Gottfried Gusenbauer

Zu deiner Person, Geburtsdatum und Geburtsort?

Gottfried Gusenbauer: Am 11. April 1968 in Linz. Bin aber aufgewachsen im Mühlviertel, in Tragwein. In Linz seit 1987.

Welche kunst- und kulturbezogenen Aktivitäten und Funktionen übst du derzeit aus?

Gottfried Gusenbauer: Ich arbeite als Festivalleiter und Programmleiter des nextComic-Festivals und das füllt mich eigentlich aus, dazu arbeite ich seit 1995 im Offenen Kulturhaus, das ist ein Halbtagesjob. Ich habe vor zehn, zwölf Jahren intensiv begonnen, mich mit Comic und Bildliteratur auseinanderzusetzen, zu Beginn in der Initiative „Linc“. Das ist ein Kulturverein, damit wir das ganze auch irgendwie auf eine Vereinsbasis stellen, und da haben wir eben einfach begonnen … eben professionell wollten wir schauen, was gibt es für Comic-Menschen in Österreich, welche Künstler gibt es, und von Linz habe ich gekannt die Unkraut, und sonst halt intensiven Kontakt mit dem Café im Rüdigerhof, wo halt die Comic-Szene ist. Und wir haben dann damit begonnen, auch ein Magazin zu machen und haben gesehen, dass es eigentlich relativ viele gute, qualitativ hochwertige Arbeiten gibt, aber eben keine Plattform für Comics.

Und dadurch dann die Gründung von nextComic. Wie würdest du deine Tätigkeit am ehesten bezeichnen?

Gottfried Gusenbauer: Festivalleiter des nextComic-Festival.

Welche Zielgruppe wird durch das Festival angesprochen?

Gottfried Gusenbauer: Ich war und bin überzeugt davon, dass der Comic-Szene am meisten keine Publikation hilft, sondern ein Festival, weil das halt die direkteste Form ist, dass man eben diese Zielgruppen auch bekommt. Also das Wort Zielgruppen ist immer ein bisschen komisch, aber bewusst für mich ist das einfach so, dass ich sage, es gibt so viele Leute, wo ich glaube, die an Comics interessiert sind, die das aber vielleicht noch gar nicht wissen. Und für mich sind halt das Zielpublikum kunst- und kulturinteressierte Menschen, die sich mit der Bildliteratur noch nicht so auseinandergesetzt haben. Und darum wollten wir nie ein Festival machen für Comic-Fans oder für Comic-Nerds oder was auch immer, sondern immer ein Kunst- und Kulturfestival für comicinteressierte Menschen.

Das Gründungsjahr von Linc?

Gottfried Gusenbauer: Das war offiziell 2007. Uns ist das einfach angetragen worden … auch wie ich in der Zeitung gelesen habe, dass wir Kulturhauptstadt werden.

nextComic ist jetzt im dritten Jahr. Auf welchen geografischen Wirkungsbereich würdest du sagen, zielt das Festival ab?

Gottfried Gusenbauer: In erster Linie auf den deutschsprachigen Raum sicher. Und dann halt … ich meine, man kann das Wort international weglassen bei Comic, weil das ist sowieso ein internationales Phänomen. Uns interessieren natürlich deutschsprachige Sachen am Meisten, weil wir das erstens einmal lesen können und zweitens, weil es interessant ist, was halt so gemacht wird. Aber natürlich sind immer wieder Projekte aus dem Ausland dabei, das ist ganz wichtig.

Gibt es in der Entwicklung von nextComic mittlerweile auch Verbindungen zu anderen Disziplinen? Ich denke, das ist auch wichtig zu erwähnen, also in welchen künstlerischen Disziplinen nextComic hauptsächlich tätig ist, hast du bereits gesagt, aber es gibt trotzdem Verbindungen zu anderen Disziplinen, oder?

Gottfried Gusenbauer: Ja, das wichtigste ist einfach dass … das war auch das Thema vom Festival dieses Jahr, dass man das Comic als intermediales Phänomen sieht. Und da geht es halt einfach darum, dass man Comic nicht mehr nur als „Hefte“ oder „Bücher, die Bildgeschichten“ zeigt, sondern das Phänomen Comic ist viel mehr, hat viel mehr Einfluss und wird auch viel mehr von anderen Medien beeinflusst. Also einerseits natürlich die ganzen Comic-Verfilmungen, Literatur, Comic-Literaturverfilmungen, dann die ganzen Animes, die produziert werden, da ist einmal ein großer Zugang. Dann natürlich zur Kunstform der Zukunft, zu den ganzen Spielen, da passiert einfach sehr viel, weil ja Comic im Bereich von Charakterdesign, vom Landschaftsdesign und auch vom Storytelling absolut zusammenhängt. Dann gibt es immer wieder Architekten, die irgendwelche Comics machen, also Comic und Architektur ist eine riesige Verwandtschaft. Da hat es auch schon im ersten Jahr ein super Projekt gegeben bei nextComic und was einfach … das hängt immer deswegen zusammen, weil die Architektur sich mit Comic aus dem Grund eins sieht oder sehr eng beieinander sieht, weil bei Comic und Architektur sieht man auf den ersten Blick das Gesamtwerk oder die ganze Seite oder das ganze Haus und dann geht man ins Detail rein. Beim Comic wäre das die Comicseite, dann die Panels und so weiter. Und Comic und Mode ist auch absolut wichtig. Ich habe das immer extrem interessant gefunden, dass auf einmal zwei Welten zusammentreffen, eben einerseits die 40- bis 50-jährigen Comicfans, die irgendwie halt nicht aufgehört haben und irgendwie weiter ihre „infantile“ Liebe weiter leben und auf der anderen Seite 12- bis 13-jährige Mangafans, die irgendwie aus einem völlig anderen Background kommen, aber halt Mangas lieben. Und auf einmal treffen da zwei Welten, zwei Generationen aufeinander, die halt eines verbindet, dass sie halt einfach eine Liebe zur Bildliteratur haben.

Jetzt hat sich das Festival seit Beginn ziemlich entwickelt. Gibt es in Bezug auf die vorhandene räumliche oder technische Infrastruktur eigentlich aktuell einen Handlungsbedarf? Also gibt es irgendeinen Wunsch nach quantitativer oder qualitativer Verbesserung?

Gottfried Gusenbauer: Wie gesagt, bei uns ist es halt immer so … ich habe immer schon gesagt, dass Linz die ideale Stadt ist für Comic-Festivals. Das stimmt auch so und mittlerweile wird das auch schon so gesehen. Das hat den Grund, dass wir eine extrem hoch professionalisierte oder eine tolle Infrastruktur haben in der Stadt.

Und wie sieht es aus, wenn man in den engeren Bereich geht? Du bist im OK und hast dort deine Infrastruktur, die du irgendwie nutzen kannst, aber wie ist das? Gibt es da die Idee zum Beispiel, irgendwo ein kleines Festivalbüro zu schaffen, vielleicht mit einem kleinen Ausstellungsraum dazu?

