Ich finde es wichtig, weil ich eine sehr große Chance darin sehe, die Potenziale, die Linz wirklich hat auch international sichtbar machen zu können. Das heißt, hier gilt es wiederum den Spagat zu schaffen, so wie es mit der Ars Electronica gelungen ist, einerseits internationale Künstler und damit die internationalen Medien herzuholen und andererseits die Chance zu nutzen, das eigene Potenzial der Linzer Künstler mit einzubinden und auch international sichtbar zu machen. Wir haben eine ganz blöde, österreichische Mentalität: Bevor du im eigenen Land etwas zählst, musst du irgendwo anders einmal erfolgreich gewesen sein. Dann erst darfst du als erfolgreicher Künstler wieder zurückkommen. Vielleicht könnte man das einmal durchbrechen.

Sie haben vorher schon gesagt, Linz09 hat ein bisschen dazu beigetragen, dass Linz international als Kulturstadt ein bisschen bekannter geworden ist, dass es vielleicht über diesen engeren Kreis hinaus auch wahrgenommen wird. Inwieweit hat Linz09 dazu beigetragen, dass sich Linz international stärker positioniert? Wo war es am stärksten für Sie wahrnehmbar?

Karl Aichhorn: Ich hätte mir prinzipiell einmal gewünscht, dass noch mehr passiert wäre. Die Hoffnung war da, die hat sich sicherlich nicht ganz erfüllt. In Summe glaube ich aber doch, dass wir zumindest eine gewisse Zeit lang international besser wahrgenommen worden sind. Das war hauptsächlich für mich wahrnehmbar durch unkonventionelle Projekte. Weg vom Mainstream ist, glaube ich, besser wahrgenommen worden als Megaevents, die relativ gut austauschbar sind. Die Politik setzt aber, und hier meine ich, darf sie noch besser hinhören, auf diese vordergründig außenwirksamen oder gut verkaufbaren Events. Wobei ich denke, der Höhenrausch hat schon viel Positives gehabt, aber das Gelbe Haus ist noch besser hängen geblieben. Wir haben vom Blasmusikverband Linz-Stadt eine musikalische Zeitreise konzipiert, Holz & Blech, und da weiß ich, dass sehr viele ausländische Gäste geblieben sind, weil sie überraschend auf dieses Projekt gestoßen sind. Das war wirklich ein sehr unkonventionelles Blasmusikformat, bei dem lebendige Einblicke in die Linzer Geschichte einerseits und in die Blasmusik andererseits ermöglicht worden sind. An geschichtsträchtigen Orten wurden im historischen Kontext zeitgenössische Originalwerke für Blasmusik mit optischem Regiekonzept umgesetzt. Genau dieser Spannungsbogen im traditionellen Outfit war etwas Ungewöhnliches. Wir haben gemerkt, dass Gäste, vor allem ausländische Gäste, die zufällig auf dieses Projekt gestoßen sind, sich spontan angeschlossen haben und zum Teil sogar noch eine Nacht verlängert haben, weil sie die ganze musikalische Reise miterleben wollten. Ich denke, solche Gesamtkonzepte stellen eine Möglichkeit dar, in die wir verstärkt hineingehen sollten.

Welche Maßnahmen sollte die Stadt setzen, um sich im Kunst- und Kulturbereich weiter international zu öffnen? Das erste, was Sie genannt haben, war Marken schaffen in Richtung einer internationalen Positionierung, eine Themenorientierung, unkonventionelle Zugänge suchen.

Karl Aichhorn: Ich bin der Überzeugung, dass die konzeptionellen Planer auch in touristischer Hinsicht miteinander zusammenarbeiten müssen, also jetzt nicht den Tourismus missbrauchen oder umgekehrt, sondern verbindend einander ergänzend. Wir brauchen Tourismuswerbung. Dafür brauchen wir aber wirklich gute Konzepte, damit diese Konzepte wiederum entsprechend gut beworben werden können. Das heißt, wir benötigen verbindende Konzepte, eine gewisse Marke, in der durchaus gewisse Nischen beinhaltet sein müssen, aber wir brauchen etwas Verbindendes, etwas Gemeinsames. Was nicht zielführend wäre, obwohl ich es angesprochen habe … unkonventionell bedeutet für mich nicht, Nischen abklappern und Nischen suchen, das bringt uns, glaube ich, nicht weiter. Große Themen, unkonventionelle Zugänge, ohne Animositäten der kooperierenden Institutionen.

