Holger Jagersberger

Geburtsdatum und Geburtsort?

Holger Jagersberger: 6. Dezember 1972, Linz.

Und du lebst schon immer in Linz?

Holger Jagersberger: Eigentlich immer in Linz, es hat sozusagen Zeiten gegeben, wo man mehr in Wien war und mehr in München, aber eigentlich war der Meldesitz immer Linz.

Welche kunst- und kulturbezogenen Aktivitäten und Funktionen übst du derzeit aus?

Holger Jagersberger: Ich mache auf Hobbyniveau Musik, mehr home-recording-mäßig, also ohne Öffentlichkeit und bildnerische Kunst auch, wenig aber konstant und konsequent. Es stehen jetzt in diesem Jahr nicht wirklich sehr viele große Projekte an, aber ich produziere auch. Beruflich bin ich heuer in der Jury von LinzImPuls, ich bin zusammen mit Martina Gelsinger vom Diözesankunstreferat Ankaufskurator für die Stadt Linz 2011 und 2012 und ich bin Leiter im Salzamt.

Wie würdest du deine eigene Tätigkeit am ehesten bezeichnen? Also wenn da steht Holger Jagersberger, Leiter des Atelierhauses Salzamt?

Holger Jagersberger: Ja, das würde so passen für mich. Ansonsten würde ich eher den von Gottfried Hattinger kennen gelernten Begriff Kulturarbeiter bevorzugen. Für einen, der das Salzamt nicht kennt, oder wenn es überregional wird, würde ich sagen, ich arbeite im Kulturbetrieb.

Zur Einrichtung. Welche Zielgruppen werden durch die Arbeit besonders angesprochen?

Holger Jagersberger: Für die Ateliernutzung gibt es einmal die Linzer KünstlerInnen. Da denke ich eher an eine jüngere Generation bis 40, betrifft bildende Künstler, die in Linz angesprochen werden sollen für die Ateliernutzung und auch internationale Künstler die als Artist-In-Residence kommen sollen. Auch da vorwiegend bildende Kunst, vorwiegend bis 40. Zum Publikum: Es gibt oft Atelierbesuche, sprich die Kulturvermittlung richtet sich schon sehr stark an die Schulklassen, wo nicht die Arbeiten im Mittelpunkt stehen, wie bei einem Museumsbesuch, sondern die Akteure selbst. Im Grunde genommen ist es einfache klasse, in einer Schwerpunktschule, wenn die Künstler kennen lernen, die nur ein paar Jahre älter sind und sie dann Fragen stellen, zu Lebensentwürfen, zu Einkommen, habt ihr auf der Kunstuniversität studiert? Wie war das? Wie sind sie zur Kunst gekommen? Können sie davon leben? Es ist eigentlich schon eine gewisse Qualität, die das Haus bieten kann, als Plattform, und die man eigentlich im Laufe der nächsten Jahre ausbauen muss. Das hängt nicht nur von uns ab, sondern leider auch vom Bildungssystem, wie die Lehrer mit den Klassen rauskommen, ob das bezahlt wird, Exkursionen. Da merken auch Museen, die schon länger Erfahrung haben, glaube ich, einen ziemlichen Einbruch in den letzten Jahren.

Auf welchen geografischen Wirkungsbereich zielt die Arbeit in erster Linie ab?

Holger Jagersberger: Die internationalen Gäste, die im Haus sind, sollen sicher die lokale Kunstszene ein bisschen bereichern, Kontakte schaffen, ein bisschen Netzwerke vergrößern. In der kurzen Zeit, die es uns gibt, nämlich eineinhalb Jahre, haben wir jetzt offen … gibt es schon durchaus auch in den Partnerstädten oder den Regionen, von wo die Künstler her waren, Ausstellungsbeteiligungen von Linzern, nicht von der Stadt gesteuert, sondern einfach weil die Kontakte bleiben. Dass man halt dann wo vertreten ist und einfach wieder wo weiterempfohlen wird, das ist einfach eher eine persönliche und biografische Vernetzung, die dann sozusagen möglichst immer größer wird.

In welchen künstlerischen Disziplinen bzw. kulturellen Arbeitsfeldern ist die Einrichtung hauptsächlich tätig?

Holger Jagersberger: Bildende Kunst.

Gibt es in Bezug auf die vorhandene räumliche und technische Infrastruktur aktuell einen Handlungsbedarf, d. h. den Wunsch nach quantitativer Erweiterung oder qualitativer Verbesserung?

Holger Jagersberger: Zur Zeit nicht, wobei man sagen muss, das ist jetzt nicht das größte Erfahrungsfeld, was ich habe, aber vermutlich eine Erfahrung, die viele öffentliche Bauvorhaben haben, dass sozusagen die Einbindung der Nutzer in der Bauphase wesentlich sinnvoller ist als nachher, mit einem vielfachen Aufwand dann irgendwelche Sachen noch auszumerzen oder zu adaptieren. Es ist natürlich ein Gebäude, wo wir uns befinden, das ein Privater nicht so schnell kauft und nicht so schnell sanieren kann, insbesondere wegen dem Denkmalschutz, und dem Geld, das man da in die Hand nimmt. Sagen wir einmal, es ist zu 90 Prozent alles super geworden und klasse, aber es hätte auch nicht geschadet, die Zielgruppe, die man schon gewusst hat bei der Sanierung, ein bisschen mit einzubinden. Was erwartet man sich von einem Ausstellungsraum? Was erwartet man sich von einem Atelier? Welche Notwendigkeiten hat der Arbeitsplatz von einem Künstler heutzutage? Im Nachhinein hineinzureklamieren, finde ich halt ein bisschen antiquiert.

Wie viele Personen waren in der Einrichtung mit Stand 1. Jänner 2011 insgesamt beschäftigt?

Holger Jagersberger: Letztendlich eine Person mit dem Magistrat als Arbeitgeber. Das bin ich, Teilzeit, 30 Stunden. Es gibt noch zwei andere Mitarbeiter. Mit Hauseröffnung hat es eine Assistenz mit 20 Stunden gegeben. Wir haben das jetzt Assistenz genannt, weil ich das ein bisschen netter finde als Schreibkraft. Das sind oft bürokratische Begriffe, die über Jahrzehnte nur abgeschrieben wurden, ohne irgendwie einmal zu reflektieren. Und 30 Stunden Geschäftsführung. Das klingt recht toll, ist hierarchisch auf dem untersten Level, Sachbearbeiter. Da geht es natürlich auch darum, eine eigene Abteilung braucht einen Abteilungsleiter und der wird anders eingestuft. Es ist halt so, dass es ein Gehalts- und Personalschema der Stadt gibt, wie in jeder anderen öffentlichen Einrichtung auch, und die zwei derzeit Beschäftigten sind 30 Stunden beziehungsweise 38,5 Stunden beschäftigt. Im Prinzip ist das ein Personalleasing über so etwas wie die FAB, also Beschäftigungsmaßnahmen, die sich nennt „Beschäftigung 24“. Das bedeutet für die Stadt ein Viertel der Personalkosten. Sie sind nicht bei der Stadt angestellt und wie es danach weitergeht, das wird man heuer verhandeln müssen. Da haben im ersten Jahr zwei andere Personen den Job gemacht. Eine war beim Magistrat angestellt, die hat gewechselt, weil 20 Stunden in der untersten Entlohnungsstufe einfach zu wenig für einen Menschen ist. Und die dritte Arbeitkraft, wo ich eben gesagt habe, dass ist irgendwie notwendig, so ein großes Haus braucht auch wen fürs Haus und für die Ausstellungsproduktion, das war damals über ein AMS-Programm namens Aktion 4000. Das ist nach einem Jahr fertig gewesen. Es kann also auch sein, dass wir im dritten Jahr des Bestehens das dritte Team haben.

Das ist eine hohe Fluktuation. Gibt es eigentlich Engagement auf freiwilliger Basis, also so etwas wie ehrenamtliche Tätigkeit, wenn es jetzt um ein typisches Projekt geht oder ein typisches Arbeitsmonat?

Holger Jagersberger: Eigentlich schon. Wie man es ja aus der bildenden Kunst kennt, dass ja nicht jede Arbeit entlohnt wird. Es wird erwartet, dass beim Aufbau, beim Transport und so weiter und so fort sehr stark mitgearbeitet wird und eigentlich gibt es bei den Leuten, die bei den Projekten beteiligt sind und da ein Atelier haben, schon sehr viel unentlohnte Arbeit. Das Einzige ist, wo es räumlich und auch von der Arbeit und vom Kommunikativen am besten passt, dass man versucht, diese ganzen Schulklassenbesuche eher verstärkt mit ein paar Künstlern zu machen, die entlohnen wir dann schon normal.

Kommen wir zum Hauptblock, über die kulturelle Entwicklung, Situation und Zukunft von Linz. Kurzes Assoziationsspiel: Welche Begriffe fallen dir ein, wenn du an „Kulturstadt Linz“ denkst?