Gottfried Gusenbauer: Nun, es gibt ein Festivalbüro. Und sonst … Ich muss ganz ehrlich sagen, mittlerweile bin ich ein totaler Festivalfan und für mich ist das … unser Festivalbüro ist eigentlich nur temporär bei MOFF, also dort wo Christoph Haderer ist, in der Scherz- und Schund-Fabrik, da haben wir halt die vier Monate, wo es dann heiß her geht, das Festivalbüro. Dort passiert auch alles und für mich ist das einfach immer so, dass … also mein … ich weiß, dass das vielleicht arg klingt, aber mein Albtraum wäre ein Comic-Museum zu machen. Weil ein Comic-Museum muss eigentlich alles können was Linz kann, also ein Comic-Museum muss mindestens Ars Electronica mit beinhalten, es muss auch mindestens die Sammlung vom Lentos haben – das klingt jetzt ein bisschen alles wahnsinnig.

Was mich noch interessieren würde. Wie viele Personen sind für das Festival insgesamt beschäftigt, also haben in irgendeiner Form Entgelt für die Arbeit erhalten? Jetzt nicht die Künstlerinnen und Künstler, die eingeladen wurden, sondern diejenigen, die für das Festival organisatorisch tätig sind, egal ob Vollzeit, Teilzeit oder über Honorarnoten abgewickelt ist.

Gottfried Gusenbauer: Ungefähr zehn Personen, alles über freie Dienstverträge. Die Struktur unseres Festivals ist halt besonders. Einerseits kann man sagen, das ist ein kleines Ding, aber andererseits ist es halt so, dass wir nicht so arbeiten wie zum Beispiel Crossing Europe, die einen ganzen Stab haben oder sich das leisten können. Das können wir gar nicht. Bei uns ist es halt so, dass wenn wer mitmacht, arbeitet die Institution und gibt uns sehr viel. Das ist ein Modell, glaube ich, warum das überhaupt funktionieren kann. Weil, es wäre blöd, wenn ich sage, ich mache ein Festival nur mit zehn Leuten, das geht natürlich nicht in so einem Rahmen, das ist unmöglich. Also müsste man auch die angestellten Personen dazurechnen, die beim Lentos oder bei der Ars Electronica sind, zwei oder drei Leute, die immer für uns arbeiten in diesem Zeitraum. Wir haben ein minimales System von den Arbeitenden her und im Endeffekt ist es halt dann so, dass wirklich die ganzen Häuser mit ihren Mitarbeitern da ziemlich viel mitarbeiten. Das muss man einmal so sagen.

Und wenn du dir das Festival ansiehst, wie viele Personen würdest du sagen, dass im engeren Kreis auf freiwilliger Basis, also ehrenamtlich mitarbeiten?

Gottfried Gusenbauer: Also eigentlich gibt es nicht viele, die da ehrenamtlich mitarbeiten. Das war vielleicht im ersten Jahr einmal. Ich meine, das Festival ist extrem aufgeschlüsselt, es gibt irrsinnig viele Positionen und es gibt natürlich viele Leute, wo einmal ein Künstler einen Freund mitnimmt, der ihm hilft. Aber ich würde das jetzt nicht als ehrenamtliche Festivalarbeit sehen. Es gibt ein paar Ehrenamtliche, vielleicht zwei oder drei.

Ok, kommen wir zum Hauptteil. Der Einstieg ist ein kurzes Assoziationsspiel. Wenn wir wo „Kulturstadt Linz“ haben. Was würdest du dazuschreiben an Begriffen, Namen, Themen, was würde dir assoziativ dazu einfallen?

Gottfried Gusenbauer: Auf jeden Fall einmal das Comic-Festival, das würde ich auf jeden Fall hinschreiben. Dann würde ich sagen, Linz als kompetente Stadt für Neue Medien, was auch immer das heißt. Ich meine jetzt, Web 2.0 und Interaktivität und Ars Electronica, in dem Sinne. Und natürlich würde ich auch sagen Linz09-Weiterführungen von Großprojekten wie dem Höhenrausch.

Wenn du die letzten zehn Jahre betrachtest, also ab 2000 bis 2010 in etwa. Was ist deiner Meinung nach besonders gut in der kulturellen Entwicklung der Stadt gelaufen?

Gottfried Gusenbauer: Na ja, besonders gut ist sicherlich gelaufen, dass halt einfach nach wie vor Imagepflege und Kulturpflege Hand in Hand gehen. Das kann natürlich auch seine Tücken haben, das ist mir klar, aber ich glaube, dass das sehr gut transportiert worden ist. Zumindest hat man das irgendwie gelernt. Was auch gut gelaufen ist, ist trotz alledem die Vernetzung der Häuser, sowohl öffentliche als freie.

Und womit bist du überhaupt nicht zufrieden in der kulturellen Entwicklung in den letzten zehn Jahren? Gibt es da irgendetwas?

Gottfried Gusenbauer: Ja, mir fehlt der Diskurs der Kunsthochschulen zum Thema Bildliteratur, dass da einfach noch zu wenig gemacht wird und halt doch in irgendeiner Form das noch ein bisschen gepflegt wird, dass Comic mehr oder weniger keine wirkliche Kunst ist.

Wenn wir einen Blick über den Tellerrand hinaus machen, über die Stadt hinaus, und vergleichbare Städte uns ansehen, also jetzt nicht Wien, sondern Graz, Innsbruck oder Salzburg. Mit was kann deiner Meinung nach Linz da in einem Städtewettbewerb vom Kunst- und Kulturbezug her punkten?

Gottfried Gusenbauer: Also absolut die positivste Stadt bei den Genannten ist da Linz. Einfach deswegen, weil Wien ist die einzige Stadt in Österreich, die ohnedies ein riesiges Kulturerbe hat. Salzburg wird noch die nächsten 3.000 Jahre Mozart zelebrieren bis zum Abheben, das ist einfach so, das ist einfach auch das Business, das es dort gibt. Graz, finde ich, hat ein paar gute Chancen verschlafen, die wollten einfach nie das, was sie einmal stark gemacht hat … für mich, was ich so empfinde, der steirische herbst, experimentelle Kunst, innovative Kunst, die wirklich interessant ist, das ist einfach nicht recht weiter gepflegt worden oder verlief … zumindest für mich verliert sich das ganze mehr in so einen allgemeinen Kunst- und Kulturbetrieb, den es halt gibt, und für mich hat Graz da überhaupt keine Position mehr. Und Linz sehe ich positiv für Neues. Das klingt jetzt nicht so, wie ein Politiker das sagt, sondern wirklich neue Kunstmöglichkeiten, die vielleicht … also ich glaube, dass alles, was man machen kann in Linz, was neu ist, dass man es da leichter hat als in anderen Städten. Und Innsbruck kenne ich nicht.

Inwieweit denkst du eigentlich, dass Linz international auch als Kulturstadt wahrgenommen wird und falls dem so ist, wie weit reicht diese Wahrnehmung?