Wenn wir uns die Tourismuswerbung der Stadt Linz anschauen, oder die Maßnahmen, die der Tourismus setzt. Welche touristischen Maßnahmen für den Kunst- und Kulturbereich in Linz würden Sie besonders hervorheben?

Karl Aichhorn: Das ist im Moment nicht so auffällig. Ich glaube auch aus folgender Tatsache: Was soll momentan auffällig beworben werden? Was ist so besonders auffallend, was sticht so eklatant ins Auge, dass man es auffallend bewerben kann? Ich denke, eine gute Schiene war, die hat mir sehr gut gefallen, die ganze Höhenrausch-Geschichte, die Schritt für Schritt eingeführt worden ist. Das waren wirklich gute Ideen. Und wenn passende gesamtdramaturgische Konzepte vorliegen, bin ich überzeugt, dass die Marketingstrategen gemeinsam mit der Tourismusbranche diese entsprechend, auch international, positionieren können.

Welche besonderen Verbesserungen hat Linz09 hinsichtlich des Kulturtourismus mit sich gebracht? Wo Sie sagen, das war vorher nicht so?

Karl Aichhorn: Kulturtourismus nehme ich noch nicht so wirklich wahr. Ich glaube, dass das entsprechende verführerische oder ansprechende Angebot noch nicht da ist, das mit Linz identifizierbare Angebot noch fehlt. Eine Möglichkeit sehe ich in Wochenendarrangements, wie sie zum Beispiel in anderen Städten speziell für den Kulturtourismus angeboten werden. Ich glaube, die sind noch ausbaufähig. Es gibt sie in kleiner Form, aber die Kombinationsmöglichkeiten sind einfach noch nicht in entsprechendem Ausmaß vorhanden.

Welche kulturtouristischen Maßnahmen gehen Ihnen derzeit in Linz noch ab? Irgendwelche Formate oder kulturtouristische Maßnahmen, die über den Bewerbungsbereich hinausgehen?

Karl Aichhorn: Ich denke, Möglichkeiten nutzbar machen, wenn zum Beispiel so große Events wie das Pflasterspektakel beworben werden. Das ist schon wichtig, aber was bleibt davon hängen? Den Besuchern gleichzeitig mitgeben und sie informieren, was zum Beispiel als Nächstes angeboten wird, Anknüpfungsmöglichkeiten aufzeigen, was es sonst noch in Linz gibt. Einfach verstärkt, jetzt gehe ich bewusst noch einmal zurück zu den Wochenendarrangements, Angebote zusammenstellen. Es gibt Räume, die liegen an der Donau. Das neue Musiktheater liegt zwar nicht an der Donau, aber das Brucknerhaus und das Lentos liegen an der Donau, wir haben ein sehr gutes Ensemble im Landestheater, in der Volkskultur und in der Freien Szene passieren tolle Geschichten. Also Mischungen anbieten, wo man einfach sagt: „Aha, am Wochenende ist etwas los.“ Als Besucher kann ich dann dieses oder jenes nehmen, aber es spricht mich einfach an. Ich reise nach Linz, komme mit dem Schiff an, fahre mit dem Zug wieder heim und dazwischen ist in Linz viel los.

Geht das in Richtung eines Schnürens von unkonventionellen Packages?

Karl Aichhorn: Ja, das geht dort hin.

Das geht ja nicht so schnell zusammen. Theater, Donau und Freie Szene sind jetzt gekommen.

Karl Aichhorn: Ganz bewusst. Ich denke mir, in diesen Paketen kann eh drinnen sein, dass es als Unkonventionelles angeboten wird. Wenn sich jemand nur für das Unkonventionelle oder nur für die Freie Szene entscheidet, hat er das auch. Aber wenn jemand sagt: „Ok, ich schaue mir zwei Tage hintereinander etwas im Brucknerhaus an, weil es gerade passt.“, ist es auch recht. Einfach die Möglichkeit nutzen, um den Besuchern bewusst zu machen, dass Linz etwas zu bietet hat.