Holger Jagersberger: Mir fallen als erstes schon einmal die fixen Häuser und Orte ein. Mir fällt ein OK, alle Formen von Landesmuseen, Lentos, AEC, Maerz, Kunstraum Goethestraße, AFO. Was mir relativ am Schluss einfallen würde, jetzt bei diesen Häusern, sind die Galerien, die kommerziellen. Brunnhofer, Thiele und so weiter. Dann fällt mir natürlich Musik ein, wobei Musik bei mir halt teilweise noch alte Stadtwerkstatt ist, KAPU, Posthof und so weiter. Da hat sich natürlich der Besuch, zum Beispiel auch im Posthof, dramatisch reduziert über die letzten 20 Jahre. Dann denke ich an die Kunstuniversität, weil ich die Kunstuniversitätszeit großteils in den Tabakwerken verbracht habe und dann am Rande würde ich an Orte denken, die eher mit Musik in Verbindung gebracht werden, weil das nicht unbedingt mein Hauptinteresse ist. Das beobachte ich natürlich, dass es natürlich Auswirkungen gibt, die vielleicht kommen werden, was das für ein Musiktheater, für ein Brucknerhaus bedeutet und so weiter und so fort. Theaterbereich und klassische Konzerte würden mir dann eher später einfallen. Und wenn ich dann schon so weit nachgedacht habe, dann würde ich vermutlich auch noch an gewisse Formen von Festivals denken, wie Crossing Europe, das ich super finde, oder auch nextComic, das ich als Chance empfinde, dass sich das entwickelt. Ich bin auch gespannt, was die nächste Triennale bringt. Ich finde es halt oft ein bisschen bedenklich, dass dann solche Eventformate vielleicht auch andere Sachen verdrängen. Und was fällt mir noch ein … dass ich mir diese Off-Space-Szene irgendwie immer stärker vorstellen würde. Also angefangen mit Sachen, die im Umfeld von IFEK und Rotem Krebs passieren bis … Solche Sachen finde ich total spannend. Es ist halt natürlich auch etwas, was man nicht erzwingen kann, weil es halt großteils auch private Eigentümer sind und man halt nicht so schnell einen Raum bekommt, wobei es gerade in Linz mit der kompakten Innenstadt schon lässige Sachen gäbe. Und was mir jetzt nicht eingefallen ist, sind LinzFest und Pflasterspektakel.

Wenn du die letzten zehn Jahre, also die Jahre 2000 bis 2010, betrachtest: Was lief deiner Meinung nach besonders gut in der kulturellen Entwicklung der Stadt Linz?

Holger Jagersberger: Grundsätzlich kommt mir einfach vor, ohne dass ich da Zahlen kennen würde, dass der Bereich finanziell nicht so schlecht da steht, also zumindest für Bauvorhaben im Kulturbereich Geld da ist. Angebot und Struktur kommt mir vor, werden zum Teil schon vergrößert, quantitativ. Ob sie verbessert werden, ist wieder etwas anderes, also dass zum Angebot, wie man das steuern kann, auch die Nachfrage annähernd nur mitzieht. Weil man muss natürlich schon sagen, was ich von Außen her bei Linz09 mitbekommen habe, du kannst die Leute niederballern, marketingmäßig und so weiter und dann geht … ich brauche nur bei mir in der Familie schauen, weil bei mir in der Familie hat sich noch nie wer interessiert bis heute, für Kunst. Ich komme jetzt nicht aus einem Künstlerhaushalt und wenn ich mir anschaue, was meine Großmutter oder meine Eltern im Linz09-Jahr besucht haben, das hätten sie sonst nicht gemacht. In abgeschwächter Form machen sie es jetzt noch, es war vielleicht ein gewisser Einstieg. Aber du kannst natürlich nicht jede Veranstaltung so bewerben, weil schlichtweg das Geld fehlt. Aber ich habe Linz09 pauschal gesehen relativ positiv wahrgenommen. Abgesehen davon natürlich, dass man mit den ganzen Vorprojekten und der Kommunikation gerade in der Entwicklungsphase sicher anders umgehen kann. Ich habe es nicht so gut erwartet, weil ich es mir zum Beispiel im Bereich Theater oder Musik, Stichwort Circus, wesentlich banaler vorgestellt habe. Gerade so die ersten Warnlichter, Richtung Hubert von Goisern und so weiter … die erste Produktion war aber total schön, was ich gesehen habe, gleich die ersten paar Jännertage, da hat meine Freundin mitgearbeitet, da habe ich mir schon gedacht, wesentlich ambitionierter als ich es mir gedacht habe, jetzt vom Level. Und von da her habe ich es interessant gefunden, auch vom Musikprogramm, also zumindest in dem Jahr.

Fällt dir sonst noch etwas ein, dass besonders gut gelaufen ist in den letzten zehn Jahren?

Holger Jagersberger: Ich finde es super, dass es Crossing Europe gibt, weil ich habe die Diagonale immer besucht, wie sie Christine Dollhofer noch gemacht hat, in den 1990er-Jahren. Ich habe das super gefunden in Graz und habe das auch klasse gefunden, dass das nicht wie so oft in Wien landet, sondern dass das in Linz einen Anker schlägt. Sonst sind es eher Einzelereignisse. Ich kann nur sagen Roman Signer im OK oder Mogwai am LinzFest oder solche Sachen, aber jetzt keine Strukturgeschichten.

Und mit welchen kulturellen Entwicklungen der letzten zehn Jahre bist du überhaupt nicht zufrieden? Fällt dir da etwas ein?

Holger Jagersberger: Ich weiß jetzt nicht, ob das eine Entwicklung ist oder eher eine Nicht-Entwicklung, dass man städteplanerisch das Leben in der Stadt … dass das scheinbar so unverrückbar in Linz diese Anordnung hat, wie sie es hat, das finde ich furchtbar. Also sozusagen den Platz, den sie verändert haben, indem sie ihn noch mehr zubetonieren. Die Situation, dass wir eigentlich ein total super Ufer hätten, die Stadt aber nicht ost-west-mäßig irgendetwas macht mit der Donaulände. Auch die ganzen Kids, die am Wochenende fortgehen. Dass man es möglichst dunkel und böse macht und verbietet, anstatt dass man Licht macht, öffentliche Toilettenanlagen macht, wenn die Jugend schon dorthin geht, dass man das auch dort macht und nicht versucht, das Skateboarden zu verbieten. Und das Musiktheater tun wir da raus und die Bruckneruniversität tun wir an das andere Ende. Das finde ich auch relativ schade, dass man den zentralen Donauraum nicht öffentlich und kollektiv wahrnehmen kann. Da geht es jetzt nicht um Kunst oder Hochkultur, sondern da geht es einfach darum, es ist schön, du gehst raus, möchtest noch etwas trinken usw. Da finde ich das zum Teil eine verlorene Chance. Fußgänger, Radfahrer, Nibelungenbrücke, der Weg rüber nach Puchenau und so weiter und so fort. Alturfahr West ist so schön, oben bei der Rudolfstraße, aber wenn du ein kleines Kind hast, traust du es dir halt nicht einfach, in die Volksschule zu schicken. Das ist eher, wie man mit öffentlichem Raum umgeht, wo wohnt man, wo arbeitet man, wo kann man Freizeit, Kultur, was auch immer, erleben? Da finde ich, könnte man ganz andere Sachen einschlagen. Als letzten Punkt dazu, das Tabakfabrikareal. Ich hab da seit 1996 oder 1997 … mit der Universität bin ich da hingegangen, es war total absehbar, wie sich das entwickelt im Prinzip. Und meiner Meinung nach hat es das im großen Stil nicht geheißen, dass das ein Architekturjuwel ist. Also man hätte mit der Sanierung des Parkbads oder dem Bau dieses Medicent … das war ja ewig lange eine Brache … der alte Schlachthof hat immer noch oder zumindest bis vor kurzem dem Walter Mayer gehört hat, wo sich Linz09 auch dafür interessiert hat, mit dem man jetzt wirklich normal reden kann, wie man es auch sieht beim Apothekerhaus, bei der Zwischennutzung durch den Musentempel. Also diesen ganzen Raum statt der Landesfrauenklinik, die Wohnbebauung, dass man jetzt nicht nur das Objekt sieht, sondern den ganzen Umraum, eine gewisse Stadtteilentwicklung, das hätte man in den letzten zehn Jahren vermutlich anders strategisch denken können.

Womit kann Linz deiner Meinung nach im österreichischen Städtewettbewerb punkten, vor allem im Vergleich zu ähnlich großen Städten wie Graz, Salzburg oder Innsbruck?

Holger Jagersberger: Gute Frage. Also Mozart haben wir nicht, Festspiele gibt es nicht. Ich möchte jetzt eh nicht so zwingend der Touristiker sein, dass muss ich auch sagen. Ich muss sagen, ich wohne jetzt nicht aus reiner Bequemlichkeit in Linz, sondern ich finde diese Nähe zum Grünen, zum Mühlviertel oder zum Salzkammergut und diese Sachen gut, aber auch die schnelle Anbindung nach Wien, gerade dieses Dazwischensein hat für mich eine große Qualität. Ich kenne in Linz einige, die irgendwie einen schönen Wohnraum oder sogar ein Haus irgendwo haben. Ich kenne in Wien exakt einen, der ein Haus hat und den würde ich als Halb-Topmanager einstufen. Es sind einfach viele Sachen, die für mich leistbar sind, zum Beispiel kurze Wege in die Arbeit. Ich wohne in Urfahr drüben, gehe da zu Fuß rüber, gehe ich hinten rüber, Petrinum, kann ich joggen gehen. Wir haben unser Auto verkauft zum Beispiel, meine Freundin und ich. Solche Sachen haben für mich eine Lebensqualität. Das nach außen zu transportieren, du musst nach Linz kommen, weil … tagesaktuell müsste ich jetzt wirklich länger überlegen. Ich finde es jetzt einen sehr guten Ort zu leben, habe das früher aber total anders gesehen, immer mit Sicht auf die Mängel. Das empfinde ich jetzt zum Teil nicht mehr so, weil ich dann auch gerne wohin fahre, und auch gerne wieder zurückkomme. Hat alles seine Vor- und Nachteile. Teilweise ist einem etwas zu langweilig, dann ist es einem zu hektisch, da finde ich es aber ganz nett, mitten drinnen. Und ich glaube, auch für Künstler und für die Kunst finde ich es nicht so schlecht, auch die Möglichkeiten, die man da hat. Wenn man will – ich habe das früher scheinbar nie gewollt als Student, aber man hat Mitsprachemöglichkeiten. Ich habe an der Kunstuniversität studiert, da fällt mir jetzt auf, dass ich es schade finde, dass es über 1.000 Studenten sind und wenn sozusagen 90 Prozent keine Zeit haben, oder es freut sie nicht, wenn nur zehn Prozent zu einer Ausstellungseröffnung gehen, müssten dort 100 Studenten stehen, sind aber nie da. Es hätte, glaube ich, viel mehr Qualität als die im Kulturbereich Agierenden oft wahrnehmen.