Gottfried Gusenbauer: Ich kann das jetzt nur von meiner Seite her sagen, wie ich es vom nextComic-Festival als Beispiel her sehe. Ich glaube, dass Linz bis dato kaum oder gar nicht wahrgenommen wird. Aber eben die Chance hat, dass sie sich in ganz neuen Bereichen total manifestieren kann. Also in dem Bereich jetzt, zum Beispiel, wenn ich Comic-Festivals hernehme, ist es einfach so, wir könnten da wirklich ein Festival vorlegen, was in Europa viel besser ist. Weil wir einfach die Möglichkeiten haben, dass wir erstens die Comic-Kunst ernster nehmen, die richtigen Häuser dazu haben, eine professionelle Infrastruktur und auch Menschen haben, die das einfach auch können und es genügend Künstler gibt und auch Menschen, die das professionell bedienen können. Und dann kann man so kleine Juwelen herausarbeiten, wie es zum Beispiel bei den Großfestivals in Frankreich der Fall ist. Man kann halt mit Festivals eine totale Energie aufbauen, die halt dann meistens in Kleinstädten funktioniert, weil eben nicht in Rom das Comic-Festival ist, sondern in Lucca, nicht in Zürich, sondern in Luzern, nicht in Paris, sondern in Angouleme, nicht in Wien, sondern in Linz, nicht in Berlin, sondern in Erlangen. Weil so eine Kleinstadt eben auch Chancen hat, dass sich die Festival-Energie eine Woche lang konzentrieren kann. Und wenn man bedenkt, dass wir … wir haben ja nicht einmal eine Presseabteilung bei nextComic, aber wir waren jetzt auf der Hauptseite des ORF neben Gadaffi die ganze Zeit, ist das einfach unglaublich. Es wird wahrgenommen. Und ich glaube, dass man dadurch auch von außen gesehen werden kann. Das Ars-Electronica-Festival ist für mich auch so ein Beispiel. Es gibt ja viele kleine Städte, die irgendetwas haben, wie Kassel oder wie Karlsruhe, die haben dann irgendeine Besonderheit und ich glaube schon, dass diese Besonderheit ziemlich herausgearbeitet gehört und da die Chance liegt von Kleinstädten, weil dann hast du halt einfach … Kassel ist halt einfach die Documenta oder in Karlsruhe ist halt das ZKM und das ist halt einfach … ich glaube, dass man schon Spezialitäten herausarbeiten kann, was dann aber auch gesehen wird von außen.

Ein anderes großes Festival, Linz09, ein ganzes Jahr lang Festival. Kannst du dein Resümee von Linz09 anhand von maximal drei Punkten beschreiben?

Gottfried Gusenbauer: Ich persönlich war froh, dass wir einen Schweizer Intendanten hatten, weil der hat einfach gewusst, dass in einem Comic-Festival riesiges Potenzial liegt und dass er da nicht viel falsch machen kann, dass da einfach ein Erfolg kommt, sagen wir mal so. Ich glaube, ein österreichischer Intendant hätte uns nicht unterstützt. Das zweite ist halt einfach … ja natürlich, eine totale Investition in Häuser, also in Infrastrukturen, in Gerätschaften. Und das dritte ist sicherlich eine Enttäuschung, die sehe ich auch sehr groß bei diesem Kulturfestival, einerseits sicherlich von der Szene, die halt ich so kenne, also von der heimischen Künstlerszene und vielleicht auch vom Publikum teilweise eine Enttäuschung. Ich denke mir, wenn man jetzt bedenkt, dass das ganze Kulturfestival … ich glaube, wir wissen nicht so wirklich, was ein Kulturfestival sein soll oder können soll und bei Linz09 ist es halt dann … man hat eh schon vorher gemerkt, dass sie versuchen, da irgendwelche Größen zu organisieren oder auch zu machen, und wenn das nicht hingehauen hat, dann hat man gesagt: Nein, es interessiert einen eh nicht. Dass man sich so auf solche Helden oder auf Größen aufhängt. Und im Endeffekt ist es einfach ein Spektakel. Aber das größte Missverständnis glaube ich war, dass die meisten Leute geglaubt haben, das ist ein Kunstfestival. Und Linz09 war ein Kulturfestival, so möchte ich es auch sehen. Wir haben eben da auch die Möglichkeit gehabt, eine Comic-Kultur einzuführen, aber es war sicher kein Kunstfestival.

Ich würde dir noch gerne drei Fragen stellen, die mit strukturellen Merkmalen in der Kunst- und Kulturszene in Linz zu tun haben. Wie schätzt du eigentlich das Verhältnis in Linz von Hochkultur zu Subkultur zu Volkskultur ein?

Gottfried Gusenbauer: Ich glaube, dass das erstens einmal ein ziemlich kleiner Schritt ist, weil ich glaube, dass überhaupt das Kulturpublikum so klein ist in Linz, es also so wenige sind, dass das „eh immer die selben“ sind. Die gehen genauso in ein Theater oder in eine Oper. Ich weiß ja gar nicht, wo in Linz Hochkultur ist. Im Brucknerhaus, ok, gut. Aber die gehen vielleicht in ein Konzert und genauso gehen sie halt in die Stadtwerkstatt in ein anderes Konzert, in die KAPU vielleicht noch nicht, aber mit dem Comic-Festival dann auch in die KAPU. Und ich denke mir halt, das ist relativ klein und es gibt einfach ein paar große Spieler die mehr Geld haben. Und die Volkskultur finde ich jetzt nicht so … also ich kenne keine Volkskultur, nicht so viel, ich weiß nicht … es sind die ganzen bäuerlichen Gebräuche, wenn man das unter Volkskultur versteht oder das Musikschulwerk ist ja auch Volkskultur, glaube ich. Das spielt sich sicher ab in den ganzen Musikschulen und so weiter, dann vielleicht noch ein bisschen Volkskultur, wenn ein paar Lehrlinge am 1. Mai bei der Demo vorangetrieben werden oder so. Das kann man vielleicht auch noch sagen, aber mir persönlich … ich kenne da zu wenig.

Wenn wir uns einzelne künstlerische Disziplinen, bildende Kunst, Malerei, Grafik, Tanz, Theater, Musik, Literatur, Comic, Film, Fotografie und so weiter ansehen, also wirklich in der gesamten Bandbreite denken. Wo würdest du meinen, außer in der Comic-Kunst, ich glaube das hast du schon gut beschrieben, wäre in der Stadt noch besonderes Entwicklungspotenzial vorhanden?

Gottfried Gusenbauer: Ich glaube, dass man wirklich noch mehr versuchen könnte, die Zusammenarbeit zwischen egal welcher Kunstrichtung … ich glaube, man könnte es noch mehr fördern, die Zusammenarbeit zwischen den Häusern, die halt einfach Mittel haben und zwischen der Freien Szene. Das glaube ich persönlich, dass das … ich will da gar nicht sagen, welche Kunstsparte noch mehr gefördert gehört. Interdisziplinäre, intermediale Projekte. Ich glaube, das ist das Interessanteste, weil ich denke, da könnte man einfach ansetzen, dass man gemeinsam Punkte angeht und vielleicht Projekte macht, an die man noch selber gar nicht denkt. Wenn ich jetzt zum Beispiel an den Tanz denke. Ich kenne mich in der Tanzszene sehr wenig aus und bin auch nicht so extrem interessiert, aber ich glaube, dass es da Projekte gibt, die mich interessieren würden. Und das habe ich zum Beispiel oft gesehen, eben auch bei der Ars Electronica, wenn ich irgendetwas gesehen habe, dann war das irgendwie … mir hat vielleicht der Aspekt gefallen, dass der Tanz ganz in einer anderen Lichtsituation oder ganz anderen Bühnengeschichte passiert, die dann wieder interessant ist für mich. Oder zum Beispiel Theater. Ich bin kein besonders großer Theaterfan, aber mich interessieren dann doch wieder ganz andere Ansätze von … wenn man jetzt für das Bühnenbild etwas gearbeitet hat, ich habe oft für das Theater auch gearbeitet, dann hat mich das wieder total interessiert. Und Theater ist ja auch so ein Bereich, wo so viele Künstler zusammentreffen, oder wie beim Film, wo so viele Künste zusammentreffen und sich gegenseitig befruchten können. Da glaube ich, dass man sehr viel machen könnten. Und ich glaube auch, dass wir zum Beispiel im Bereich Film viel mehr machen sollten. Also wir werden nicht Budapest oder irgendwie so die klassischen Drehorte, das schaffen wir irgendwie nicht, leider, aber ich glaube, dass wir trotzdem ein hohes Potenzial im Animationsfilm haben könnten. Weil man muss einfach bedenken, die großen Städte, die versuchen, die großen Hollywoodproduktionen zu bekommen … das funktioniert in Ungarn. In Wien bekommen sie keine großen Produktionen herein. Also der Film an sich selber, der Spielfilm, das werden wir nicht schaffen, aber ich glaube dass wir im Animationsfilm, wo noch eine riesige Zukunft bevor steht oder eine große Zukunft da ist, da könnte man in Linz das auch wirklich realisieren. Wir hätten, glaube ich, die Mittel, wir könnten da einen Punkt setzen, wir könnten auch aufbauend von Comic und Kunsthochschule weitergehen zu Animation zum Beispiel.