Nächster Themenbereich. Netzwerke, Kooperationen, Zusammenarbeit. Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen in Linz aus? Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie in diesem Zusammenhang gemacht? Wo befinden sich hier Grenzen?

Karl Aichhorn: Beim Kammerorchester liegen die Kooperationsmöglichkeiten, wie ich eingangs schon erwähnt habe, hauptsächlich im musikalischen Personalbereich. Dabei stößt man nicht so rasch an Grenzen, weil die Zusammenarbeit mit verschiedenen Chören, Solosängern und Solisten gut funktioniert. Darüber hinaus, im institutionellen Rahmen, wird es schon ein bisschen schwieriger. Das Kammerorchester setzt sich zusammen aus Amateuren, Musikschullehrern und Berufsmusikern. Dennoch gestaltet sich die Kooperation die mir vorschwebt, mit der Ausbildung der Musikschullehrer an der Bruckneruniversität, eher schwierig. Die Zusammenarbeit mit den Kompositionslehrern hingegen ist sehr gut, weil wir immer wieder unserem Auftrag entsprechend, Nachwuchskomponisten zu fördern, Werke von jungen Komponisten uraufführen, die an der Bruckneruniversität studieren. Darüber hinaus ist eine Kooperation mit fachfremden Institutionen sehr schwierig, weil man dort einfach den Fuß nicht in die Türe bekommt. Aus meiner Wahrnehmung heraus: „Wir sind wir und wir kommen ohne euch ganz gut aus.“ Wo also von der anderen Seite her ein positiver Effekt nicht so wahrgenommen oder nicht erkannt wird, sagen wir einmal so.

Im Blasmusikbereich ist die Zusammenarbeit mit fachfremden, kulturellen Institutionen sehr gut möglich. Allerdings auch nur, wenn es sich um Non-Profit-Organisationen handelt, weil die, so glaube ich, aus der eigenen Tätigkeit, aus der Ehrenamtlichkeit heraus sehr gut Bescheid wissen, wie fruchtbringend eine Kooperation sein kann. Am schwierigsten erscheint die Zusammenarbeit mit der sogenannten Hochkultur. Trotzdem möchte ich diesbezüglich nicht locker lassen und den Spagat schaffen, Blasmusik in Richtung Hochkultur zu bewegen, ohne auf die Wurzeln zu vergessen. Und Blasmusik als Volkskulturbereich wird ihren Stammplatz ohnehin nie verlieren. Bei den Bläsern im Profiorchester finden sich die passenden Nahtstellen, denn nahezu 90 Prozent kommen von der Blasmusik. Irgendwann verliert sich aber dieser Zusammenhalt, das heißt, sie spielen zum Teil sogar noch in Blasmusikkapellen mit, aber eine Verbindung zwischen den Institutionen wurde nie aufgebaut. Das würde ich aber gerne haben.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Kultureinrichtungen und NGOs/NPOs bzw. Einzelpersonen aus dem Kunst- und Kulturbereich in Linz? Und wie schätzen Sie die Einbindung bei städtischen Kulturveranstaltungen ein? Die letzte Einschätzung war soeben, dass man da ein bisschen an die Grenzen stößt. Aber über die eigenen Einrichtungen hinweg, funktioniert das Ihrer Meinung nach in Linz?

Karl Aichhorn: Für mich zu wenig gut. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Abschottung, die schon ein bisschen löchrig ist, allerdings sind das noch sehr kleine Löcher, verringern müssen. Das heißt, die Abschottung muss mehr und mehr abgebaut werden. Gerade von den Institutionen, von den großen Institutionen nehme ich das so wahr: „Wir haben ja unser Budget und gehen daher nicht so schnell Kooperationen mit euch ein.“ Dass auf Qualität geschaut werden muss, ist logisch, und ich bin der Letzte, der nach unten nivellieren möchte, ganz im Gegenteil. Ich denke, mit hoher Qualität hinschauen, aber einfach mutiger werden, offener werden, vielleicht auch gewisse Ängste abbauen. Wir würden alle davon profitieren.