Inwieweit denkst du, dass Linz international als Kulturstadt wahrgenommen wird? Und welche geografische Reichweite hat die internationale Wahrnehmung deiner Meinung nach? Du hast ja wahrscheinlich auch viel mit Rückmeldungen zu tun.

Holger Jagersberger: Die Rückmeldungen sind alle besser als das Vorurteil oder die Vorinformation war, weil so gut wie gar keiner, der hierherkommt, Linz vorher gekannt hat. Das muss man einfach sagen. Ein paar haben es halt mitbekommen, nachdem sie im Kulturbereich sind, haben sie über das eine oder andere Projekt von Linz09 etwas mitbekommen, aber haben vermutlich genauso wenig gewusst wie alle anderen, wer vor ein paar Jahren Europäische Kulturhauptstadt war. Aber so ein bisschen beim Recherchieren, wo werde ich da denn eingeladen, wo muss ich mich denn da bewerben. Das Feedback ist von allen sehr, sehr gut, ausschließlich muss man sagen, von denen die jetzt da waren, wobei da halt auch so weiche Faktoren dazukommen. Jetzt nicht unbedingt: „Ich habe hier ein großes Projekt gemacht.“, sondern da geht es halt auch irgendwie um das … wir liegen ja mit dem Salzamt sehr zentral, wir haben vier Fahrräder im Haus für die Gastkünstler, die sind total happy, dass sie schnell überall sind, wenn sie eine gute Zeit erwischen und gute zwei, drei Monate, sehen sie auch sehr viele verschiedene Projekte und nehmen das, verglichen mit der Größe der Stadt, relativ gut auf. Die kommen zum Teil aus Städten, die zweieinhalb Mal so groß sind, wo die Struktur auch nicht recht viel besser ist.

Beschreib bitte dein Resümee von Linz09 anhand von drei Punkten.

Holger Jagersberger: Was ich aus der heutigen Sicht sagen kann, ist dass man auch auf oberster Ebene, egal wie man individuell Heller und Fuchs beurteilen will, dass man Leute von Außen, die eine gewisse Erfahrung haben, deren Meinung oder Know-How ernst nimmt und akzeptiert, in der Politik, bei den Entscheidungsträgern. Das habe ich mir ein bisschen besser vorgestellt. Es müssen jetzt nicht die genannten Personen sein, aber offensichtlich gibt es für viele Themen, zum Beispiel Tabakfabrik, nicht aus eigener Erfahrung oder aus eigenem Know-How die Lösung. Das heißt, man muss sich Fallbeispiele, andere Projekte ansehen usw. und da sollte man schon versuchen, vorurteilsfrei zuzuhören, und nicht sagen, jetzt haben wir das eh schon so lange immer recht gut gemacht, wir wissen schon, wie es geht. Das finde ich ein bisschen schade, dass man diesen Transfer von organisationalem Wissen nicht implementiert, sondern sagt, danke, auf Wiedersehen, Medaille, und ab auf den Flughafen. Das finde ich total eine falsche Haltung. Und ich glaube auch, dass solche Leute, die nachher wieder in ähnlich groß dimensionierten Projekten arbeiten … da geht es nicht nur um Know-How, da geht es vermutlich auch um das Anzapfen von Netzwerken, Fördermöglichkeiten, Sponsoren, irgendwelche Partnerschaften, da wäre es vermutlich nicht schlecht gewesen, wenn man mit den Leuten ein bisschen in Kontakt bleibt und das nicht so abwürgt. Das finde ich schade. Das ist eher die Stadtpolitik gegenüber den großteils aus dem Ausland stammenden Experten. Ich verfolge ja auch das, was Martin Heller macht, diesen Realstadt-Katalog, den haben wir uns gekauft und ein paar andere Sachen, ich sehe, was die für Projekte machen. Also wo findet das statt? Wer ist beteiligt? Wer finanziert das? Da lese ich eher im Impressum und denke mir dann, ok, das ist halt nichts, wo irgendwer eine Telefonnummer von denen hätte. Das sind ganz andere Netzwerke und dass man das so klar kappt, finde ich einfach schade.

Wie schätzt du das Verhältnis von Hochkultur – Subkultur – Volkskultur in Linz ein?

Holger Jagersberger: Mir kommt vor, dass … ich meine da ist jetzt die Frage, was man als Subkultur definiert. Die Subkultur, die ich meinem Alter geschuldet als Subkultur betrachte, ist ja schon längst in der Hochkultur angekommen. Natürlich war Nirvana in der KAPU irgendwann Subkultur, aber da ist die Frage … hängt auch vielleicht mit frei und gefördert zusammen und wie ist man dann verpflichtet usw. Vermutlich ist irgendetwas Subkultur, wo der Großteil von uns, die sich als die bewusst im Kulturbereich Befindlichen definieren, das gar nicht als Subkultur wahrnimmt. Ich finde auf YouTube irgendwelche Pseudo-Gangsterrap-Geschichten von irgendwelchen Kids, vor kurzem habe ich noch etwas gesehen auf der Eisenbahnbrücke. Das ist für mich Subkultur. Ich kann zwar damit überhaupt nichts anfangen, weil wir halt nicht in Los Angeles, South Central leben, aber abgesehen von den Dialekttexten empfinde ich das noch relativ als Subkultur. Verwackelte Handykamera und auf YouTube gestellt. Zumindest nutzen die Medien anders als wir „alten Säcke“, die sich vielleicht freuen, dass es mit dorf tv jetzt endlich Fernsehen gibt. Wo die anderen vielleicht sagen, Fernsehen, hey, furchtbar Old School, weiß ich jetzt nicht. Aber die Subkultur, die wir auf den ersten Blick meinen, ist relativ nahe an der Hochkultur. Was ist im Musikbereich Subkultur? Das spielt im Roten Krebs im ersten Stock, aber es sind lauter hochkulturelle Player dann dabei. Sonst verstehst du die Codes vermutlich nicht. Volkskultur in der Stadt ist für mich eher unsichtbar. Ich verbinde mit Volkskultur dann halt wirklich diese Volkspflege, sehr stark mit Goldhauben und was weiß ich. Das ist bei mir eher ein bisschen negativ besetzt. Trachten und solche Sachen, die als textiles Objekt an sich schön sind, könnte ich nicht bringen in der Stadt. Was ich jetzt zum Beispiel ganz interessant finde, weil wir halt im Salzamt sitzen, so wie bei uns das Lokal unten ist, so eher in eine kulinarische Richtung, wo es im Prinzip auch um Volkskultur geht, wo es um kulinarisches Wissen geht oder so etwas, das finde ich schon sehr gut, dass es regionales oder lokales Bewusstsein von der Geschichte gibt. Was natürlich im deutschen Sprachraum immer total schwierig ist, weil natürlich alles immer auf die NS-Zeit zurück gemünzt wird. Aber ich muss sagen, wie die Skandinavier mit Musik umgehen, Quoten usw., oder wie die Franzosen Kino behandeln, die auch eine eigene Industrie schaffen und nicht nur ein Hochkultur-Cineastentum für ein paar Versprengte, das gefällt mir. Da war halt ein Film mit Michel Piccoli und Romy Schneider in den 1970er-Jahren der erfolgreichste Film im Jahr. Und du lernst auch Filmbetrachtung, Filmverstehen in der Schule. Das finde ich dann schon gut, wenn so etwas Volkskultur wäre, dass man auch ein eigenes Schaffen hat, was nicht nur zwingend von Außen determiniert ist, was natürlich oft in der Musik ist oder in kommerziellen Spielfilmen. Das finde ich super, beim Crossing Europe einer der Eröffnungsfilme, „Das schlechte Feld“, sich mit Ansfelden beschäftigt. Ich kenne den Film nicht, aber damit man nicht nur wie so A-Festivals schaut, dass man möglichst Brad Pitt plus Ehefrau hereinbekommt. Das ist ein Volkskulturbegriff, den ich super fände. Und alle Sachen, die gebrochen sind. In Linz gibt es bekannte Beispiele, von Attwenger angefangen, da finde ich es dann interessant, Volkskultur. Wenn es sich abschottet, gegenüber einer jüngeren Generation, wenn nur die Pensionisten in irgendeinem Pfarrheim im Innviertel einen Tanz aufführen, dann bin ich halt meistens nicht dabei, bekomme es aber auch nicht mit.

Wenn du einzelne künstlerische Disziplinen wie Malerei und Grafik, Tanz, Theater, Musik, Literatur, Film, Fotografie usw. betrachtest: Wo würdest du meinen, wäre in der Stadt noch Entwicklungspotenzial vorhanden?