Wenn wir uns von den Disziplinen weg bewegen, hin eher zu Themen, Themenbereichen, Themenschwerpunkten. Welche drei thematischen Schwerpunkte mit Kunst- und Kulturbezug denkst du, werden zukünftig die größten Herausforderungen für die Stadt darstellen?

Gottfried Gusenbauer: Wie kann man die Off-Szene, wie kann man die Freie Szene, wie kann man die Kräfte nutzen von der Freien Szene und die Kräfte nutzen von der etablierten Kunstszene? Das ist eine große Geschichte. Dann glaube ich, dass man einen Standort herausarbeiten könnte, dass wir wirklich groß sind in der Bildliteratur und -animation. Da glaube ich einfach, da könnte man in Linz extrem viel machen. Und dann glaube ich, dass wir einfach auch in Linz eine große Chance hätten, wie man Geschichte aufarbeiten kann, also die Erzählbarkeit von Geschichte. Da könnten wir auch noch groß werden. Das denke ich mir, wenn wir uns da reinschmeißen würden in diese Sachen, da könnten wir sehr viel erreichen. Wir haben trotzdem eine besondere Geschichte auch in uns, und wenn ich jetzt zum Beispiel von den Comics her denke … man muss auch über die Geschichte erzählen und ich glaube, dass da so ein Punkt ist, wo man einsetzen könnte. Wie kann man wirklich Medien aufbereiten, dass es echt jemanden interessiert. Da denke ich meistens gar nicht an die Kinder, die immer wieder zitiert werden, sondern mir geht es da wirklich um die Menschen ab 30 bis 60. Wie kann man die 30- bis 60-jährigen, kultur-desinteressierten Menschen dazu bringen, dass sie sich mit Themen auseinandersetzen, die einfach wichtig sind. Und dadurch wird auch das Interesse bei Kindern gefördert. Natürlich gibt es sehr viele Sachen, die man auch fördern sollte, aber ich möchte jetzt nicht immer sagen, die ganzen Kinder müssen das alles lernen, sondern ich glaube, es sollen auch wirklich die Leute lernen, die jetzt schon da sind und völlig uninteressiert sind an dem Ganzen. Also das muss man ganz klar sagen. Und aus dem kommt ja wieder eine eigene Geschichte heraus, warum sich die Kinder nicht interessieren und jeder das alles irgendwie sinnlos findet.

Zu den einzelnen Bereichen. Zuerst zu Interkulturalität, Migration und Integration. Wie schätzt du die Entwicklung der migrantischen Kulturarbeit in Linz in den letzten Jahren ein? Hast du da etwas mitbekommen?

Gottfried Gusenbauer: Ich kenne den Kulturverein maiz, wo Frauen unterstützt werden, das ist in der Altstadt. Dann kenne ich den Kulturverein für Afrikaner, die Black Community. die mir ein Begriff. Und dann kenne ich noch den Kulturverein, wo ich gewohnt habe, in der Schubertstraße, ein türkischer Kulturverein. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich das kenne und selber nicht dabei bin, also bei irgendwelchen Veranstaltungen ganz selten dabei bin. Aber das hat überhaupt mit dem zu tun, dass ich sehr wenig unterwegs bin.

Mit welchen besonderen Problemen denkst du, dass MigrantInnen im Kunst- und Kulturbereich in Linz konfrontiert sind? Jetzt abgesehen von sprachlichen Problemen?

Gottfried Gusenbauer: Ich glaube auf jeden Fall, dass die größte Angst die ist, dass man nach wie vor fremd ist im Prinzip und dass die Angst da ist, dass man irrsinnig viel Zeit und Arbeit hineinstecken muss als Veranstalter, dass man dann die richtige Botschaft bringt und dass man künstlerische Inhalte immer wieder mit dem Problem, was Ausländer im sozialen Leben haben … dass das immer wieder verbunden wird. Das ist eine prinzipielle Frage, ob das politische Kunst ist und so weiter. Natürlich soll Kunst immer auch irgendwie politisch sein, wenn man es irgendwie halbwegs ernst nimmt. Die andere Seite ist, dass Kunst auch so sein kann … es gibt einfach verschiedene Ansätze, wie man Kunst sieht. Dass das entweder tagespolitisch ist oder dass sie sich wirklich um die belange der Leute kümmert, oder ob das eben ein Kunstwerk ist, was über das hinausgeht. Weil ich arbeite eben im OK mit vielen Künstlern, die eher im Kunsttourismus oder in dem Kunstrad sind, dass sie halt auf der ganzen Welt unterwegs sind und irgendwie etwas machen. Und ich denke mir, die arbeiten oft viel indirekter mit der politischen Message. Weil bei uns in Linz geht es ja wirklich darum, ob du jetzt in das Lokal dann miteinander gehst. Das ist natürlich irrsinnig leicht zu sagen, dass alle Menschen gleich sind, was weiß ich was, aber du gehst dann trotzdem wieder nicht zu diesen Veranstaltungen, weil du dir denkst, ich kenne da niemanden und ich weiß nicht, wie ich da jetzt rein passe oder nicht. Ich glaube, dass da ein extrem wichtiger Dialog noch zu führen ist. Ich glaube, dass wir zwar alle recht aufgeklärt sind und es wissen, aber die praktische Umsetzung eigentlich nicht wirklich funktioniert.

Wie schätzt du die Verbindungen zwischen den migrantischen Kultureinrichtungen in Linz ein? Und als zweites, wie die Verbindungen zwischen migrantischen Einrichtungen und nicht-migrantischen Einrichtungen?

Gottfried Gusenbauer: Ich glaube, dass es da kaum Zusammenarbeiten gibt, oder? Das liegt wirklich im 10-Prozent-Bereich, dass das irgendwie funktioniert. Sowohl da als auch dort.

Und würde dir etwas einfallen, wie man das ändern? Welche Maßnahmen würdest du der Stadt Linz vorschlagen, um Interkulturalität zu fördern?