Zwischen welchen künstlerischen Disziplinen in Linz könnte die Zusammenarbeit noch optimiert werden? Wo Sie sagen, das würde auf der Hand liegen, dass eine Disziplin eine stärkere Verschränkung mit einer anderen Disziplin eingeht.

Karl Aichhorn: Ich denke, im kleinen Rahmen hat es das schon immer gegeben, dass im StifterHaus Lesungen mit Musik verbunden wurden. Was noch Potenzial gehabt hätte waren die Matineen auf dem Schiff, wo eben genau solche Verschränkungen passiert sind. Ich glaube, die sind eingestellt worden. Linz liegt an der Donau und das ist für mich ebenfalls so ein Bereich, auf den zu wenig eingegangen wird. Die Donau im positiven Sinne nutzbar machen, interkulturelle Disziplinen ganzjährig auf das Wasser bringen bis hin zur Stauvermeidung. Von Ottensheim nach Linz ist es nicht weit und man ist mit dem Schiff schneller als zum Beispiel im Verkehrsstau, wenn die Bahn überlastet wäre, was sie, glaube ich, nicht ist. Hier schlummern noch viele attraktive Angebote. Deshalb habe ich vorhin die Anreise mit dem Schiff angesprochen, dazu kulturelle Packages bzw. Kulturelles am Boot anbieten. Es gibt also noch Synergieeffekte, die, glaube ich, auch attraktiv sind, weil wieder nicht alltäglich und wenn wir schon an der Donau liegen, sollten wir diese Möglichkeiten auch nutzen.

Wenn die tägliche Zusammenarbeit zwischen den Kunst- und Kultureinrichtungen in Linz betrachtet wird, insbesondere hinsichtlich des Einsatzes von personellen oder materiellen Ressourcen: Wo ergäben sich Ihrer Meinung nach sinnvolle Synergien? Welche Maßnahmen könnten hier gesetzt werden?

Karl Aichhorn: Ich sehe schon noch Möglichkeiten. Die Umsetzung, die Praktikabilität hängt aber immer von der Verlässlichkeit der Personen ab. Ich denke an die vielen Bands, die alle einen eigenen Proberaum wollen. Hier wären wirklich Synergieeffekte möglich bis hin zur gemeinsamen Nutzung von technischem Equipment über das Kulturamt. Einhergehen muss dabei eine Haltungsänderung in Richtung Achtsamkeit und Sorgfalt. Ein diesbezügliches Modell mit entsprechender Einstellung könnte folgend aussehen: Linz stellt solche Möglichkeiten zur Verfügung und ich bin ein Linzer Künstler. Als Linzer habe ich die Möglichkeit, die Räumlichkeiten samt Equipment verwenden zu dürfen und gehe daher entsprechend sorgsam damit um. Mit so einer Haltung könnte man wahrscheinlich noch vielmehr nutzen. Das gegenteilige Verhalten ist leider ein menschliches Phänomen, das viele Möglichkeiten scheitern lässt. Eine weitere Idee mit Synergieeffekt wäre die Nutzung des Volksgartens, worin ich eine große Möglichkeit sehe. In einem Pavillon, einem Multifunktionspavillon, wo man gleichzeitig Touristen, Reisende, Tagesreisende, die vom Bahnhof kommen, begrüßen kann. In dem dann Lesungen, Kabarett-, Theater- und Musikaufführungen möglich sind inklusive einem Infopoint für Tourismus. Von hier ausgehend könnten Säulen mit Kulturinformationen an jenen Orten wo tatsächlich Kulturaktivitäten stattfinden bis zum AEC und Donaupavillon mit einem durchgängigen Konzept errichtet werden. Ein kulturell besser genutzter Urfahranerplatz mit Schiffanlegestelle könnte auch ein Startpunkt Richtung Musiktheater am Volksgarten sein. Dann hätte Linz eine wirklich lange Kulturmeile und zudem eine zweite Achse zum Donaupark.

Wir sind am Ende angelangt. Ist Ihnen noch etwas abgegangen? Wollen Sie noch etwas Wichtiges mitteilen?

Karl Aichhorn: Momentan nicht.

Danke.

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