Holger Jagersberger: Ja, es ist, glaube ich, eine Grundsatzentscheidung. Will man das eher gießkannenmäßig, dass alles ein gewisses Mindestmaß hat? Da müsste man die schlechten jetzt nehmen. Oder nehme ich Bereiche, die schon recht gut sind, auch vom Publikumszuspruch und entwickle ich die noch weiter. Ein Touristiker macht das sicher, dass er Marken entwickelt. Ich finde es arg, dass man zum Beispiel nach einem Höhenrausch das nächste Projekt nicht mehr Naturrausch nennen kann, sondern Höhenrausch 2, weil das hat schon eine Marke. Und dann sofort überlegt, ob man etwas nicht Klangwolke nennen darf, so etwas kommt sicher noch einmal. Jedenfalls, der zweite Punkt wäre, wenn ich etwas sehr Erfolgreiches nehmen müsste, dann glaube ich, dass man den Theaterbereich ausbauen müsste. Weil das so war, auch bei Off-Geschichten wie dem Musentempel, dass man einen super Zulauf hat. Das Phönix hat, glaube ich, eine sehr gute Auslastung und auch ein junges Publikum. Ich gehe öfters ins Landestheater, weil meine Eltern eine Theaterabo haben und wenn sie keine Zeit haben, dann springe ich ein. Da gibt es halt schon einen recht bedrohlichen Altersschnitt. Auch wie dann die Busse herangekarrt werden, wie man sich verkleidet für einen Hochkulturbesuch. Das ist kein selbstverständlicher Akt, sondern es ist etwas Besonderes noch. Das ist halt generationsbedingt, das ist vielleicht beim Phönix und bei anderen anders. Von daher müsste man vielleicht noch mehr in Richtung Theater gehen und vermutlich in den öffentlichen Raum und das Pflasterspektakel auch in Richtung Theater und irgendwelche Sachen im öffentlichen Raum entwickeln, ein bisschen weg von Jonglieren und Straßenorchester. Das ist, glaube ich, eh die Bestrebung. Ich bin da auch nicht das Stammpublikum, muss ich sagen. Wenn es um das geht, wo es am wenigstens ist, dann muss ich sagen, da gibt es manche Sachen, da gibt es solche Strukturprobleme, da tust du dir echt schwer. Das ist zum Beispiel im Film. Der war zumindest bisher immer noch recht abhängig von viel Geld und einer Industrie und allem Möglichen. Da könnte man sich natürlich auch ein bisschen … man hat es gesehen bei Dogma, mit handelsüblicher Videotechnik und allem drum und dran, kann man genug machen. Es gibt genug Präsentationsplattformen, da fehlt aber das Forum dafür. Da müsste es entweder eine Studienrichtung an der Kunstuniversität geben, sozusagen ein bisschen weg vom geschmäcklerischen Animationsfilm oder jetzt mache ich etwas Nettes. Wenn man das wirklich strukturell denkt, wie können wir … es gibt auch Leute, die machen eine Schauspielausbildung an der Bruckneruniversität … also, wie kann man die Leute zusammenbringen und selber etwas machen? Das fände ich total interessant, weil mich persönlich auch Genrefilme total interessieren. Man kann ganz normal in einen Krimi alles Mögliche hineinpacken, aber man muss nicht gleich im Vorhinein sagen, Achtung Kunst, oder warten, bis man ein bisschen Geld hat für ein Musikvideo oder so etwas. Das wäre sicher eine Möglichkeit, müsste halt jemand machen. Meiner Meinung nach hätte das AEC die Kompetenz dazu, aber die haben halt eine andere Zielsetzung. Die sind nicht bestrebt auf Low-Budget-Produktionen, sondern wollen immer möglichst so tun, als wüssten sie, was in 20 Jahren Alltag sein wird. Und ich fände es auch ok, wenn man sich einmal der Gegenwart widmet.

Welche drei thematischen Schwerpunkte mit Kunst- und Kulturbezug werden zukünftig die größten Herausforderungen für die Stadt darstellen? Oder um es praktischer zu handhaben, du bist für die Kulturentwicklungsplanung zuständig und hast nur einen Tag Zeit, um mit möglichst vielen Kunst- und Kulturschaffenden drei Themen zu besprechen, die dir für die nächsten fünf bis zehn Jahre besonders am Herzen liegen.