Gottfried Gusenbauer: Ich habe zum Beispiel etwas eingereicht, ein Projekt eingereicht, eine Art Comic-Stadtplan. Das wäre eine gemeinsame Radtour gewesen, dass man auf der einen Seite zu den Stellen kommt. Ich glaube, dass man das Ganze mehr und mehr auflösen muss mit „geschützten Festen“ oder so, also einfach, dass man wirklich zueinander kommt, indem man sich irgendwie bei einer angenehmen Geschichte trifft. Ohne dass man dann komplett in eine politische Diskussion hineinrutscht, die man eigentlich gar nicht möchte oder wo man sich nicht traut oder was auch immer. Das sage ich jetzt völlig bewusst, weil ich glaube, dass das nach wie vor so ist. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich würde jetzt nicht auf die Idee kommen, ich gehe jetzt am Freitag Abend zu einer Veranstaltung, wo ich … wo es auch sicher überhaupt kein Problem gibt, aber man kommt nicht auf die Idee. Und darum glaube ich, dass man da noch sehr viel machen könnte. Man kann da den interkulturellen Dialog fördern. Über Comics ist es relativ leicht, weil man da mit Bildgeschichten noch mehr einen Austausch machen kann und ein Vorschlag wären eben Radtouren gewesen. Vielleicht auch mehr Spiel- und Sport-Turniere. Das klingt jetzt irgendwie … ich bin zwar überhaupt kein Sportler, aber ich glaube zum Beispiel, dass das trotzdem sinnvoll ist, dass die Leute einfach … weil mit Kunst, das ist wieder eine eigene Sache, die finde ich nicht so alltagsmenschlich tauglich, nicht immer alltagsmenschlich tauglich. Und ich finde einfach, dass sich die Leute vielleicht in einem Ballspiel zumindest treffen können und dann halt gemeinsam essen. Da finde ich halt den Kulturaustausch extrem wichtig, nicht den Kunstaustausch sondern den Kulturaustausch.

Zweites Thema: Kunst- und Kulturvermittlung. Da hast du durch die Erfahrungen mit dem Festival und durch die Tätigkeit im OK noch viel mehr Einblick. Inwieweit bist du derzeit mit dem Angebot an Kunst- und Kulturvermittlung in Linz zufrieden, also was gefällt dir besonders gut und was nicht?

Gottfried Gusenbauer: Prinzipiell ist ja das Comics-Festival ein Projekt, wo man sagt, das sollte der erste Schritt zur Literatur oder zur bildenden Kunst sein. Ich meine, das ist halt relativ leicht gesagt, aber ich glaube einfach, dass man den Level nicht weit genug nach unten setzen kann und die Leute wirklich einladen sollte. Ich glaube, dass muss wirklich so weit gehen, dass man abgeholt wird, dass man dann wohin geht. Gerade wenn wir jetzt zum Beispiel Lucky Luke in der Kunstsammlung zeigen, das kann für viele Leute echt eine Provokation sein, aber eben die ganz andere Richtung der Provokation. Damit stoßt man vielleicht … und ich glaube, dass man das von beiden Seiten angehen sollte, weil das … nachdem ich keine Ausbildungen habe in der Kunst- und Kulturvermittlung, weiß ich gar nicht wie ich das richtig machen sollte und nachdem mich das eigentlich bis jetzt nie so wirklich interessiert hat, wie das wirklich geht, mache ich vielleicht auch Fehler und probiere dann einfach Sachen zu machen, wo ich mir vorstellen kann, das es mir selber vielleicht gefällt oder taugt. Und da möchte ich zum Beispiel, dass man viel mehr zu den Leuten geht, also man muss viel mehr zu den Leuten. Was ich kenne von unserem Verein ist, dass wir ja auch Workshops für Comics anbieten und wir machen wirklich extrem schwere Themen. Also zum Beispiel auch bei der Landesausstellung, wenn jetzt zum Beispiel die Beziehung zwischen Bayern und Österreich das Thema sind, dann ist das nicht vordergründig ein Jugendthema der Zeit, da kann man nicht wirklich sagen, dass jetzt die Jugendlichen total aufspringen und sagen: Hey, das ist voll cool und so. Und wir haben das kennen gelernt und machen die Workshops deswegen, weil wir in die Orte fahren und da ist der riesige Vorteil von dem … wenn wir jetzt zum Beispiel nach Mattighofen oder Kleinreifling fahren und kommen in die Schule und dort wird über Comics gesprochen und wir gehen dann das Thema zum Beispiel so an, dass wir mit dem Habsburger-Adler arbeiten, mit dem bayrischen Löwen, also mit den Wappentieren und mit den ganzen Metaphern, die es zu diesen Tieren auch gibt und so weiter, dann kann man das irgendwie vermitteln. Und die Kids sind total happy, dass sie einerseits über SpongeBob reden dürfen und dann aber wirklich auch weiter reden können über die Löwen oder Wappentiere oder was auch immer. Und dass man da den Level nicht weit genug unten anlegen kann, also das sollte auch irgendwie trotz alledem … wir leben in einer Freizeit- und Spaßgesellschaft, es soll auch irgendwie einen Unterhaltungswert haben, sage ich. Ich bin ich halt einfach der Meinung. Und ich denke mir, wenn man das macht, dann sollte man bei der Kunst- und Kulturvermittlung natürlich bei den Kindern ansetzen, natürlich viel mehr noch bei den alten Leuten, und vor allem wichtig sind die Leute, die Hauptzielgruppe von Werbung und von Konsum sind, das sind, glaube ich, die von 30 bis 60 Jahre, die das meiste Geld noch haben. Und diese Leute sollte man finden und schauen, dass sie Anreize bekommen, dass sie sich für Kultur interessieren. Das geht dann einen Schritt weiter, weil solche Leute können vielleicht auch die Initiativen unterstützen. Außerdem glaube ich, dass es total wichtig ist, dass man auch für die Künstler am Land Anreize schafft. Ich bin ein totaler Verfechter von dem, wobei Linz ist eh nicht richtig eine Stadt. Ich finde, dass man den Künstlern sehr viele Möglichkeiten geben sollte am Land, kleine Kunsträume auch zu finden, oder Werkräume zu finden, weil ich mir denke, es gibt einfach so viele Künstler in der Stadt, die einfach gerne Platz hätten. Und ich weiß einfach, wenn das im besten Fall irgendwie funktioniert, irgendeine Kooperation zwischen einem Dorf oder einer Stadt, auch wenn es nicht funktioniert, dass trotzdem extrem fruchtbare Sachen herauskommen. Für mich war das wichtigste künstlerische Erlebnis sicher der Kanal in Schwertberg, da sind wir aufgewachsen, das war zwar extrem wild, aber der Kanal war für mich deshalb so wichtig, weil dort wirklich internationale Kunst stattgefunden hat. Das war einfach so ein Punkt, wo ich mir gedacht habe: Wow! Ich meine, wir haben das ja alle nicht … für uns war das normal, dass die Bands, die sonst nur irgendwo im Bach in Wien spielen oder was auch immer, dann vorher im Kanal gespielt haben und irgendwie hat man da schon das Gefühl gehabt, dass im Kanal echt was abgeht, also man hat jetzt nicht das Gefühl gehabt, man ist irgendwo am Ende der Welt, wo man trotzdem eigentlich ein bisschen war. Und das glaube ich, ist wichtig, dass man die Leute mehr anspricht, dass man sie sich holt, jetzt von der Seite her. Ich glaube einfach, dass wir uns von der Kunst und Kultur schon noch ein bisschen zu gut vorkommen, dass wir mit vielen Leuten einfach nicht reden.

Denkst du dass die Stadt Linz das auch fördern kann, indem Anreize geschaffen werden um die Kunst- und Kulturvermittlung zu verbessern, also zum Beispiel die Einführung von einem Preis für Kunst- und Kulturvermittlung oder sonst wie?

Gottfried Gusenbauer: Ich glaube, dass man das auf jeden Fall fördern kann, mit Preisen ist das sicherlich gut. Ich glaube aber eher, dass man gute Projekte fördern sollte und dass man – eben bei Sachen, was eh oft gemacht wird, bei LinzFest oder so – solche Feste noch mehr zelebrieren kann, dass man die wirklich mehr ausweiten kann in die einzelnen Stadtteile und dass man den Leuten viel mehr Möglichkeiten gibt, zu kommunizieren. Weil das mit den Preisen ist auch wieder so eine Sache, Preise bekommen halt dann wieder die üblichen Verdächtigen und das bleibt wieder in so einem … ja, dann ist halt eine Preisverleihung und dann erhält der einen Preis. Aber eigentlich ist kein Austausch passiert, außer die Preisverleihung schließt gleichzeitig ein großartiges Fest in einem Kindergarten oder in einem Seniorenheim mit ein, dann finde ich das interessant. Aber ich denke mir, die Kunst und Kultur sollte da noch viel mehr ins Leben, in die Lebensbereiche hinausgehen.

Fallen dir irgendwelche neuen Formate oder Programme ein? Es ist ja einiges passiert in den letzten Jahren, ich denke jetzt an die Kulturlotsinnen oder wo über die Häuser hinweg versucht wird, Formate zu entwickeln. Du hast zuvor zwei eigene Vermittlungsformate angesprochen, das eine mit Radtouren, das andere mit den Schulen. Aber fallen dir sonst noch Formate, Programme ein, wo du dir schon einmal gedacht hast, das wäre spannend, das in Linz anzugehen, was Kunst- und Kulturvermittlung betrifft?

Gottfried Gusenbauer: Es ist natürlich immer nextComic bei mir. Weil wir auch im Passage waren und das finde ich auch gut, dass man in die Kaufhäuser geht, weil man darf die ganzen Kaufhäuser nicht einfach dem totalen Konsum freigeben und das ist somit erledigt. Dort sind die Leute. Ich meine, wenn du am Wochenende in die UNO Shopping gehst, dann weißt du, was die Leute am Wochenende machen und ich denke mir, solche Sachen muss man sich überlegen, solche Strategien, also viel mehr überlegen, wie komme ich zu den Leuten anstatt dass ich mir überlege, wie bringe ich die Leute in mein Haus oder wo auch immer hinein. Mir gefällt das auch sehr gut mit „In Situ“, das Projekt, das es 2009 gegeben hat. Ich habe einige Projekte gesehen und ich finde eigentlich fast alles interessant, wo ich dem Betrachter ein unmittelbares Dabeisein ermögliche, weil ich glaube, dass es für jeden extrem schwierig ist, wenn man sich nicht auskennt und sich auch nur ein bisschen interessiert, sich da daran zu beteiligen, das heißt du musst die Leute … wenn es in der Familie einen gibt, der sich vielleicht ein bisschen für das interessiert und du schaffst es, dass du den bekommst, dann ist das einfach schon ein Riesenschritt ohne dass der dann irgendwie irgendetwas zu befürchten hat oder irgendwie ausgelacht wird oder so. Alle diese Projekte finde ich klasse, das finde ich gut.

Wie schätzt du die Vernetzung der verschiedenen Kunst- und KulturvermittlerInnen in Linz ein?

Gottfried Gusenbauer: Keine Ahnung, wie die vernetzt sind. Ich kann das nur als Beispiel sagen. Wir hatten jetzt ein Paper-Toys-Projekt, eben im OK, gestern war der Museumstag und die VermittlerInnen … also was mir erzählt worden ist, ist halt einfach, dass man eher so mit … wenn man eine richtige Schwelle abbaut, also wie zum Beispiel bei Paper Toys zum Teil mit vorgefertigten Toys arbeitet, was ich glaube, kunstvermittlerisch der größte Albtraum ist … so etwas darf man überhaupt nicht machen, aber das ist extrem angekommen. Wir haben wirklich tausend Kinder und wir haben viele Polytechnische Schulen dabeigehabt, was ich sehr wichtig finde, polytechnische Lehrgänge, die auf einmal kommen und mitarbeiten und etwas machen, die vielleicht nie in ein Kunsthaus sonst … oder nicht unbedingt die ersten sind, die in ein Kunsthaus gehen, sagen wir so. Das sind vielleicht jetzt wieder ein paar Vorurteile von mir, aber das finde ich total interessant, wenn die da sind und mitmachen. Und wir haben gehört, dass die VermittlerInnen gesagt haben, bitte schickt uns ein paar Klassen, wir haben zu wenig für einen Museumstag. Und darum glaube ich trotzdem … ich weiß nicht, ob ich das so sagen darf, aber eigentlich sind wir schuld, wenn zu wenige Leute kommen. Wenn ich schon glaube, es zu wissen, wie es geht, dann muss ich mich dem anpassen und schauen, dass ich die Leute trotzdem verführe und ihnen etwas zeigen kann. Weil ich denke mir, das sind ja trotzdem meistens öffentliche Gelder und man muss jetzt nicht alles dem Konsum opfern oder der so genannten Alltagsdummheit, das glaube ich gar nicht. Ich glaube nur, dass man da viel gefinkelter vorgehen sollte und die Leute ganz anders noch bekommt.

Lass uns in den Themenbereich Netzwerke, Kooperationen und Zusammenarbeit noch gehen. Du hast schon sehr gut beschrieben, gleich zu Beginn des Interviews, wie das nextComic-Festival kooperiert, und wie weit die Kooperationen mittlerweile gehen. Mich würde das noch einmal im Detail interessieren, zuerst positive und negative Erfahrungen, die du gemacht hast und ob es Grenzen der Zusammenarbeit gibt?

Gottfried Gusenbauer: Positive Erfahrungen habe ich gemacht, indem die meisten Leute überrascht waren, wie weit das Medium Comic wirklich in verschiedensten Bereichen wirkt. Eigentlich habe ich gemerkt, dass die Meisten gesehen haben, das Thema ist da und es gibt eigentlich fast nichts, das vor dem Thema sicher ist, sagen wir es einmal so, oder es wirkt fast überall hinein. Das ist die vorher erklärte Intermedialität von Comic. Grenzen der Zusammenarbeit muss ich sagen, habe ich vielleicht deswegen nicht so mitbekommen, weil ich nicht von vornherein extrem gefordert habe. Das kommt darauf an, was man will. Dann sieht man halt einfach, was man dann bekommt. Wir sind einfach so viel gewachsen jetzt. Wir haben das Glück gehabt, dass wir sehr lange nicht ernst genommen worden sind. Also das kann man vielleicht auch als Nachteil sehen, man kann immer sudern, keiner mag Comics und so weiter, aber im Endeffekt haben wir uns extrem ausbreiten können, man hat einfach immer wieder Formen finden können. Du musst bedenkt, alle Sachen sind freiwillig passiert und ich kenne keinen, der sich nicht trotzdem wieder etwas besonders herausgearbeitet hat. Es ist eher so gewesen, dass das total motiviert hat, dass der eine noch besser ist als der andere und da hat es eine Eigendynamik gegeben. Grenzen hat es gegeben, da wir einfach das Service nicht mehr anbieten können, das wir gerne gemacht hätten, das stimmt auf jeden Fall. Da gibt es absolute … also wir müssten da selber viel mehr noch machen, dass wir die Leute viel mehr und viel besser informieren, ein bisschen mehr Struktur hineinbringen in das Ganze. Das sind absolute Grenzen. Und natürlich würden wir uns einfach wünschen, dass es eben solche Sachen wie professionelle VermittlerInnen gibt, dass man das als Standard dazu bekommt, das muss man auch sagen. Da sind wir an unsere eigenen Grenzen des Festivals gestoßen, aber sonst habe ich jetzt noch keine Grenzen bemerkt.