Holger Jagersberger: Ein Thema ist die Tabakfabrik. Riesengroße Fläche, riesengroßes Potenzial. Meiner Meinung nach habe ich das so wahrgenommen, ich habe es zuvor bereits erwähnt, dass immer von der Tabakfabrik geredet wird, aber das ganze Umfeld mich ja genauso interessiert. Ich habe dort jahrelang studiert und habe mir in der Mittagspause nie ein eine Wurstsemmel holen können, weil einfach kein Geschäft da war. Das heißt, ich habe jahrelang bei der Esso Tankstelle Schwechaterbier, Leberkäsesemmel und Zigaretten gekauft. Da war auch das ÖH-Café im Haus meistens nicht kulinarisch und die Zigaretten waren, glaube ich, teurer. Das ist ein Areal, mit dem ganzen Drumherum, Straßenbahn, die ganze Erschließung des Gebiets, und natürlich von den Tabakwerken selber, das fände ich interessant. Ich verfolge das ja nur von außen, vielleicht ein bisschen intensiver als andere, aber ich habe jetzt kein bevorzugtes Modell. Ich würde jetzt aber – ohne dass das jetzt großartig reflektiert wäre – mir auf alle Fälle wünschen, dass der Raum, den sie brauchen, auch die Kunstuniversität und die Bruckneruniversität nützen würden, weil ich die Bruckneruniversität einen Wahnsinn finde, da oben. Ein Grund, der nach einer unnotwendigen Zerstörung jahrzehntelang frei gelassen wird, wo man sich dann denkt, irgendjemand wird sich da eine gewaltige Villa hinbauen, und dann schickt man die armen Musikstudenten mit ihren Cello-Koffern da rauf, wo auch keine Infrastruktur rundherum ist. Da kannst du in der Merkursiedlung, in der Hagensiedlung da oben, anläuten, ob du ein Glas Milch bekommst, da kannst du nicht irgendwo einen Supermarkt hineinbauen. Das finde ich ganz schlecht, das da oben. Bei der Kunstuniversität fände ich es auch besser. Erstens finde ich, dass die Reindlstraße sich nicht positiv entwickelt hat im Laufe der Zeit. Auch die Mensa ist einer Kunstuniversität unwürdig, das muss man einfach einmal sagen. Und ich finde, dass die beiden Finanzgebäude am Hauptplatz … da gibt es vermutlich hunderttausende Nutzungen, die total sinnvoll wären, aber als Hauptding für die Kunstuniversität, da Werkstätten hineinzubauen. Wenn du da zuliefern musst … also einfach logistisch und wegen allem Möglichen finde ich es total sinnlos. Es ist zwar eine prominente Lage, wäre ein schönes Gebäude. Aber meiner Meinung nach werden sie es trotzdem nicht schaffen, dass sie eine gescheite Galeriefläche haben, wo die Studenten Präsentationen machen können. Es wirkt auch nach außen nicht offen, es hat keine Freifläche, was du in den Tabakwerken super für Gastro, für Projektionsgeschichten im Innenhof usw. nutzen könntest. Also die zwei hätte ich total gerne drinnen. Thema eins, Tabakwerke. Thema zwei, diese ganze Eventisierung und Festivalisierung, die es gibt. Dem kannst du jetzt vielleicht nicht entgegen steuern, und es wird auch Vorteile haben, Nachteile genauso. Was ich aber sinnvoll fände, ist, dass man das einmal klar thematisiert. Vermutlich freut sich da auch der Touristiker, dass es starke Marken gibt. Aber dann sollten sich alle ein bisschen zusammensetzen an einen Tisch und sagen, ok, Comics, was gibt es da? Luzern, was weiß ich alles, wie machen die das? Haben wir eine Chance? Was wollen wir? Da ist Gottfried Gusenbauer mit seinen Helfern organisationsmäßig viel zu klein und meiner Meinung nach darf das auch nicht so bittstellermäßig sein. Macht dieses Museum jetzt mit oder nicht? Weil dann räumen wir halt hinten einen Raum frei. Man kann zum Beispiel auch produktiv sagen: Wir sind ein Museum, Verknüpfungspunkte von Comics und Hochkultur oder irgendetwas. Das geht von Raymond Pettibon bis zu Roy Liechtenstein, Popart, zeitgenössisch, hunderttausende Positionen, da kann ich eine super Museumsausstellung machen. Was auch andere machen, auch wenn das nicht alle in Linz wissen. Gottfried kann dann gleich sagen, übrigens das Centre Pompidou, das und das. Da müssten alle Häuser produktiv und konstruktiv mittun und nicht jemanden, der die Förderung dafür bekommt, Klinken putzen lassen und dann sagen, interessiert uns nicht. Das ist einfach keine Organisation für so etwas. Und ich meine, wir haben im Vorjahr schon mitgetan, mit dem Bernd Püribauer, der im Falter zeichnet. Heuer war es noch eine Spur besser, es gibt immer noch viel Kritik bei nextComic, aber diese Kritik kann ich nicht, was weiß ich, an den Gottfried geben. Da ist, finde ich, eine totale Chance, nämlich auf allen Ebenen. Da habe ich den furchtbaren Begriff niederschwellig zu verwenden. Wenn ich eine Signierstunde bei Thalia mache, kommen alle hin, egal, ob ich den kenne oder nicht. Da kommen die Eltern mit ihren Kindern und da brauchst du halt irgendetwas Großes. Das ist total legitim. Die Big Seller brauchen große Namen. Ich persönlich schwärme dann eher von einer Erika-Fuchs-Ausstellung, das ist dann eher der literarische Zugang zu dem. Aber es müssten sich alle zusammentun, konstruktiv etwas machen. Und das betrifft verschiedene andere Sachen auch. Das hätte vermutlich auch die Triennale betroffen, wenn das eine Kunstinsider-Sache ist, ist es eh ok, nur finde ich dann nicht, dass man nach außen kommunizieren muss, dass das unbedingt jeder gesehen haben muss und alles so groß und toll ist und wir so tolle Besucherzahlen gehabt haben, weil das stimmt halt einfach nicht. Ich bekomme tolle Besucherzahlen großteils mit einem Mainstream-Thema. Das ist halt so. Und wenn ich das in einer größeren Sache mache, dann kann ich auch spezialisiertere, feinere Sachen bieten. Bei einem Symposium werden halt nie 1.000 Leute da sein. Aber ich kann halt, zum Beispiel in der Maerz oder was weiß ich wo, feine Positionen haben, die im Programm mittransportiert werden und dann eigentlich das, um was es meiner Meinung nach auch bei der Comic-Geschichte gehen sollte, mittransportieren: Comic ist nicht für Kinder alleine. Da habe ich irgendwie die Graphic-Novel-Geschichte, da komme ich auf sehr viel von der Literatur oder einfach auf offene Formen, die aus allen Schubladen hinausfallen. Das fände ich als zweites Thema gut, also diese Festivalgeschichten. Differenzieren, aber es müssen die ganzen Player konstruktiv etwas tun wollen und sich auch an einen Tisch zusammen setzen und sagen, wir wollen das und das und das. Darunter machen wir es nicht, darüber machen wir es nicht. Wir haben dafür das Geld und wir können das organisieren und wir haben die Struktur und so weiter. Und der Tourismusverband soll das auch bewerben und soll die Leute von mir aus auch herkarren, was auch immer. Der kann dann auch etwas für Vermarktung und alles machen. Aber das finde ich jetzt nicht, dass ein Comic-Festival so sein kann, dass das dann 80 Einzelentscheidungen sind. Und du zwei Wochen vorher weißt, tun sie eh alle mit oder nicht, das ist zu unprofessionell. Das hat jetzt nicht nur mit Comic zu tun, es ist bei anderen Festivals auch so, meiner Meinung nach. Und jetzt ist mir auch der dritte Punkt eingefallen. Du musst entweder in den öffentlichen Raum gehen oder musst diese Hausgrenzen überwinden. Wenn ich die Albertina bin, ist es egal, da warte ich einfach, welche Touristen kommen. Das Salzamt kann nicht warten, Maerz auch nicht, alle möglichen. Ich kenne ja genug Leute, die in der Kunstvermittlung arbeiten, wo es dann heißt, am Sonntag waren zwei Besucher, da waren es fünf Leute. Das ist einfach ein Problem und da braucht keiner die Augen zu verschließen und mit geschönten Besucherzahlen arbeiten. Ich mache keine Geburtstagspartys mit meiner Mutter hier herinnen, es muss nicht notwendig sein, dass man die Besucherzahlen aufwertet. Da kann man sich, finde ich, schon ehrlich zusammen setzen, ob das die richtige Form ist, dass man halt einfach nur offen hat und wartet, dass wer kommt. Da musst du nämlich wirklich eine super Marke sein und das ist vermutlich ein bisschen das AEC nur, aber das sind sozusagen auch andere Erlebniswelten. Da glaube ich, gibt es eben schon eine Chance wie bei den Festivals und ich finde auch beim Crossing Europe … das sieht man halt. Oder nächste Woche fahre ich einen Tag zur Diagonale, das funktioniert, das ist voll fokussiert und da sind die ganzen Grazer Jugendlichen, die sehen halt dann zum Teil Sachen, die sie sich sonst nicht anschauen würden. Nicht weil sie so kunstbeflissen sind. Das finde ich schon irgendwie eine Chance. Und das vierte ist, das wäre, weil es ganz verzahnt und eng verknüpft ist, eine bildungspolitische Geschichte. Ich würde vermutlich im Schulsystem, sage ich jetzt einmal ganz vage … im Bildungsbereich gehört es eindeutig ermöglicht, nicht nur ermöglicht, sondern es müsste eine Verknüpfung stattfinden mit außerschulischen Sachen. Die Leute müssten zusammenarbeiten. Wir könnten ja auch in die Schulen gehen, einfach Kooperationen zwischen Bildungseinrichtungen und Kultureinrichtungen. Das fände ich total wichtig. Es gibt eh so viele Leerstellen in den Lehrplänen, Kulturtechniken, da gehört rein theoretisch auch das Lesen dazu usw. Man hängt sich da zum Teil an Themen auf, Gewalt bei Videospielen und ist Facebook gefährlich, und mit einer Zeitverzögerung von fünf Jahren diskutieren dann die Pädagogen, ob die sozialen Netzwerke gefährlich sind. Und da denke ich mir halt irgendwie, vollkommen egal, was ihr sagt, sie nutzen es ja sowieso. Und ohne Kultur- oder Kunstabsicht sozusagen, aber doch näher … also das haben wir nicht so einfach gehabt, eine Bildproduktion oder Videos ins Netz zu stellen und sich einfach zu artikulieren, auch wenn das Format ganz anders ist, vom Text, SMS. Aber man bewegt sich in den Bereichen. Und dass man den Leuten möglichst bald sagt, das ist jetzt nicht nur Goethe, Schiller oder irgendwer, sondern eigentlich produziert ihr auch laufend Text. Und da gibt es ein paar junge Leute, die machen ähnliche Sachen, mit irgendwelchen Laufschriften und irgendwelche Interventionen. Meine Freundin unterrichtet auch und du kannst sie immer mit Alltagskultursachen leicht erwischen, die Jungen. Wenn es Streetart oder Graffiti ist, dann kennen sie das über Skater- und Snowboardmode, dann checken sie es über andere Codes. Dass man das vermittelt, dass das ziemlich normal ist und nicht ganz etwas Fernes, sondern dass sie das eigentlich eh tun, nur halt noch nicht reflektiert haben. Das müsste im Bildungssystem drinnen sein.

Zu den einzelnen Themenbereichen: Neue Infrastruktur und neue Formate. Wie beurteilst du die vorhandene kulturelle Infrastruktur in Linz? Inwieweit siehst du noch quantitativen oder qualitativen Ausbaubedarf?

Holger Jagersberger: Quantitativ sehe ich den nicht wirklich, wobei es da natürlich total unterschiedliche Möglichkeiten gibt. Ich sage einmal, das AEC schaut nicht nur architektonisch so aus, aber ich finde es ist nach außen sehr abgeschottet. Keine Ahnung, wie das während dem Festival ist, immer dieses projektbezogene Mitarbeiten, aber ansonsten finde ich jetzt nicht, dass du einen Zugang hast. Ähnlich schwierig finde ich es, wenn man vorhandene Leerstände wie zum Beispiel die Tabakwerke nicht auf eine Vertragsebene bringt, dass man es nicht nutzen kann zwischendurch. Das ist vermutlich ein Problem, dass alle Angst haben, man bekommt keinen mehr raus. Das Problem werden andere Städte in einer ähnlichen Form wahrscheinlich auch haben. Vielleicht gibt es welche, die das besser gelöst haben. Ich glaube, es gibt schon genug. Zum Beispiel die Kunstuniversität hat sicher auch viel Fläche, aber ich sehe es fast jede Woche, dass irgendjemand anruft, weil er für eine Diplompräsentation oder so irgendeinen Raum braucht. Das könnte man qualitativ besser nützen. Den Musikbereich haben wir auch kurz angesprochen. Was für Auswirkungen hat das für das Brucknerhaus, wenn das Musiktheater aufmacht? Oder auch welche Positionierung das Nordico in den letzten Jahren hatte. Fläche, glaube ich, und Gebäude sind genug da, qualitativ kann man das sicher noch viel besser nutzen.

Wie steht es um Formate wie Festivals und Biennalen in Linz: zu viele, genau richtig, zu wenige?

Holger Jagersberger: Zu viele finde ich nicht. Da ist vielleicht eine Chance gegeben, dass man in der Kommunikationskraft, die Linz09 durch das Budget hatte, es auch schafft bei einem Festival, indem möglichst viele eingebunden sind, dass jeder seine Verteiler, seine Netzwerke bedient, dass man wahrnehmbar ist zu einem Thema. Wenn ich Comic ein paar Tage bespielen kann und auch auf die ORF-Homepage und in alle Tageszeitungen, auch Österreichweit, komme, finde ich das gut. Das kann einer alleine nie machen. Von daher finde ich so Festivals gut. Ich finde es natürlich interessant, wenn die Festivals keinen Wanderausstellungscharakter haben. Wir fahren alles her, zeigen es dem dummen Volk und dann fahren wir weiter und zwischen Berlin und Wien packen wir es einmal in Linz aus. Ich fände es schon gut, wenn für die lokale Kunstszene und das Publikum irgendwie so eine Verzahnung gibt. Das Wort Nachhaltigkeit will ich nicht gesagt haben. Es soll irgendwie etwas da sein. Und das hat ein Festival, ein regelmäßiges, das bewirkt schon ein bisschen etwas. Ich merke das halt wirklich bei Teenagern. Da kannst du durch Crossing Europe eindeutig etwas erreichen. Da gehst du einmal hin und dann siehst du: „He, das ist jetzt wieder.“ Vielleicht sehen sie sich das kommerziellste an, vielleicht finden sie die Musik fürchterlich, die dann in der Nightline läuft, aber es ist einmal ein Angebot da, was erlebbar ist, live. Und da sind sicher manche das erste Mal im Moviemento oder in dem ganzen OK-Komplex. Von daher finde ich das schon wichtig. Man braucht also nicht zwingend neue Formate, glaube ich, sondern die gehören einfach ein bisschen entwickelt.