Was du bereits vorher angesprochen hast, ist die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Einrichtungen und freien Einrichtungen, Kulturvereinen, Kulturinitiativen, Kunst- und Kulturschaffendem als Einzelpersonen. Du hast das positiv hervorgehoben, aber mich würde noch im Detail interessieren, ob du ausführen kannst, wie du die Zusammenarbeit zwischen den Häusern, zwischen den öffentlichen Häusern in Linz, sei es jetzt OK, sei es AEC, Lentos, Schlossmuseum, Landesgalerie, was auch immer, und der Freien Szene empfindest?

Gottfried Gusenbauer: Was ich gemerkt habe oder was wichtig ist, worüber ich sehr froh bin eigentlich, dass es einfach inhaltlich nur funktionieren kann … in unserem Fall war das einfach so, dass wir gesagt haben, wir wollen etwas mit Comic machen und es ist einfach nie diskutiert worden, welche Strukturen wir haben. Also es gibt zum Beispiel bei den freien Sachen … es ist so, dass man bei den freien Sachen … da haben wir eben mitgezahlt vom Festival und bei den öffentlichen Sachen, da haben die etwas eingebracht. Wobei, bei den freien Sachen haben wir zwar etwas gezahlt, aber die bringen auch sehr viel Leistung ein. Und das Interessante ist, dass die Freien voll interessiert sind, dass sie da mitarbeiten. also ich glaube mir kommt eher so vor dass die freie Szene total möchte, bei so Projekten mitarbeiten, wo eben große Häuser auch dabei sind, also Lentos, AEC, vorausgesetzt, es stimmt inhaltlich. Und ich denke mir halt, dass das vielleicht der Weg sein könnte. Weil natürlich ist es extrem schwierig für ein freies Haus, dass man das ganze Budget an Werbung und PR und was das ganze braucht, dass man das irgendwann einmal ankurbelt und dann dass man dann wirklich auch die Leute bekommt. Weil es ist einfach so, dass trotz alledem sich Gruppen bilden: Wer geht in das Haus? Wer geht in dieses Haus? Und dann ist das schon wieder fast erledigt. Und bei der Freien Szene habe ich gemerkt, dass sie total interessiert sind an solchen Sachen, aber es ist auch wichtig, dass man ihnen totale Freiheiten lässt, das muss ich dazusagen. Von der Struktur, von unserem Festival ist es so, dass man dann sagt, man macht mit und macht auch inhaltlich mit, aber wir überprüfen das nicht. Ich gehe jetzt zu keinem hin: Was machst du genau? Ich weiß schon ungefähr, was passiert, aber ich gehe zu keinem hin und drücke ihm weder eine Werbelinie hinauf noch wie er das jetzt umzusetzen hat oder so. Ich sage einfach, bitte mach irgendetwas, wenn ihr untertags aufsperrt, dann soll das irgendwie familientauglich sein, sonst sperrt nicht untertags auf, weil da können wir in keinster Form jetzt irgendwie verantwortlich sein für etwas, was ihr herzeigt im Endeffekt. Weil natürlich gibt es auch genauso im Comic sehr viele Bereiche, die ins Pornographische gehen oder sich mit dem auseinandersetzen, aber das interessiert ja eh keinen von den Häusern. Aber im Endeffekt ist es trotzdem so, dass wir dadurch eine Eigendynamik zulassen, glaube ich, dass einfach die Möglichkeit da ist, überhaupt noch zu agieren. Weil einerseits lassen wir die Werbelinie jedem über, wir hoffen nur dass nextComic halbwegs richtig geschrieben wird, und dann passiert das … aber der Vorteil ist, dass die Leute immer ihre eigenen Zielgruppen ansprechen und so spricht ein Lentos seine Zielgruppen an und eine KAPU seine Zielgruppe an und die Künstlervereinigung Maerz spricht auch ihre Zielgruppen an, und damit ist das einmal eine total freie Möglichkeit. Wir sagen auch keinem, bitte mach das Sujet, wir haben dieses Jahr Lucky Luke und ihr müsst den jetzt alle machen, das wäre lächerlich. Ich glaube, wenn man das relativ lose macht, dann sind die freien Häuser sehr interessiert daran, dass sie mit großen Häusern zusammenarbeiten, also mit öffentlichen Häusern zusammenarbeiten.

Wie schätzt du die Einbindung von diesen freien Häusern bei öffentlichen Kulturveranstaltungen und Festivals ein? Damit meine ich jetzt Festivals wie Ars Electronica, LinzFest, Pflasterspektakel, Höhenrausch oder Triennale?

Gottfried Gusenbauer: Ich schätze die Einbindung nicht sehr groß ein, also ich weiß, dass die Ars Electronica sicherlich oft mit Time’s Up zusammenarbeitet, dass es das immer wieder punktuell gibt, aber dass da sicher noch … ich glaube, da könnte man sich wirklich noch entwickeln, auch mit dem Kulturentwicklungsplan. Weil ich denke mir, das sind so Riesenspektakel, die es gibt und warum sich bei einem Pflasterspektakel eigene Häuser nicht präsentieren dürfen, ist eh blöd. Das wäre der Punkt, wo ich halt immer sage, man sollte zu den Leuten gehen, man muss bei den Leuten sein. Wenn du es schaffst, dass von den 100.000 Besuchern, die es ja gibt beim Pflasterspektakel, fünf neue bekommst für das nächste KAPU-Konzert ist schon viel erreicht. Da müsste die Stadt ansetzen und da sollten auch die öffentlichen Häuser ansetzen. Das ist einfach, wo ich mir denke, da wird viel zu wenig zusammengearbeitet, also mit den ganzen … egal ob das jetzt Lentos oder was auch immer ist, ich glaube schon, dass da mehr geht. Ich glaube auch, dass es total fruchtbar wäre, wenn man jetzt zum Beispiel so ein Triennale-Projekt sieht, da gibt es so viele Künstler, und wenn man zwei bis drei gute Positionen auslagert, weiß man einfach, dass das vielleicht viel passender präsentiert wird. Bei uns ist es total wichtig, dass die KAPU da ist zum Beispiel oder die Künstlervereinigung Maerz. Ich kann die Künstler nicht wo anders zeigen, weil sich die Künstler nicht wohlfühlen würden. Gut, in der bildenden Kunst ist das ja immer, dass die Künstler auf der einen Seite immer sehr uninteressiert an Geld sein müssen, aber andererseits werden sie dann doch wieder in irgendeinem Superhaus präsentiert. Das ist immer ein bisschen ein unehrlicher Zusammenhang, dass auf der einen Seite ein riesiger, brutaler Kunstmarkt läuft und auf der anderen Seite immer der Künstler steht, der scheinbar kein Interesse an schnellen Geldmitteln hat, das Bild gibt es trotzdem immer wieder. Ich denke mir, gerade bei solchen Großveranstaltungen könnte man die Freie Szene wirklich viel mehr einsetzen. Wenn sich die Freie Szene nicht instrumentalisiert sieht.