Wie beurteilst du die Qualität der Formate, ganz allgemein?

Holger Jagersberger: Wo ich sagen muss – da war ein ganz ein schlechter Besuch bisher, das hat jetzt eher mit dem Job zu tun, dass ich beim Festival 4020 mir mehr anschaue, da ist die Qualität relativ gut. Aber es ist natürlich eine Nischenveranstaltung, vom Besuch her. Also die Qualität ist da und dann der quantitative Besuch … die Qualität finde ich allgemein recht gut, auch weil ich mehr die neueren Festivals angesprochen habe. Wichtig finde ich es halt, dass man nicht nur schaut bei den Bauten, was immer dazukommt, weil es wird ja auch nie etwas geschlossen oder weggerissen oder anders genutzt, sondern es kommt ja immer mehr dazu. Das habe ich bei den Festivals auch und da stellt sich für mich eher die Frage bei eingefahrenen Geschichten, bei traditionellen und etablierten Sachen wie zum Beispiel einer Klangwolke, ob das nicht einmal eine gewisse Auffrischung braucht. Ich finde es interessant, ohne dass ich den Budgetrahmen weiß, will ich auch nicht wissen, dass ich das in 80 Minuten fließen lasse, wo es keine Fernsehausstrahlung gibt, wo es kein Merchandising oder irgendetwas gibt. Da gibt es eine Aufführung und das war es. Du hast einen extremen Wert, was die Produktionsminute kostet, da bist du wahrscheinlich im Spielfilmbereich, das finde ich ein bisschen fragwürdig. Und vor allem, dass die Ästhetik zu einem großen Teil mich auch noch an meine Teenagerzeit erinnert, dass ich Laserprojektionen habe und ein Feuerwerk, trotzdem immer wieder nicht bewältigte Probleme der Beschallung im öffentlichen Raum, mit dem Wind und dass 80 Prozent der Leute sowieso nichts sehen, weil du im Inner Circle sein musst. Das sind die Probleme, die waren vermutlich schon immer da. Da gibt es manche, die sind gelungen, manche sind weniger gelungen, aber es hat einen ziemlichen Zulauf und darum wird da auch nie etwas geändert. Aber ich finde, dass Sachen, die es sehr lange gibt, quasi eine gewisse Innovation brauchen. Ich mache mir weniger Sorgen um die neuen Sachen, sondern ich finde eher, dass die etablierten öfters ein bisschen eine Durchmischung brauchen. Ich bin auch da sehr dafür, dass die handelnden Leute nicht ewig da sein sollen. Wenn ich mit dem Salzamt in Pension gehe, dann hat es da etwas. Dann sind meine Kinder genauso alt wie die Künstler. Ich hoffe zwar, dass ich sie immer noch verstehe und es ist auch nicht unbedingt eine Altersfrage, das hat nichts damit zu tun, dass man mit 50 Jahren nur mehr in verschlossenen Büros sein darf. Aber ich finde es halt nicht gut, wenn man als künstlerischer Leiter oder Intendant ewig wo ist. Ich finde, da bräuchte man öfters eine gewisse Innovation, indem man ein bisschen mehr rotiert, die Leute ein bisschen mehr wo anders hineinbringt. Dass kann neue und alte Formate betreffen.

Sind dir irgendwelche kunst- und kulturbezogene Formate aus anderen Städten bekannt, deren Umsetzung auch für Linz interessant sein könnten, ohne dass man sie nur kopiert?

Holger Jagersberger: Da bin ich absoluter Laie, aber ich kenne ein paar Musiker, die am ehesten doch noch unter so eine Art Straßenmusik fallen und die haben in Österreich wenige Auftrittsmöglichkeiten. Ich meine, wir haben das Pflasterspektakel, es kommt halt sehr ursprünglich von dieser Artistikgeschichte auch her. Aber es gibt in Frankreich oder in anderen Ländern so eine Art von Straßenfesten oder Straßenmusikfestivals, wo das ganze Dorf, der ganze Ort einfach ein paar Tage total vibriert. Wo es dann in jeder Kneipe nachher weitergeht. Das ist bei uns schon sehr definiert, in welchem Raum darf man was machen. Das ist jetzt zum Beispiel nur ganz simpel ein Straßenmusikfestival, wo es ein bisschen durchlässiger wird, wo es nicht nur in definierten Kulturräumen statt findet, oder wir definieren jetzt diesen öffentlichen Raum als Kultur und am Abend wird alles weggeräumt und dann fährt die Müllabfuhr durch, sondern dass das ein bisschen durchlässiger wird. Ich habe das nicht so mitbekommen, muss ich sagen, bei Linz09 war das auch oft so zu wem zum Essen. Von einem Format habe ich erst vor ein paar Wochen erfahren. Da gibt es den Rolf Noras, den Julius Stieber von Stavanger in Norwegen, der ist dort seit Ewigkeiten Kulturdirektor, und ich habe seinen Namen gegoogelt, weil ich ihm eine E-Mail geschrieben hätte und dann finde ich im Archiv der Nachrichten, wie er bei der Mutter von Julia Stoff eingeladen war. Das ist natürlich jetzt kein riesiges Format, aber dass du zu Gast irgendwo bist und auch in privaten Räumen, das finde ich spannend. Wie auch immer man das macht, aber dass man das aufbricht, Institutionsgrenzen, und einfach ganz normal Leute einbindet. Da gibt es witzigerweise, das muss ich jetzt schon sagen, das hat nämlich gar nichts wirklich mit Kultur zu tun, ein Bürgerbegegnungsprogramm der EU und ich war da bei Seminaren, da kommen dann irgendwelche kleinen Gemeinden mit 1.000 Einwohnern, die halt in so einem europäischen Kulturdorfnetzwerk sind. Natürlich geht es da sehr stark um diese klassische Volkskultur: Wir schicken eine Volksmusikkapelle durch Serbien und dann fahren wir alle gemeinsam dort hin usw. usf. Das machen manche auch relativ avanciert, von kleinen bis alten Leuten und das Witzige ist, da sind irrsinnig viele Menschen, die nicht Englisch sprechen, die aber irgendwen aus der Ukraine aufnehmen. Da sind total viele Leute da, die kommen dann auf Gegenbesuch. Das ist auf einem relativ niedrigen Level, einfach nur Leute kennenlernen, über Kultur im weitesten Sinne kennen zu lernen, und ist für mich auch das interessanteste Modell für Integration und um andere Kulturen zu verstehen. Da müssen natürlich beide Seiten mitspielen. Das finde ich auch total schwierig. Wir haben eine kurdische Putzfrau, bei der war ich schon ein paar Mal eingeladen bei ihrer Familie, mit allen Problemen, die du dir vorstellen kannst. Sie spricht nicht ordentlich Deutsch, nach über 20 Jahren in Österreich, ist Analphabetin, ihre Chefin vom Reinigungskonzern ist ihre Tochter. Die ist die nächste Generation, kann gut Deutsch, das ist die Vorarbeiterin. Und der Familienanteil, der männlich ist, ist nicht sehr interessiert an dem. Man bewegt sich auch in den eigenen Medien, also in den heimischen Medien, die über Satellit empfangen werden können und in der türkischen Tageszeitung. Man engagiert sich nicht politisch. Das finde ich total interessant, dass es kaum Parteien gibt, wo die Minderheiten versuchen, da etwas zu ändern, sondern man kapselt sich ab. Zum Teil ist das natürlich aus Unsicherheit, weil man die Sprache nicht so kann, aber ich fände es total interessant, wenn die Minderheiten offen wären und die Österreicher natürlich auch, also Formate, wo sich die Menschen begegnen und über das auch viel Kultur präsentiert wird, nicht der provokante Level, das ist Kunst. 90 Prozent sagen dort halt mit den üblichen Klischees: „Das kann ich auch.“, oder: „Das soll Kunst sein?“, und was weiß ich. Dann bist du wieder im Inner Circle, wo wir uns eh alle verstehen und die ganzen Codes lesen können und das war es dann.

Also ein sehr niederschwelliger interkultureller Austausch?