Zwei Fragen noch. Eine Frage zielt auf die Disziplinen hin. Zwischen welchen künstlerischen Disziplinen könnte die Zusammenarbeit noch optimiert werden? Du hast vorher bereits von interdisziplinär und intermediär gesprochen, du hast von der Comic-Kunst gesprochen, dass es da noch Verbindungen gibt. Fällt dir sonst noch etwas ein? Zwischen welchen künstlerischen Disziplinen in Linz könnte die Zusammenarbeit noch verbessert werden?

Gottfried Gusenbauer: In der Performance-Kunst oder der Kunst im öffentlichen Raum, Interventionen im Raum, sehe ich auch eine Zukunft. Ich glaube auch, dass man Großveranstaltungen wirklich mit viel mehr Kunst noch verbinden soll. Wie zum Beispiel der Eisrausch, dieses Eislaufen, dann stehen zwar nur ein paar Künstler herum oder so, aber ich finde den Weg prinzipiell richtig oder ich finde das gut, wenn man das so macht, dass es für den Künstler stimmt. Ich finde, auch ein Kronefest ohne Künstler sollte es eigentlich nicht mehr geben, weil das Problem ist halt, das dass immer wieder … also ohne bildende Künstler, nicht nur Austropop-Sänger oder so, sondern dass halt einfach die … das muss einfach, da gibt es einfach Vorbehalte und die gehören abgebaut und die kann man eigentlich nur direkt abbauen, im direkten Kontakt. Da kann man nicht darüber reden, schreiben oder was auch immer, das ist einfach im Zusammentreffen und da finde ich es einfach interessant. Ich weiß nicht, die Performance-Geschichten finde ich ganz interessant, die da entwickelt werden. Bei der Ars Electronica haben sie einmal ein bisschen angefangen. Performance gehört für mich eigentlich auch zu Tanz dazu, Bewegung und Tanz, das kann im Raum passieren. Und jetzt finde ich es interessant, dass es ein Studium geben wird über Web-Wissenschaften. Ich weiß nicht, ob das mit künstlerischen Sachen überhaupt zusammenhängend ist in Linz. Ich würde das aber sofort verbinden, wenn ich in Linz wäre, wenn es ein Studium gibt. Ich würde das sofort mit dem künstlerischen Umfeld, das es in Linz gibt, verbinden, weil ich glaube, da könnte man auch noch viel stärker werden.

Letzte Frage. Wenn du dir die tägliche Zusammenarbeit zwischen Kunst- und Kultureinrichtungen in Linz ansiehst, auch aus deinen eigenen Erfahrungen von nextComic heraus, insbesondere was den Einsatz von Ressourcen betrifft, personelle Ressourcen, materielle Ressourcen: Ist dir irgendwo einmal aufgefallen, wo sich noch sinnvolle Synergien ergeben bei der Nutzung von personellen, materiellen Ressourcen?

Gottfried Gusenbauer: Ich finde das schon sehr sinnvoll, dass ich etwas nutzen kann vom anderen. Ich finde es wichtig, dass jeder in seinem eigenen kleinen Projekt arbeiten kann, so wie bei nextComic, dass das so ist, dass jeder das eigene Projekt bespielt. Vielleicht ist das ein bisschen rückschrittlich, das Denken, weil ich glaube, dass das Koordinieren von solchen Sachen … ich glaube, bei Linz Kultur gibt es eine Bühne und eine Anlage, aber es scheitert halt dann wieder daran, dass sich die Leute, die sich die Anlage ausleihen wollen, nicht einmal den Lastwagen leisten können. Und das ist die Realität, dass du zwar irgendwie eh etwas bekommst und dass etwas möglich ist, aber da hängt wieder irgendetwas daran, und nicht einmal das kann man sich leisten. Da würde ich halt sagen, wenn Hilfe, dann richtige Hilfe von Institutionen, von Ressourcen, und da meine ich damit wirklich richtige Projektteams oder Projektarbeiten, also es muss mehr beinhalten. Nur dass ich irgendwelche Sachen habe, das ist so wie nach Afrika Wasserpumpen hinunterschicken und keiner weiß, wie er das machen soll. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen ein arges Beispiel, aber ich denke mir einfach, dass so eine Art Spezialisten-Trupps sich vielleicht entwickeln könnten aus den Häusern. Es gibt so viele Spezialisten in den einzelnen Sachen, und wenn die … das Problem ist immer, dass die Leute nicht beruflich arbeiten dürfen. Man gibt gerne einmal ein paar Scheinwerfer weiter, man gibt gerne einmal ein paar Kästchen weiter, das ist schon ok, das wird auch immer gemacht, keine Frage, aber es gibt nicht so richtiges Know-How, das weitergegeben wird. Und das wäre vielleicht einmal interessant zu sehen, wie das funktionieren würde, oder was dann da los wäre.

Institutionenübergreifende Helping Hands?

Gottfried Gusenbauer: Ja richtig, weil das ist fast so … im OK, das sind irrsinnig viele freie Mitarbeiter, das sind super Spezialisten zum Teil und wenn du jetzt zum Beispiel sagst, ok, die KAPU will in der bildenden Kunst eine Großskulptur machen, dann ist das irgendwie ein Problem oder kann vielleicht ein Problem werden. Und wenn da jetzt die Truppe … also wenn geholfen wird, dann sollte das nicht immer nur bei irgendwelchen Geräten sein, sondern sollte man sich einmal überlegen, ob man nicht richtig projektbezogene, kleine Gesamtlösungen als Hilfe anbietet. Weil ich glaube, das ist oft total hart so für manche Vereine. Ich kann mir das schon vorstellen. Ich meine, ich persönlich kann ja nicht die Infrastruktur vom OK nutzen. Das ist ja auch ein Grund, warum das so gut gegangen ist, weil ich es nicht unbedingt nutzen muss, weil ich ganz was anderes mache. Also prinzipiell ist die Idee von einer richtigen Kunst-Profi-Truppe gar nicht so schlecht, weil ich denke mir, das wäre … es gibt ja auch in der KAPU oder bei der Künstlervereinigung Maerz total super Leute, die zum Beispiel so viel Know-How haben und die halt dann einfach nichts bezahlt bekommen, aber vielleicht wäre das hilfreich, das einmal wo anders einzusetzen, vielleicht für Geld. Vielleicht ist das eine ganz andere Erfahrung, wenn man auch bezahlt bekommt dafür. Aber ich glaube eben eher an einen richtigen, gesamten Austausch und nicht nur: Was macht ihr und was macht ihr und dann … da muss dann schon richtig wer ran, der einfach eine Ahnung hat und das ganze sieht, also das ganze Projekt sieht und nicht nur ein Gerät verleiht und somit ist das irgendwie beendet.

Dann sind wir am Ende des Interviews angelangt. Ist dir irgendetwas Wichtiges abgegangen?

Gottfried Gusenbauer: Nein, es hat eh alles gepasst, außer dass sie mir nie das Geld geben, dass ich das Geld immer erst bekomme, wenn das Festival anfängt, also wenn es bereits drei Tage läuft. Das ist immer sehr traurig, aber in der Hoffnung dass in den nächsten Jahren alles besser wird.

Danke.

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