Holger Jagersberger: Ja, das wäre total nett. Ich kenne das von so vielen Leuten und teilweise auch die älteren Generationen bei uns in der Familie, die tendenziell sehr anfällig sind, für diese ganzen populistischen Wahlslogans: „Da gibt es die Ausländer, aber ja, die Nichte hat jetzt einen ägyptischen Taxifahrer geheiratet, der ist ja total lieb. Und jetzt war ich bei einem persischen Arzt, der ist ja total nett.“ Alle die man persönlich kennt, sind dann auf einmal genauso nett oder nicht nett wie alle anderen. Nur die nicht bekannte, anonyme Masse ist total böse, wo dann in Ostdeutschland die Skinheads gegen die Ausländer sind, die aber nirgends da sind. Das fände ich, wäre ein ganz ein einfacher Weg, indem man Kultur und Integration verbindet, ein bisschen eine Offenheit und ein Verständnis irgendwie einbringen kann. Letzter Punkt zu dem. Ich finde es zum Teil furchtbar, diese politische Kunst, die sich im Galerieraum abspielt. Wenn ich in Wien bin und es gibt Demonstrationen zur Bildungssituation und politische Äußerungen und Demonstrationen eh auf der Straße stattfinden und dann gehst du in den Galerieraum rein, wo es um politische Kunst geht: „Mit uns ist kein (National)Staat zu machen.“, Kunstraum Niederösterreich. Super Arbeiten. Samstagmittag, ich dort, einziger Besucher. Eine Stunde lang habe ich mir die Ausstellung angesehen. Gegenüber das Bank-Austria-Kunstforum mit Frida Kahlo, Warteschlange. Da denke ich schon, wenn ich gesellschaftspolitisch etwas machen will und ich begebe mich in einen total avancierten, zeitgenössischen Kunstkontext, wo bei der Eröffnung 40 Leute sind und nachher tröpfeln ein paar herein, ist das für mich ein schlechteres Format als wenn ich jetzt sehr breit, niederschwellig etwas mache, wo sich Leute auch wirklich kennen lernen, nicht nur Künstler untereinander, sondern die, die interessiert sind. Ich glaube schon, dass es auch ein großes Interesse gibt, dass sich Leute am Projekt beteiligen, die sich halt nicht als Künstler sehen. Wir haben das im Salzamt bei Eröffnungen gehabt, ein älteres Ehepaar, das ich schon total oft gesehen habe, meistens im Kunstkontext, die gesagt haben: „Ich wäre so interessiert, ich bin halt pensioniert, uns will keiner.“ Die hat jetzt nicht gesudert, sondern wo ich mir echt gedacht habe, wenn ich die das nächste Mal sehe, wenn die das schafft, dass sie Gleichaltrige für Atelierbesuche führt, könnte das vielleicht interessant sein. Ich meine, es gibt extrem viele Pensionisten, die einfach vom Geburtsjahr, von der Bildung und von dem, was damals als Kunst üblich war, einfach nicht den Anknüpfungspunkt haben an 2011. Die muss man schon heranführen. Und vielleicht mache das nicht ich besser, sondern vielleicht eine, die aus der Generation kommt. Da glaube ich, gäbe es schon auch viel Bereitschaft zur Mitarbeit und zum Ehrenamt. Und da erzeugst du auch Offenheit für die etablierten Kunstformen. Aber einfach jetzt jemanden durchzuschleifen in irgendwie eine auch sehr schwierige Kunstausstellung und dann in der Kunstvermittlung zu banalisieren, wie es bei den Kindern oft zwangsweise der Fall ist, „Jetzt zeichnen wir das einmal nach. Was seht ihr da drauf? Jetzt macht ihr das selber, das ist blau, das ist gelb.“, da tue ich mir eher schwer.

Das ist eine gute Überleitung zum zweiten Themenbereich. Schule und Bildung und Wissenschaft. Wie schätzt du das Interesse von Schülerinnen und Schülern am bestehenden Kunst- und Kulturangebot in Linz ein?

Holger Jagersberger: Ich glaube, dass das Interesse zum Teil da ist, aber zum Teil nicht da sein kann, weil es ein unbekanntes Feld ist. Und ich glaube, dass das nicht positiv oder negativ besetzt ist, sondern halt einfach beim Großteil der sehr jungen Menschen nicht wirklich wo festgelegt ist. Ich weiß nicht, wie es bei dir in der Schulzeit war, aber bei uns haben sich vielleicht von 28 oder 30 Schülern zwei Leute dezidiert für Kunst interessiert. Aber es hat jeder einmal Gitarre lernen wollen oder in einer Band gespielt, sah das aber nicht aus Kunst, sondern wollte halt ein Gitarrensolo als Rampensau spielen. Das ist einfach so, wenn du jemand jungen fragst: „Interessiert dich Kunst?“ Was assoziiert der, wie definiert der den Begriff? Ich glaube, dass das auch ermöglicht werden muss. Dich fragt ja auch keiner mit zehn Jahren, ob du höhere Mathematik lernen willst. Du bekommst das einfach mal mit. Manche rutschen über das in Richtung Naturwissenschaften und in einen gewissen Forschungsbereich. Ich glaube auch, dass das Interesse am Forschen sehr hoch ist, nur ist es meistens sprachlich schwer vermittelbar. Du hast sehr oft Experten in einer Fernsehdiskussion, die sich nicht von der Fachsprache lösen können. Aber es gibt unendlich viele, die dann zum Beispiel das gefährliche Halbwissen von Wikipedia nutzen oder wenn der Arzt sagt, sie haben ein Problem mit der Bauchspeicheldrüse, sucht der zu Hause sofort Bauchspeicheldrüse auf NetDoktor. Das heißt, das ist dann eher das Spektrum der Wissenschaft oder die Frage, wie mache ich den Vermittlungslevel, kommt mir vor, wie kann ich kommunizieren mit dem? Und ich tue mir vermutlich schwerer, wenn ich einen 10-Jährigen frage. Ich habe als Kind immer gesagt, ich werde Chemiker oder Physiker und dann hat mich einmal, an das kann ich mich heute noch erinnern, weil das war so ein Peinlichkeitsmoment, die Großmutter von einem Freund gefragt, was ist denn da der Unterschied zwischen Chemie und Physik? Und ich habe es natürlich nicht gewusst. Ich habe mir halt nur gedacht, Labor, Experiment, weißer Mantel, aber Chemie, Physik, das war für mich irgendwie Naturwissenschaften, vielleicht irgendetwas entdecken. Dieses Forschungsinteresse, das hat jedes Kind, so wie jedes Kind auch zeichnet. Irgendwann wird es dir entweder ausgetrieben durch das Bildungssystem oder schnell sanktioniert, aber wenn du Sternbilder lesen willst und mit dem Kompass gehst und Pfadfinderinteressen hast und da eine Neugierde hast, sagst du nicht automatisch: „Forschung finde ich interessant.“ Ich finde schon, den Brückenschlag muss die Bildungspolitik machen.

Welche Verbesserungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit Kunst und Kultur fallen dir ein, wenn du an den außerschulischen Bildungsbereich für Kinder und Jugendliche in Linz denkst, zum Beispiel an Jugendzentren oder Musikschulen?

Holger Jagersberger: Die Musikschulen habe ich eigentlich sehr positiv wahrgenommen. Ich bin ein paar Jahre in die Musikschule gegangen, habe Gitarre gelernt und kein großes musisches Umfeld gehabt. Das heißt, der Bub will Gitarre lernen, rufen wir an beim Brucknerkonservatorium. Die haben gefragt: „Kann er schon sehr viel spielen?“ – „Nein, nein, er ist blutiger Anfänger.“ – „Na ja, dann bei uns nicht.“ Die Musikschule hat gesagt: „Ja, gerne.“ Interessant war es, weil wir waren drei Leute, sind zur Volksschule gegangen, haben gesagt, wir machen eine Band, du lernst Schlagzeug, du Bass, du Gitarre. Alle drei haben wir Gitarre gelernt. Einer bei einem Kurs beim Musikhaus, der andere von einem Bekannten bei der Mutter, also privat, und ich habe ein halbes Jahr gewartet und dann habe ich, glaube ich, die ersten paar Monate nur rechte Hand gespielt, nicht Greifhand, klassische Gitarre. Dann haben wir uns getroffen. Die haben alle schon ein paar Nummern spielen können, irgendwelche Beatles-Nummern und ich habe monatelang bis zum ersten Akkord gebraucht. Furchtbar. Ich habe zwar eine total solide Bildung bekommen, ich kann gut Noten lesen, die zwei können es bis heute immer noch nicht, aber das ist natürlich für einen Jungen sehr unsexy. Was aber professionell beim Musikschulbereich ist, wenn du in der Bandbreite von Musik etwas lernen willst. Ich meine, du bekommst dann auch andere Sachen mit. Ich wollte dann Jazzgitarre lernen, dann habe ich meine erste E-Gitarre gehabt, da war ich dann bei Klaus Obermaier, der war damals noch Musiklehrer, der hat auch ganz andere Sachen gemacht. Den habe ich besucht, dann in Wien, und dann habe ich Leo Schatzl kennen gelernt und das ist dann oft so eine Dominogeschichte. Abgesehen davon habe ich viele Stunden geschwänzt und bin von der Musikschule hinüber gegangen, wo der Nimmervoll sein Atelier hat, neben dem Dorotheum, der ja als Maler nicht oberste Liga ist, aber der hat viel restauriert. Und ich bin da rüber gegangen und habe gefragt, ob ich zusehen kann. Ich bin halt dagestanden und bin rechtzeitig gegangen und habe mich vor die Musikschule gestellt und meine Mutter ist mit dem Auto gekommen und hat mich abgeholt: „Und wie war’s? Hast du die Hausübung überhaupt gekonnt? Du hast ja nie geübt diese Woche?“- „Nein hat schon gepasst.“ Aber ich war halt eher in einem Maleratelier. Also man bekommt dann andere Sachen mit. Die Musikschule ist einfach ein total großes System, kostet auch total viel Geld. Die Frage ist, warum gibt es das nicht in anderen Bereichen? Ich kenne manche Sachen nur vom Hörensagen. Frühkindliche Architekturvermittlung in Finnland. Es gibt einfach in unterschiedlichen Ländern ganz andere Sachen. In Niederösterreich gibt es das schon an manchen Standorten, so etwas wie Musikschulen, nur mit anderen Medien, Malschulen und solche Sachen, Schauspiel. Was ist, wenn du ein kleines Kind hast, das sich total für Schauspiel interessiert? Dann ist es wichtig, nicht jemanden über eine Castingshow zu jagen, mit einem Selbstverständnis, dass man kein Naturtalent sein muss, sondern einfach eine Sprechausbildung zu ermöglichen oder spielerisch etwas zu machen. In anderen Sparten gäbe es, finde ich, viele Möglichkeiten, ein breites Angebot zu bieten. Laientheater, wo kannst du dich denn engagieren? Ich weiß nicht, ob du öfters schon so etwas gesehen hast. Das ist halt oft schon schwierig. Wenn du einen anderen Anspruch hast, bist du dann schnell bei einer Schauspielausbildung. Aber dass du als Autodidakt irgendwo reinkommst … entweder kennst du eh alle schon oder bist wirklich so gut. Da ist für mich relativ wenig Anknüpfungspunkt. Mit 15 habe ich beschlossen, dass ich Fußballspielen möchte. Da haben natürlich alle gesagt: „Entschuldigung, viel zu spät.“ Das ist halt so. Aber diese Leistungsdichte habe ich in der Kunst irgendwie nicht. Das könnte auch, ohne dass das zu viel abdriftet, sollte man das anbieten können, eine Struktur wie die Musikschule. Vielleicht gibt es das eh, vielleicht kenne ich das einfach zu wenig. Aber ich kenne den Begriff der Musikschule, ich kenne aber keinen, der in eine Mal- oder Zeichenschule geht oder in irgendeine Theaterschule oder irgendwie so etwas. Das klingt immer gleich nach Abzocke, eine private Schauspielausbildung.

Und Jugendzentren?

Holger Jagersberger: Da muss ich sagen, da habe ich keine Ahnung, wie die jetzt funktionieren. Wie ich jung war, hat es für mich etwas gebracht, auch wie ich zum Teil ein bisschen älter war, da hat es im Lentia eines gegeben. Ich weiß nicht, ob es das noch gibt. Da haben sie eine Dunkelkammer gehabt. So bin ich an die Kunstuniversität gekommen. Ich habe früher Basketball gespielt und einer hat nach dem Training gesagt, er muss noch weg, er geht noch in die Dunkelkammer. Und das hat mich immer interessiert. Was, wie Dunkelkammer? Der hat mich mitgenommen, das war vom Land ein Jugendklub im Lentia, irgendwo im siebten oder achten Stock. Da hat es eine Dunkelkammer gegeben, da habe ich gefragt: „Darf ich dort auch hin.“ – „Ja, du musst einen Kurs machen, dann bekommst du den Schlüssel.“ Den Kurs hat einer gemacht, der damals an der Kunstuniversität studiert hat, den habe ich dann besser kennen gelernt. Bei dem war ich dann oft daheim und hab viel kennen gelernt von dem über Kunst, also nicht in der Schule und auch nicht über Freunde oder Geschwister, sondern über einen, der halt an der Kunstuniversität war. Da bin ich über ein Jugendzentrum hingekommen. Ich war zwar im Jugendzentrum nie dort, so Richtung erste Liebe, Disco, Billard spielen, sondern am Abend, wo keiner mehr da war, da habe ich einen kennen gelernt, der ist zehn Jahre älter, der da studiert hat und da habe ich mir gedacht, da will ich auch hin. Und dann habe ich das ein bisschen durchschaut und hab mir gedacht, Lachmayer, das wäre die Klasse, die mich am meisten interessiert. Da war für mich das Jugendzentrum, die Struktur, auch ein Brückenschlag zur Kunstuniversität. Wie die jetzt funktionieren, weiß ich nicht, was man jetzt anbietet. Gehen die jetzt an einen fixen Ort, die Kids, was brauchen sie, Tonstudio, Videoschnitt, das weiß ich nicht. Aber die Bedürfnisse sind sicher immer dieselben, weil vermutlich kein Kleinkind, das aus dem Kindergarten raus kommt von sich aus schreit: „Playstation“, sondern die Bedürfnisse, zu spielen oder was auch immer, soziale Interaktion, das kann mir keiner erzählen, unabhängig von dem, welche Medien oder Produkte das jetzt bedient, die sind gleich geblieben, ob du jetzt in den 1970er-Jahren oder im 2000er-Jahr geboren wurdest. Das braucht einen anderen Dresscode usw. und die familiäre Situation, Patchworkfamilien oder Jobsituationen und das Kommunikationstempo und die Medien, das ändert sich schon. Aber die Grundbedürfnisse nicht. Auch so ewige Sachen. Schau dir einmal die Themen an in der Popmusik. Liebe, Verlassenwerden und solche Sachen. Ich meine, die sind natürlich immer da. Wie sich ein Jugendzentrum ändern muss, damit die das irgendwie auffangen können, das weiß ich nicht. Aber es ist in der Stadt definitiv ein Thema. Am Land habe ich kein Problem. Da gibt es wenige Sachen, eine Pizzeria, vielleicht ein Kebapstand, wie in Bad Zell im Mühlviertel, wo ich am Wochenende wieder bin. Da gibt es einen kleinen Kebapstand, ich bin erstaunt. Aber sonst ist es ziemlich klar, du hast halt viel freie Fläche, du hast bei den Eltern den Bauernhof, klischeemäßig, eine Werkstatt oder so, wo du immer etwas machen kannst. In Linz musst du eher um den Raum kämpfen. Da wohnst du in einer kleinen Mietwohnung und kannst halt nicht sagen, kein Problem, was ich da mache. Wenn du natürlich in einem kleinen Dorf sagst: „Ich mache was im öffentlichen Raum, eine Installation im Wald.“, wirst du damit eher Unverständnis ernten.

Welche Maßnahmen im Erwachsenenbildungsbereich könnten deiner Meinung nach gesetzt werden, um das Interesse an Kunst und Kultur in Linz weiter zu fördern?

Holger Jagersberger: In der Volkshochschule gibt es heuer oder gab es letztes Jahr einen Kurs, wie geht Kunst oder so, vier Abende, das macht Maria Meusburger, die auch die Kunstvermittlung im Lentos früher gemacht hat. Das habe ich gelesen und ganz interessant gefunden. Keine Ahnung, wie das ankommt. Was mir bei diesen ganzen Einrichtungen schon auffällt, du musst einmal hingehen, du musst dich wo anmelden. Da spielt dann nicht einmal eine Rolle, ob der Eintritt frei ist oder nicht. Aber mit der Volkshochschule ist man sich eher bewusst geworden, mit dem Wissensturm, da hat man auch geschaut: „Aha, da gibt es auch diese Integrationsgeschichte.“, oder ein bisschen ein interkulturelles Verständnis haben sie mit Kochen aufgemacht oder mit so Sachen wie den Kulturlotsinnen. Solche Formate finde ich total interessant. Aber natürlich, du musst wohin gehen und du musst es machen, was ich ein bisschen schade finde, gerade wenn sie die Anbindungsmöglichkeiten haben. Das hätte auch die Arbeiterkammer. Ich glaube schon, dass du zu den Leuten gehen musst, wo sie sind und nicht warten, dass jemand kommt. Die Struktur haben ja auch die Gewerkschaften und die Arbeiterkammer, mit ihrer Bindung zu den Betriebsräten. Im Grunde genommen, wenn du Angebot vermitteln kannst, ist das ja relativ schwierig, weil das Höchste der Gefühle ist meistens, dass du irgendwo ein Päckchen mit Foldern schickst und der legt es wo auf. Vielleicht steht er nicht einmal selbst dahinter. Das ist auch die Frage, was hat die Arbeiterkammer für einen Kulturbegriff? Darf jemand wie Elfi Sonnberger nur etwas exekutieren, was von oben gewünscht ist oder muss sie sich intern aufreiben? In welche Richtung geht das? Ich war zum Beispiel zwei oder drei Mal im WIFI bei Kulturveranstaltungen, wo es dann auch um Sachen gegangen ist, angefangen von Kreativwirtschaft, also eine Creative-Community-Veranstaltung, bis hin zu Galerien in Linz und alles mögliche. Da ist das Klientel der Besucher relativ erwartbar. Beutelmeyer präsentiert eine neue Market-Studie, leicht trachtig und lodig, du hast ein paar Künstler, die sagen, sie kommen zu wenig dran. Also das WIFI hat ein Stammklientel, das bfi wird wahrscheinlich auch ein Stammklientel haben. Namen, Institutionen kann man beliebig austauschen. Solche Sachen sind halt irre teuer, der ganze Postversand zum Beispiel. Natürlich sagt meine Großmutter dann: „Gell, Ars Electronica, das ist so international, da sind dann wieder so viele Asiaten in Linz.“ Sie war aber nie dort. Aber die Stadt kann es imagemäßig verkaufen: „Wir sind so international.“ Wenn ich wirklich will, dass ich da etwas mache, dann müsste ich schauen, dass die Leute auch kommen. Und da tue ich mir vermutlich leichter, wenn ich es dezentral mache. Meiner Meinung nach macht das nextComic nicht ungeschickt, die Frau von Gottfried Gusenbauer, Sibylle, geht sehr oft in die Schulen, zu den Workshops. Meine Freundin sagt, sie wollen einen Workshop haben, die kommen, das kostet nichts. Das ist wesentlich einfacher als wenn die Lehrer wohin gehen müssten mit einer Schulklasse. Vorher fällt etwas aus, nachher fällt etwas aus, da sagt dann der Mathematiklehrer, eine Woche vor der Schularbeit, Supplierstunden bekomme ich nicht bezahlt usw. Lange Rede, kurzer Sinn, dezentral müsste es irgendwie besser sein. Ich fände auch, Kursangebot eh klar, aber warum muss ich das im Wissensturm machen und warten, dass da wer kommt? In große Betriebe muss man da gehen. Das kann mir keiner erklären, dass mit der VÖEST oder so, dass ich nicht dort Sachen machen kann.

Das war der letzte Block, jetzt sind wir am Ende angelangt. Ist dir irgendetwas noch abgegangen, möchtest du mir noch irgendwas mitteilen?

Holger Jagersberger: Nein, nicht wirklich, muss ich sagen.

Willst du noch irgendwas mitgeben, auf was wir bei der Erstellung des Kulturentwicklungsplanes besonders achten sollten?

Holger Jagersberger: Nein, nicht wirklich, muss ich sagen.

Ok, danke für das Interview.

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